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TV-Kritik Promi-"Wer wird Millionär": Ein krächzender Jauch und Fragen im Souterrainbereich

Teilweise sehr einfache Fragen, ein krächzender Günther Jauch und nur wenige Lacher: Diese Ausgabe von "Wer wird Millionär - das Prominentenspecial" enttäuschte.

Von Andrea Zschocher

Auf den Kandidatenstühlen sitzen Jeny Riewa, Carolin Kebekus, Martin Rütter und Richy Müller nebeneinander vor Publikum.

Den prominenten Kandidaten traute RTL offenbar nicht allzu viel zu

"Sie bauen jetzt ab", warf Jens Riewa dem kränkelnden Günther Jauch vor. Der hatte bereits zu Beginn von "Wer wird Millionär - das Prominentenspecial" darauf hingewiesen, dass es mit ihm stimmlich bergab gehe. Aus einem Kratzen im Hals wurde im Laufe von über drei Stunden dann ein Krächzen, gegen das auch der bei der Regie bestellte Kamillentee nichts mehr half. Lakonisch kommentierte Jauch den Vorwurf dennoch. "Das sagen mir Menschen seit Jahren. Die ARD hat es als Erstes erkannt." Und zack, im Vorbeigehen gleich noch mal den Ausstieg aus der ARD-Talkshow kommentiert.

Mitraten? Nicht nötig

Die Fragen, die neben Riewa auch Carolin Kebekus, Martin Rütter und Richy Müller an diesem Abend beantworten sollten, waren über weite Teile sehr einfach. So leicht sogar, dass die erste, die 50-Euro-Frage für Richy Müller nicht vom Schauspieler selbst beantwortet werden musste. "Ich hatte noch gar nichts gesagt", beschwerte er sich, die Regie hatte die (richtige) Antwort bereits eingeloggt. Wenige Fragen später wurde anhand von Filmtiteln nach einer spaßigen Antwort ohne Sinn gesucht. Müller lachte laut auf, verweigerte die Antwort. "Wir geben auch hier den Punkt von allein", schlug Jauch schmunzelnd vor, die Frage war einfach zu lächerlich.

Das, was "Wer wird Millionär" aber eigentlich zu einer netten Sendung macht, sind ja gerade die Fragen, bei denen man mitraten kann. Der Wettbewerb für den Zuschauer, wer denn daheim nun am meisten weiß, der blieb bei Fragen nach der Dating-App Tinder oder dem Songtext von "Wannabe" von den Spice Girls doch auf der Strecke. Stattdessen konnten alle dem krächzenden Jauch zuhören und hoffen, dass die Promis wahlweise etwas Lustiges oder Privates aus ihrem Leben erzählten.

Prominente erzählen aus ihrem Leben

Die Hoffnung auf Witze, die sicher besonders auf Kebekus ruhte, musste schnell aufgegeben werden, einzig und unerwartet lustig war Jens Riewa, als er sich mit Günther Jauch durch die Fragen frotzelte.

Aus dem Leben plauderte die Komikerin Kebekus dann aber doch, sie war früher Zeitungszustellerin und hatte an diese Zeit keine guten Erinnerungen. Nun denn, zu diesem Zeitpunkt hätte heiteres Berufe-Bashen die Sendung durchaus auflockern können.

Immerhin, Martin Rütter ließ durchblicken, dass er schon sehr lange selbstständig arbeiten muss, denn von Lohnsteuer-Karten hatte er keine Ahnung. Und vor sehr vielen Jahren, erzählte er, hatte er mal an einer Sportschule studiert. Jens Riewa wollte stattdessen wohl lieber in die Zukunft schauen, er brachte als Begleitperson jemanden aus seinem Management-Team mit. "Sie baut mich auf und hat alle Preise im Kopf" pries er sie, und ein Stück weit auch sich, damit an. Vielleicht hat sich der Abend dann wenigstens für den Tagesschau-Sprecher gelohnt und es hagelt demnächst viele neue Arbeitsaufträge. Dass er Fragen vorlesen kann, bewies er ja an diesem Abend, als Jauch ihn bat, kurzfristig seine Aufgaben zu übernehmen.

Einfache Fragen, die keine Antwort brauchen

Die Auswahlfragen, die, bei denen es in erster Linie um Schnelligkeit geht, um dann als Erster die richtigen Antworten zu tippen und auf dem Stuhl gegenüber Jauch Platz zu nehmen, kündigte der Moderator selbst leicht entmutigt mit dem Hinweis an, sie würden sich "vom Schwierigkeitsgrad eher im Souterrainbereich" bewegen. Dennoch, bei der Suche nach dem Liedtext von "Ein Vogel wollte Hochzeit machen" scheiterten außer Komikerin Carolin Kebekus alle daran, den Refrain "Fiderallala, Fiderallala, Fiderallalalala" richtig zu ergänzen. Auf dem Ratestuhl sitzend bekam Kebekus reichlich Unterstützung von den anderen Prominenten und Günther Jauch. Der bemängelte dann auch bei der 64.000-Euro-Frage: "Sie haben immer noch zwei Joker, unverdient, aber gut". Nützte ihr wenig, bei 125.000 Euro war Schluss.

Die gleiche Summe erspielte auch Richy Müller, der bei der 500.000-Euro-Frage seinen Telefonjoker Johannes B. Kerner anrief. Der sollte erraten aus welchem grimmschen Märchen der Spruch "Wer A sagt, muss auch B sagen" stammt. "Darf ich einfach auflegen?", fragte Kerner, der dann aber doch die richtige Antwort, aus Hänsel und Gretel, vermutete. Müller aber wollte seinen Gewinn nicht verspielen und zockte nicht.

Eigentlich weniger, nämlich 64.000 Euro riet Hundecoach Martin Rütter zusammen. Mit seinem Team hatte er aber im Vorfeld gesprochen, dass das anvisierte Ziel 125.000 Euro waren, und so stockte er aus eigener (und der Team-)Tasche den fehlenden Betrag auf. Insgesamt wurden an diesem Abend 439.000 Euro für den RTL Spendenmarathon erspielt, ein durchaus gutes durchschnittliches Ergebnis. Das passt dann vielleicht doch ganz gut zu dieser durch und durch durchschnittlichen Sendung.