"Germany's next Topmodel" (Proll-)Sex on the Beach


Heiße Liebesszenen am Strand, bittere Tränen bei der Entscheidung. Bei "Germany's next Topmodel" fallen die Hüllen - in jeder Hinsicht. Beim verbalen Schlammcatchen, Unterwäsche-Shooting und Seelenstriptease geben die Kandidatinnen alles und auch ein bisschen zu viel. Und am Schluss weht sogar ein Hauch von Brucism auf ProSieben.
Von Katharina Miklis

Gleich zu Beginn der sechsten Folge von "Germany's next Topmodel" geht es hoch hinauf: auf das Dach des Rockefeller Centers. Die Kandidatinnen sind immer noch in New York. Dort, wo Träume gemacht und zerplatzt werden, ist ein neuer Tag angebrochen. Bei Gisele, dem kleinen Möchtegern-Model mit der großen Namensvetterin, kullern auf dem Weg nach oben mal wieder die Diventränen. Sie hasst Fahrstuhlfahren. Für Gisele ein Grund, in Tränen auszubrechen. Wie beim letzten Mal, als sie einen Affen anfassen musste. Die 20-jährige Brasilianerin mit der nervigen Stimme, die eine Verona Pooth erblassen lässt, hat bis jetzt in jeder Episode geweint. Auch in der sechsten Folge von "Germany's next Topmodel" bleibt sie sich treu. Oben angekommen geht das Geflenne weiter: "Es ist so hoch". Gisele nervt.

"Du blöde Schlampe. Was guckst du so doof?"

Auf dem Dach des Wolkenkratzers folgt der Seelenstriptease. Die Kandidatinnen sollen Emotionen rauslassen und ihr schauspielerisches Talent beweisen. Dass dies bei den Mädchen nicht vorhanden ist, haben sie nun schon des öfteres gezeigt. Die Busenfreundinnen Gina-Lisa und Sarah sollen sich beleidigen und setzen zum verbalen Schlammcatchen an. "Du blöde Schlampe, ey. Was guckst du so doof?", pöbelt Sarah. "Guck dich mal an du alte H***, wer bist du eigentlich, ey", setzt Gina-Lisa mit hessischem Proll-Organ entgegen.

Nur eine macht mal wieder nicht mit. Gisele. Sie fühlt sich nicht danach. Aber so sehr sie auch nervt, eines muss man ihr lassen: Sie ist die einzige, die die ganze Chose durchschaut: "Ich will hier Topmodel werden. Ich mach das nicht. Wenn die eine Schauspielerin haben wollen, sollen sie sich eine suchen." Recht hat sie ja. Aber "Germany's next Topmodel" wäre halt nur halb so lustig ohne diese Entgleisungen.

ProSieben setzt auf nackte Haut und Zickeneskalation

Dann ist da aber auch noch der Auftritt von Raquel und Vanessa. Sie sollen sich anflirten. Juror Peyman Amin leckt sich die Lippen, dass es einen schüttelt. Doch wie heiß es jetzt wirklich wird, ahnt er noch nicht. Möchtegern-Franzose Rolf Scheider gibt in seinem französischen Etepetete-Akzent Anweisungen: "Näher, mache erstemale eine Vorspiele. Jaaa, sooo. Oh la la. A bisschen ame Öhrchene so..." Vanessa und Raquel geben alles. Peyman läuft heiß. "Im Übrigen: Ich bin Single!", verrät er am Schluss der Vorstellung. Endlich spricht er aus, was ihm ganz offensichtlich seit drei Staffeln auf der Zunge liegt.

So richtig heiß wird es aber erst beim Shooting am Jones Beach in der Nähe von New York. Die zweite Challenge steht an. Bei eiskalten Temperaturen sollen die Mädchen sexy Unterwäsche-Fotos mit Beachboys machen. Aber von wegen bisschen Kuscheln und das war's. ProSieben setzt auf nackte Haut und Zickeneskalation. Ausgerechnet der Freund der ausgeschiedenen Erzfeindin von Gisele ist eines der männlichen Models. Giseles Augen funkeln. Nein, keine Tränen. Diesmal nicht. Erstmals ist so etwas wie Freude in ihrem Gesicht zu sehen: "Tainá war eine der Lästerschwestern. Jetzt will ich's ihr heimzahlen. Da freu ich mich so richtig drauf: Rache, Strand und heiße Boys!" Was folgt, ist eine kleine Kostprobe in Sachen Fremdschämen. Gisele springt auf Model Björn, reibt sich an ihm und lässt ihn nicht mehr los. Die anderen Mädels können es nicht fassen. Und auch Model Björn ist perplex. Er packt seine Sachen und geht. "Unprofessionell!", lacht Gisele ihm hinterher. Diese Frau merkt gar nichts mehr.

"Es war so heiß und real. Ich bin ganz schön schwitzig"

Ersatz hat sie schnell beim anderen Model gefunden. Aber auch hier zeigt Gisele sich wenig professionell. Statt Küsse anzudeuten knutscht und flirtet sie, dass selbst Heidi Klum die Spucke wegbleibt. "Gisele, wie alt bist du? Können wir das überhaupt senden?" Gisele ist hin und weg: "Es war sowas von heiß und real. Ich bin schon ganz schön schwitzig. Ich glaub, ich hab mich grad verliebt". Herzlichen Glückwunsch. Das geht ja schnell.

Auch Gina-Lisa schafft es mal wieder nicht, ihr lieb gewonnenes Porno-Image loszuwerden. Lasziv drückt sie ihren Model-Partner an ihren großen Busen und zieht in "Praline"-Manier die Augenbraue hoch. Ballermann-Atmosphäre am New Yorker Strand. Es ist ihr Element: "Mmh, lecker Schnittchen." Heidi schimpft: "Viel zu vulgär!" Gina-Lisa kann nicht anders. Das ist ihre Welt.

Tränenshowdown à la Bruce Darnell

Der Schluss der sechsten "Germany's next Topmodel"-Folge gerät zur Farce. Nach einem erotischen Unterwäsche-Walk auf dem Laufsteg vor Gast-Jurorin Alek Wek und dem Ausscheiden von Kandidatin Katharina, stehen ausgerechnet die Busenfreundinnen Gina und Sarah vor Modelmama Klum und warten auf die Entscheidung. Schon letzte Woche wurde diese quotenwirksam angekündigt. Nur eine darf weiterkommen. "Ihr wusstet genau, dass dieser Moment einmal kommen wird", flüstert Heidi aufgesetzt dramatisch.

Was folgt ist ein zehnminütiger Tränenshowdown à la Bruce Darnell. Heidi übt sich im Hinhalten. Sarah und Gina-Lisa schwanken zwischen Lachen und Weinen, hysterisch kreischen, Liebesschwüre flüstern und fluchen. "Ohne dich kann ich nicht mehr". "Nein, ich kann nicht ohne dich". So geht es nicht enden wollende Minuten lang. "Du hast es mehr verdient als ich". "Nein du". "Nein du". Sarah rennt schluchzend hinaus. Und, Überraschung: Am Ende gibt es mal wieder keine Entscheidung. Dafür müssen Sie noch mal einschalten. Da haben wir's wieder. Drama, Baby.


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