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Filmkritik

"A Rainy Day in New York": Gefühlschaos auf dem Narrenschiff – so ist der neue Film von Woody Allen

Auch mit 84 Jahren veröffentlicht Woody Allen noch im Jahresrhythmus Filme. "A Rainy Day in New York" fügt dem Werk des Regisseurs wenig Neues hinzu – ist aber gerade deshalb lohnenswert.

"A Rainy Day in New York" von Woody Allen

Szene aus Woody Allens neuem Film "A Rainy Day in New York": Ashleigh (Elle Fanning) und ihr Freund Gatsby (Timothée Chalamet) reisen für ein Interview nach Manhattan.

DPA

Manchmal ist es auch von Vorteil, in der alten Welt zu leben: Denn Woody Allens neuer Film "A Rainy Day in New York" startet zwar an diesem Donnerstag in Europa und vielen anderen Teilen der Welt, nicht jedoch in seiner amerikanischen Heimat. Denn aufgrund der MeToo-Debatte und Missbrauchsvorwürfen gegen den Regisseur weigerte sich Amazon, den Film in die dortigen Kinos zu bringen.

Dabei kehrt der Filmemacher in seinem neuen Werk zurück an den Ort seiner größten Erfolge: Nach New York. Erzählt wird die Geschichte von Gatsby (Timothée Chalamet) und Ashleigh (Elle Fanning), die für ein romantisches Wochenende nach New York fahren wollen. Der junge Student möchte seiner Freundin seine Heimatstadt zeigen, die muss zuvor jedoch den genialischen Regisseur Roland Pollard (Liev Schreiber) interviewen. Während Gatsby durch das verregnete Manhattan streunt und dabei seine alte Bekannte Shannon (Selena Gomez) wiedertrifft, rutscht Ashleigh in die Filmszene hinein und lässt sich von dem Drehbuchautor Ted Davidoff (Jude Law) und Schauspielstar Francisco Vega (Diego Luna) den Kopf verdrehen.

Woody Allen führt uns in seine Welt

Es dauert nur wenige Minuten, und schon ist man drin in der Woody-Allen Welt. Einer Welt, die zwar in der Realität angesiedelt ist, aber diesen besonderen Touch des alten Hollywood hat. Und so wird auch in seinem neuen Film lange nicht klar, ob die Geschichte in der Gegenwart angesiedelt ist oder in den 30er Jahren. Die schwummerigen Bilder sowie die Interieurs deuten auf Letzteres hin. 

Woody Allens neuer Film "A Rainy Day In New York" kommt in die Kinos

Tatsächlich spielt der Film im heutigen New York. Aber das ist eigentlich ganz egal. Denn die Geschichte, die der Film erzählt, ist zeitlos. Es geht um Liebe, Film, Musik – und darum, seinen Lebensmenschen zu finden. Und so ist der neue Woody Allen ein außergewöhnlich romantischer Film geworden.

Was vor allem an einer Szene liegt, die zum Schönsten gehört, was im Kino in den letzten Jahren zu sehen war: Gatsby setzt sich an den Flügel und singt Chet Bakers "Everything happens to me", während sich Shannon umzieht und dann in den Song einsteigt. Die melancholischen Klänge der Jazzballade ergeben zusammen mit Timothée Chalamets sehnsuchtsvoller Stimme und Selena Gomez' schmachtenden Blicken einen Liebessog, dem sich kein Zuschauer entziehen kann. Die Leinwand glimmt lichterloh.

Die menschliche Komödie

Einige Kritiker haben dem Filmemacher ein negatives Frauenbild vorgeworfen (hier und hier). Das ist sicher nicht falsch. Doch diese Kritik übersieht, dass die Männer bei Woody Allen kein bisschen besser wegkommen. Sie sind unsicher, eifersüchtig und eitel. Sie sind untreu, neigen zum Alkoholismus und lassen sich in ihrer Gefallsucht von der erstbesten schönen Frau blenden. 

Was der Regisseur hier aufführt, ist die menschliche Komödie. Durch seine Linse betrachtet sind wir alle Narren – Männer wie Frauen. Wie Allen uns dieses Narrenspiel immer wieder aufs Neue vor Augen führt – das ist schon ein großer Spaß.

Hätte es diesen Film gebraucht? Ganz sicher nicht. Er fügt weder dem Allen'schen Oeuvre noch dem Gegenwartskino etwas Neues hinzu. Aber er macht wahnsinnig viel Spaß und beschert dem Zuschauer 90 unterhaltsame Minuten. Und genau dafür geht man doch ins Kino.

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