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Woody Allens "Scoop - Der Knüller" Der Zauberer und das Mädchen

Was wird er als nächstes hervorzaubern? Der Magier Sid Waterman (Woody Allen) kümmert sich väterlich um die junge Amerikanerin Sondra Pransky (Scarlett Johansson)
Was wird er als nächstes hervorzaubern? Der Magier Sid Waterman (Woody Allen) kümmert sich väterlich um die junge Amerikanerin Sondra Pransky (Scarlett Johansson)
© Concorde
Auf seine alten Tage hat sich Woody Allen noch einmal neu verliebt - in London und in Scarlett Johansson, die im Mittelpunkt seines neuen Films stehen. Nach seinem düsteren Vorgänger "Match Point" schlägt Allen wieder heitere Töne an.
Von Carsten Heidböhmer

Ein Zauberer zu sein, der sein Publikum mit allerlei Kunststücken in Verzückung versetzt, der weiße Kaninchen aus Zylindern zaubert, Personen verschwinden und dann wieder auftauchen lässt: in dieser Rolle mag sich so mancher Filmregisseur gefallen. Woody Allen hat sie sich für seinen neuen Film auf den Leib geschrieben. Er spielt in "Scoop - Der Knüller" den Bühnenmagier Splendini, der noch im hohen Alter mit den immer gleichen Sprüchen vors Publikum tritt und schon längst bekannte Tricks vorführt.

Bei Allen selbst bestand eine Zeitlang die Gefahr, zu enden wie der alte Splendini: Seit Jahrzehnten hatte man den Regisseur für seine immer wieder etwas anders inszenierten Geschichten von den Nöten eines New Yorker Intellektuellen lieb gewonnen. Wie keinem Zweiten gelang es ihm, Klamauk, Hintersinn, abendländische Kulturgeschichte, jüdischen Humor und amerikanischen Jazz zu einem amüsanten Ganzen zu formen. Seine Filme fanden ihr Publikum, als er schon längst nichts wirklich Neues mehr zu erzählen hatte; als Allen sich auf die fortlaufende Variation seiner Grundmotive beschränkte. Auch dann noch schaute sich der eingefleischte Fan "den neuen Allen" an: denn immerhin konnte er sicher sein, sich nie unter seinem Niveau zu amüsieren.

Flucht vor der Routine

So veröffentlichte Woody Allen seit seinem Regiedebüt 1966 Filme am laufenden Band, im Schnitt mehr als einen pro Jahr. Gerade als der Filmemacher Gefahr lief, sein inspirierendes Kino in eine Routineshow zu verwandeln, da verließ Allen seine Heimatstadt New York und wagte 2005 einen Neustart in der alten Welt. "Match Point" war ein düsteres Drama, das mit Dostojewski-hafter Tiefe den gnadenlos brutalen Aufstieg eines Emporkömmlings in die Londoner Upper Class nachzeichnete.

Allen war plötzlich von einer solchen Vitalität und Inspiration erfüllt, wie sie nur eine neue Liebe in einem alten Mann entzünden kann. Allen schein sich gleich doppelt verliebt zu haben: in die Themsemetropole London und in die Schauspielerin Scarlett Johansson. Beide stehen auch im Zentrum seines neuen Films.

Der Geist eines Journalisten

In "Scoop - Der Knüller" spielt Johansson - mit Brille und bravem Schulmädchen Outfit stark entsexualisiert - die Amerikanerin Sondra Pransky, die in London die Zaubershow des neurotischen Bühnenmagiers Sid Waterman, genannt Splendini (Allen) besucht. Als sie für einen Bühnentrick "dematerialisiert" wird, erscheint ihr der Geist eines jüngst verstorbenen britischen Journalisten, der kurz vor seinem Tod dem berüchtigten Tarot-Mörder auf die Schliche gekommen war und ihr den Aristokraten Peter Lyman als Täter verrät.

Die engagierte, aber leider ziemlich naive Journalismus-Studentin wittert die große Geschichte und will den Mörder eigenmächtig überführen. Zusammen mit Splendini, der sich als ihr Vater ausgibt, schmuggelt sie sich in die Londoner High Society ein und lernt schon bald den charmanten und weltgewandten Peter (Hugh Jackman) kennen, und schließlich auch lieben, was die objektive Ermittlungsarbeit doch arg beeinträchtigt.

Im Zentrum dieser leichtgewichtige Krimikomödie steht nicht der leicht zu durchschauende Fall, vielmehr nutzt Allen einmal mehr die Handlung als Startrampe für sein Feuerwerk aus Situationskomik und Wortwitz. So ist "Scoop" von mehreren Kritikern als britische Variante seines Klassikers "Manhattan Murder Mystery" bezeichnet worden. Auch hier ignoriert der Filmemacher souverän alle Gesetze von Logik und Wahrscheinlichkeit - zugunsten eines gesteigerten Unterhaltungswertes. Damit erreicht der Film zwar nicht den Tiefgang von "Match Point", beweist aber, dass der zweite Frühling Woody Allens anhält. Noch hat der Zauberer den ein oder anderen neuen Trick auf Lager - das Publikum wird wiederkommen.

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