HOME

"Crisis in Six Scenes": Miley Cyrus als Amazone in Woody Allens Amazon-Serie

Es hätte so schön werden können: Als Amazon Prime den Regisseur Woody Allen mit einer Serie beauftragte, war die Vorfreude groß. Doch leider ist "Crisis in Six Scenes" alter Wein in neuen Schläuchen - der dazu noch gestreckt wurde.

Woody Allen: "Crisis in Six Scenes"

Woody Allen und Miley Cyrus in der Amazon-Serie "Crisis in Six Scenes"

Die gute Nachricht gleich vorweg: So frisch klang Woody Allen noch nie. Im hohen Alter von 80 Jahren hat der Filmemacher endlich einen neuen Sound gefunden. 

Die schlechte Nachricht: Neu ist der Sound nur in Bezug auf die im Film verwendete Musik. Anstelle des seit Jahrzehnten eingesetzten Old-Time-Jazz der 20er bis 40er Jahre hat Allen einen gewaltigen Zeitsprung nach vorne gemacht. In der Amazon-Serie "Crisis in Six Scenes" erklingt Jazz der 60er Jahre, Musik von Art Blakey, Herbie Mann, Bobby Timmons oder Jimmy Giuffre. Ganz zu Anfang gönnt sich der Regisseur sogar ein Rocksong von Jefferson Airplane.

Vom Jahr 2016 aus betrachtet ist das natürlich auch schon verdammt lange her. Dennoch wirkt die ganze Szenerie dadurch ungewohnt modern. Fast könnte man zweifeln, ob man es hier wirklich mit einer Woody-Allen-Produktion zu tun hat, wäre der alte Grantler nicht fast permanent zu sehen.

Woody Allen und der Versuch einer Serie

Tatsächlich ist bei "Crisis in Six Scenes" eigentlich alles wie immer bei dem New Yorker Regisseur. Was grundsätzlich nichts Schlechtes sein muss: Auch in seinem Spätwerk sind ihm noch grandiose Werke gelungen. Und selbst ein durchschnittlicher Film von Woody Allen ist besser als ein Großteil der Hollywood-Produktionen, die es in die Kinos schaffen.

Allerdings, und das wäre das nächste Problem: Hier handelt es sich um keinen Film. Vielmehr soll "Crisis in Six Scenes" eine Serie sein, die Allen im Auftrag des Streaming-Dienstes Amazon Prime gedreht hat. Doch das merkt man als Zuschauer nicht. Zwar kommt alle 23 Minuten ein Abspann, ansonsten weist nichts auf eine serielle Erzählweise hin. Keine Binnen-Dramaturgie, keine Nebenstränge, die einzelne Folgen voneinander abgrenzbar machen.

Insofern passt der Titel ganz gut: Es handelt sich bei dem vorliegenden Werk um sechs Szenen eines Langfilms, nicht um Kapitel einer Serie. Das Drehbuch ist mit seinen zwei Wendepunkten geradezu klassisch angelegt und hätte einen guten 90-Minüter ergeben. Da Amazon aber eine Serie bestellt hatte, musste der Stoff auf 140 Minuten aufgeblasen werden. Wodurch die Handlung mitunter einige Längen hat.

Reizvolle Geschichte

Dabei ist die in den 60er Jahren angesiedelte Geschichte nicht schlecht. Im Mittelpunkt steht die militante Politaktivistin Lennie (überraschend gut: Miley Cyrus), die das beschauliche Leben des älteren Ehepaars Sidney J. Munsinger (Allen) und seiner Frau Kay (Elaine May) gehörig durcheinanderbringt, indem sie ihr Umfeld nach und nach mit ihrem revolutionären Gedankengut infiziert. 

So enthält die Serie durchaus einige vergnügliche Momente, vor allem die Schlussszene ist ein Knaller. Wer Woody Allens letzte Kinofilme mochte und sie gerne mit 50 Minuten Outtakes gesehen hätte, ist hier genau richtig.

Themen in diesem Artikel