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Westdeutscher Rundfunk: WDR kündigt Fernsehfilmchef nach "glaubhaften" Belästigungsvorwürfen

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat seinem Fernsehfilmchef Gebhard Henke mit sofortiger Wirkung gekündigt. Grund seien "glaubhafte" Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs. Der Beschuldigte weist die Vorwürfe zurück.

WDR kündigt Fernsehfilmchef nach "glaubhaften" Belästigungsvorwürfen

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) hat sich von seinem Fernsehfilmchef "mit sofortiger Wirkung" getrennt

DPA

Der WDR hat seinem Fernsehfilmchef Gebhard Henke mit sofortiger Wirkung gekündigt. Grund für die Trennung seien "glaubhafte" Vorwürfe sexueller Belästigung und des Machtmissbrauchs." Henke weist die Vorwürfe zurück. Aus Sicht des WDR besteht kein Vertrauensverhältnis mehr", heißt es in einer Mitteilung.

Demnach hätten in den vergangenen Wochen "mehr als zehn Frauen" dem über sexuelle Belästigung und "unangemessene Verhalten" durch Henke berichtet, "teils im Zusammenhang mit Machtmissbrauch". Die Anstalt habe die Schilderungen geprüft, die Henke zurückgewiesen habe. "Im Ergebnis hielt der WDR die von den Frauen geschilderten Vorfälle für schwerwiegend und glaubhaft", heißt es abschließend in der Mitteilung.

Früherer WDR-Mitarbeiter streitet Vorwürfe ab

In den vergangenen Wochen deckten der stern und das Recherchezentrum Correctiv zuerst einen und danach noch zwei weitere Fälle sexueller Belästigung beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) auf. Seitdem kommt der Sender nicht zur Ruhe. Wie die "Bild"-Zeitung im April berichtete, habe der WDR einen weiteren Mitarbeiter aufgrund von Vorwürfen sexueller Belästigung freigestellt. Dabei handelte es sich um Gebhard Henke, 63, wie dieser selbst über seinen Anwalt öffentlich machte. Henkes Anwalt Peter Raue teilte daraufhin mit, sein Mandant sei freigestellt worden, ohne ihm "einen einzigen konkreten Sachverhalt zu nennen". 

Er habe sich "nichts zu Schulden kommen lassen, er weiß nicht, wer gegen ihn einen - welchen? - Vorwurf erhebt. Und dies sollte, bevor die Gerüchteküche brodelt, klargestellt werden", betonte Anwalt Raue damals auf DPA-Anfrage. Sein Mandant habe sich dazu entschieden, seinen Namen zu nennen, um Spekulationen ein Ende zu bereiten (lesen Sie hier mehr zu Hintergründen.)

agierte für den Sender seit Jahren an führender Position bei deutschen Film- und Fernsehproduktionen. Er war von Senderseite verantwortlich für große Kinoprojekte wie "Lola rennt", "Das Leben ist eine Baustelle" und "Der Totmacher". Auch Serien wie "Die Kanzlei" und "Mord mit Aussicht" liefen über seinen Schreibtisch. Seit 1984 war er beim WDR tätig und auch als ARD-"Tatort"-Koordinator bekannt. 

Sechs Frauen erhoben im "Spiegel" Vorwürfe

Zuletzt haben sechs Frauen im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" Belästigungsvorwürfe gegen den früheren WDR-Fernsehfilmchef erhoben, darunter die Bestseller-Autorin Charlotte Roche (lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen). Henke ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass die Vorwürfe "falsch und an den Haaren herbeigezogen" seien. Auf stern-Anfrage ergänzte er, Henke habe Roche nur einmal in seinem Leben getroffen. "Er kann ausschließen, ihr bei dieser Gelegenheit eine Hand auf den Po gelegt zu haben." Es könne auch nicht sein, dass Roche gegenüber Henke oder dem Sender wegen der Verfilmung ihres Buches unter Druck gestanden habe, wie Roche es im "Spiegel" beschreibe. Bei dem angeführten Treffen habe die Verfilmung längst festgestanden und der WDR sei auch nicht Auftraggeber, sondern lediglich Koproduzent des Films "Schoßgebete" gewesen. "Der Vorwurf von Frau Roche ist deshalb - wie alle anderen Vorwürfe auch - falsch und an den Haaren herbeigezogen." 

Zuvor hatten sich 16 Frauen, darunter namhafte Schauspielerinnen wie Iris Berben und Barbara Auer, in einem offenen Brief für den Beschuldigten eingesetzt.

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fs / fin / wue / wl / Mit Material der DPA und AFP