VG-Wort Pixel

"The Lone Ranger" Johnny Depp enttäuscht an der Kinokasse


Das Feiertagswochenende in den USA brachte Johnny Depps neuem Film "The Lone Ranger" kein Glück. Der Film soff ab an der Kinokasse. Kritiker höhnen, der 50-Jährige habe seine Movie-Magie verloren.
Von Frank Siering, Los Angeles

Gegen die kleinen gelben Cartoon-Minions von "Despicable Me 2" hatte Johnny Depps lahmer Western "The Lone Ranger" keine Chance. Am langen Feiertagswochenende in den USA schnappte sich der Zeichentrickfilm den ersten Platz an der Kinokasse – mit eingespielten 142 Millionen Dollar in nur vier Tagen. Walt Disneys Neuauflage vom "The Lone Ranger" fiel – wie Depp bei den Dreharbeiten – auf die Nase und konnte über vier Tage inklusiver diverser internationaler Kinomärkte 73 Millionen Dollar einspielen, davon knapp 49 Millionen Dollar in den USA.

Ein Ergebnis, das zwar stattlich ist, aber weit unter den Erwartungen von Disney lag. Immerhin habe das Studio rund 225 Millionen Dollar in diese Mammut-Produktion reingesteckt. Das berichten diverse Branchendienste in den USA.

Und wie so oft bei Fehlschüssen in Hollywood, wird schnell nach einem Schuldigen gesucht. Und zur Überraschung vieler scheint plötzlich der sonst stets von allen so geliebte Johnny Depp in die Schusslinie zu geraten.

Schlechte Kritiken

Depp, der für seine Dienste in der Regel 20 Millionen Gage verlangt, spielt den Indianer "Tonto" in dem Film, der einst als TV-Serie in Amerika große Erfolge feierte. Der Streifen mit Depp wurde von unzähligen Kritikern in den USA in den letzten Wochen als "banal", "langweilig" und gar "überflüssig" bezeichnet. Wahrlich kein Garant für ein Feuerwerk an der Kinokasse.

Depp erhielt ebenso schlechte Noten für seine Performance wie sein maskierter Co-Star Armie Hammer. Der Misserfolg von Depp und "The Lone Ranger" reiht sich ein in eine Palette von anderen darstellerischen Depp-Enttäuschungen in der jüngsten Vergangenheit: "Dark Shadows", "The Rum Diary" und das unsägliche Fiasko von "The Tourist" mit Angelina Jolie.

Schon tuscheln viele Blogger und Kritiker im Netz. "Ist Depp am Ende?" Hat die große Karriere des Mannes, der die Kinowelt mit Rollen wie "Edward mit den Scherenhänden", "Jack Sparrow" und "Donnie Brasco" begeistert hat, das Tal seiner Karriere erreicht?

Unter 20 Millionen tritt Depp nicht an

Tatsächlich scheint sich Depp seit der Trennung von seiner Lebenspartnerin Vanessa Paradis und der Rückkehr aus dem ländlichen Frankreich in den einst von ihm so gehassten Entertainment-Moloch Los Angeles den "Superstar"-Virus eingefangen zu haben.

Als unlängst die Produzenten des Streifens "Black Mass", ein Gangster-Film, in dem Depp die Hauptrolle spielen sollte, auf den 50-Jährigen zugingen und ihm sagten, dass es ihnen unmöglich sei, die geforderte Gage von 20 Millionen Dollar zu zahlen, zeigte Depp nicht etwa Verständnis und kam ihnen entgegen. Nein, Captain Sparrow ließ über sein Management die Rolle kurzerhand fallen. Er habe keine Lust für weniger als 20 Millionen zu arbeiten, hieß es aus Produzentenkreisen.

Eine ungewöhnliche Entscheidung für einen wie Depp, dem der Independent-Film einst die Tür zum großen Kino in Hollywood geöffnet hatte und der noch heute von vielen Filmfanatikern so geliebt wird, eben weil er sich der Profitgier so lange verweigert hatte. Nun also spielt er selbst den grossen Zampano. Ein Umstand, der auch dem Kinokritiker der Huffington Post kürzlich auffiel, als er schrieb: "Es ist die klassische Hollywood-Geschichte: Der einstige Darling der Kritiker wird von den Puristen plötzlich zerrissen, weil er sich dem Kapitalismus statt der Kunst verschrieben hat." Und im selben Atemzug schreibt HuffPost-Blogger Matthew Jacobs: "Wir vermissen dich, Johnny. Bitte komm zurück zu uns, Edward Scissorhands, bitte komm zurück!"

Frank Siering, Los Angeles

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker