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Promi-"Wer wird Millionär?": Anke Engelkes Ladykracher-Humor rettet den Abend

875.000 Euro erspielen die Prominenten bei "Wer wird Millionär?" für den guten Zweck. Aber: Warum muss das so lange dauern? Einzig Anke Engelkes Ladykracher-Humor rettete den TV-Abend.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Das beste Mittel gegen Orangenhaut? "Bein amputieren", witzelte Anke Engelke.

Das beste Mittel gegen Orangenhaut? "Bein amputieren", witzelte Anke Engelke.

Es ist abgedroschen, es so zu sagen, aber es stimmt nun mal: Danke, Anke. Wie quälend lange wären einem sonst fast vier Stunden mit "Wer wird Millionär?", dieses Mal die bereits 30. Promi-Ausgabe, vorgekommen. Ja, richtig gelesen, vier Stunden, in denen man sonst wer weiß was hätte tun können, beispielsweise Pickel am Rücken geliebter Menschen ausdrücken, für das Jodeldiplom pauken, Gartenzwerge putzen, Sinnvolles eben. Vielleicht wäre es übertrieben, von Zeitverschwendung zu reden, man kann immerhin, ob man das später mal braucht oder nicht, etwas lernen. Etwa welches die bevölkerungsreichste Stadt in der EU ist, die nicht zugleich Hauptstadt ihres Staates ist. Dazu später mehr.

Erstmal aber: Anke Engelke. Fünf Mal stellte sie sich bereits den Fragen von Quizmaster Günther Jauch, insgesamt erspielte sie dabei 1,25 Millionen Euro für einen guten Zweck. Mehr schaffte bisher kein anderer Promi bei WWM. Und dieses Mal ging die Komikerin erneut mit einem klaren Ziel vor Augen ins Rennen: Die Eine-Million-Euro-Frage muss geknackt werden. Daraus wurde zwar nichts, aber Anke Engelke gewann immerhin 500.000 Euro, und das vielleicht auch nur, weil sie, nach eigenen Angaben, ihre bordeauxfarbenen "Glücksschuhe" trug. Doch für den Charme und den Witz, den sie in die auf weiten Strecken lahme und spröde Show einbrachte, hätte man ihr noch 500.000 Euro drauflegen müssen.

Bestes Mittel gegen Orangenhaut

Was das beste Mittel gegen Orangenhaut sei, wollte Jauch beispielsweise wissen. Engelkes Antwort: "Bein amputieren." Kurz und gut: typischer Ladykracher-Humor. Locker schoss sie ihre Pointen raus, nichts wirkte gewollt. Und nichts war ihr anzusehen von der erst frischen Trennung von ihrem Ehemann. Am meisten Spaß machte es, Engelke dabei zuzugucken, wie sie nach einer Antwort bei der 64.000-Euro-Frage suchte, die da lautete: "Wenn ich ein Liebesherz in den Stamm einer Eiche ritze, befindet es sich nach zehn Jahren...?" A) rund 50 Zentimeter tiefer B) in etwa auf gleicher Höhe C) zirka zwei Meter höher D) stets auf der anderen Seite. Die 49-Jährige entschloss sich schnell für Antwort D, kam dann aber doch ins Grübeln, ob denn Bäume sich drehen können, und forderte Jauch auf: "Komm, wir spielen das durch." Es ging hin, es ging her, Spekulationen sogar darüber, ob denn ihr eigenes Herz gemeint sei. Jauch wusste irgendwann auch nicht mehr, was er sagen soll. Schließlich ihre Erkenntnis: "Wie bescheuert ist Antwort D denn." Mit Hilfe des Publikumsjokers tippte sie auf die richtige Antwort: B.

Michelangelos David, trägt er nun ein Feigenblatt als Lendenschurz oder hat er eine Steinschleuder in der Hand? Auch das sollte am besten mal durchgespielt werden, wie Anke Engelke befand. Sie forderte den Mann im Publikum auf, den sie als nächsten Joker wählte, sich doch einfach mal nackt auszuziehen. Die 500.000-Euro-Frage, nun musste Telefonjoker Bernhard Hoëcker ran, der sich gerade Nürnberger Rostbratwürstchen in die Pfanne gehauen hatte und erst in seine Hausschuhe schlüpfen musste, bevor er sich bereit fühlte, zu antworten. Der Comedian war ein Glücksgriff, denn er geht gerne in Südtirol wandern und wusste deshalb, dass eine Südtiroler Gemeinde Namensgeberin der Haflinger Pferde ist – und nicht von A) Bockwurst B) Waldorfschule oder D) Riesling-Trauben. Anke Engelke jubelte. Selbst dann noch als Jauch, fast schon übermütig, kommentierte: "Die Pferde sehen aus wie Sie." Wegen der Frisur.

Häme für Paul Panzer

Bei Paul Panzer lief es nicht ganz so rund. Er holte zwar 125.000 Euro, kam aber bereits, und dabei ist Häme garantiert, bei der 50-Euro-Frage ins Straucheln, die da hieß: "Völlig zurecht erregt jemand den Unmut von Tierschützern, der...?" A) Mutter mal B) Aus schlag C) Gänse haut D) Mit esser. Panzers panischer Blick signalisierte Totalüberforderung. Jauch dazu: "Mein Gott, wie sollen wir 15 Fragen schaffen?" Ein breites, ein hämisches Grinsen kam von Lukas Podolski. Hey, Poldi, den Ball flach halten, hätte man am liebsten gerufen. Denn er selbst ging, und das als einziger Kandidat, nicht alleine ins Rennen. An seiner Seite war DFB-Koch Holger Stromberg. Kein Wunder, Poldi hielt sich erstmal arg zurück. Aber im Team, auch unter Einflüsterungen der anderen Kandidaten, schaffte das Duo es von den einfachen Fragen – "Eine Warschauerin, die in Wien Straßenbahn fährt, heißt …. Trampolin"- bis hin zu der 500.000-Euro-Frage, die schließlich, auch nach spontanen Diskussionen mit dem Publikum, nicht beantwortet werden konnte: Welches ist die bevölkerungsreichste Stadt in der EU die nicht zugleich Hauptstadt ihres Staates ist? Zur Auswahl: Hamburg, Marseille, Barcelona, Mailand. Richtige Antwort zu aller Überraschung: Hamburg.

Während Poldi eher defensiv spielte, ging Markus Lanz in der Manier eines Stürmers radikal in die Vollen und jedes Risiko ein. So nach vorne preschend dürfte er gerne auch mal in seinen Talkshows sein. Da blitzt fast schon der Grönland-Abenteurer in ihm durch. Leider langweilig dann sein Geläster über den Film "50 Shades Of Grey: "Es ist der vielleicht schlechteste Film, den ich je gesehen habe." Dazu die Erkenntnis: "Da geht’s überhaupt nicht um ein paar Handschellen, das ist ein Liebesfilm." Seine Frau habe es ihm hinterher erklärt, er habe es jetzt verstanden. Bei der 125.000-Euro-Frage holte Lanz sich Hilfe von Telefonjoker Kester Schlenz, Kulturredakteur des stern. Der schubste Lanz in die richtige Richtung, der Eintritt im Londoner British Museum sei grundsätzlich kostenlos, und nicht der im Louvre oder im Prado oder im MoMA. Insgesamt erspielten die Prominenten 875.000 Euro für den guten Zweck.

  • Sylvie-Sophie Schindler