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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Je oller, je doller

Während andere in Rente gehen, drehen sie auf: Die Herzogin von Alba heiratet mit 85 und Prinz Frederic von Anhalt will mit 68 Bürgermeister werden. Willkommen im Club der umtriebigen Rentner.

Von Stefan Mielchen

Engländer, ihr könnt einpacken! Die wirkliche Hochzeit des Jahres fand 2011 nicht im Hause Windsor statt. Das Highlight der Saison ging in dieser Woche in Sevilla über die Bühne, wo Herzogin Alba mit 85 Jahren noch einmal Sí sagte. Doch dass der Herbst noch schöne Tage habe, darf hier eindeutig bezweifelt werden. Die Duquesa mag eine der reichsten Frauen Spaniens sein. Schön aber geht anders! Die royale Freakshow gilt eher als trauriger Beleg dafür, was plastische Chirurgie alles anzurichten vermag. Doch das hielt den 25 Jahre jüngeren Sozialversicherungsfachangestellten Alfonso Díez nicht davon ab, Maria del Rosario Cayetana Fitz James Stuart näher zu kommen. Der offenbar von Ekelfaszination getriebene Don Alfonso dürfte sich bei der Liaison indes leicht verrechnet haben. Erst nachdem er beim Notar auf die Ansprüche aus dem Milliarden-Vermögen der Herzogin verzichtete, willigten Kinder und König in die Hochzeit ein. Da kam er aus der Nummer wohl schon nicht mehr raus. Angesichts soviel aufrichtiger Liebe zog es sogar der Braut die Schuhe aus: Sie tanzte nach der Trauung barfuß auf der Straße. Und das war nicht einmal der delikateste Anblick. Passend zum Freudentag veröffentliche ein Boulevardblatt Nacktfotos der Herzogin. Mit Rücksicht aufs Publikum waren die allerdings schon 30 Jahre alt.

Durchgeknallte Senioren scheinen eine Spezialität des Südens zu sein. Auch Silvio Berlusconi hat die Hitze offensichtlich über die Jahrzehnte reichlich zugesetzt. Dem Italiener mit dem Hang zur spanischen Fliege ist jetzt eines seiner Bunga-Bunga-Häschen davongehoppelt. Die polnische Horizontalfachkraft Ana Goledzinowska sprang vor drei Jahren noch nackt aus der Geburtstagstorte des Herrn Premierministers. Nun lebt sie in einem Kloster in Bosnien-Herzegowina. "Ich möchte den Schmutz nicht mehr machen, ich will jetzt rein sein", beschrieb sie laut "Bild" die Motive ihrer Umschulung. Das Leben an der Seite von Berlusconi war demnach kein Zuckerschlecken: "Ich habe den Sex gehasst. Ich musste mich vorher immer erst betrinken", gab Ana zu Protokoll. Der wahre Grund ihrer Ausnüchterung dürfte aber anders gelagert sein: Mit mittlerweile 28 Jahren ist sie für Berlusconis Zwecke zehn Jahre zu alt. Mindestens.

L'Oréal-Erbin geht ab wie eine Rakete

Doch es geht auch noch bekloppter. Die reichste Frau Europas hat ihrer Tochter jetzt den "Atomkrieg" erklärt - weil sie es sich wert ist. L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt ist mit ihren 88 Jahren zwar so reich, dass sie sich entsprechende Raketen problemlos im Fachhandel besorgen könnte. Doch das hässliche Wort ist natürlich nur im übertragenen Sinne zu verstehen, Mutti soll nämlich entmündigt werden. Doch da hat Tochter Françoise die Rechnung ohne ihre Erzeugerin gemacht. Die wehrt sich mit Händen und Füßen und beglückt derweil andere Menschen mit ihrem Vermögen. Da kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, hat sie ihrem Bekannten François-Marie Binder Autos, Häuser, Gemälde, Bargeld und allerlei andere Dinge des täglichen Bedarfs geschenkt - in der in diesen Kreisen üblichen Größenordnung von rund einer Milliarde Euro. Klar, dass die Tochter da nervös wird, wo nur noch 17 Milliarden übrig sein sollen. Der glückliche Künstler nahm die Geschenke dankbar entgegen, eine Hochzeit steht als Gegenleistung aber nicht zu befürchten: François-Marie zieht der welken Milliardärin das eigene Geschlecht vor.

Dieser Prinz ist verrückt - und das ist gut so

Diesen Vorwurf kann man dem bekanntesten Altenpfleger der Welt nun wahrlich nicht machen: Prinz Frédéric von Anhalt jobbt zwar derzeit noch als eine Art Promi-Präparator. Doch er denkt bereits an die Zeit nach Zsa Zsa. Der Gabor-Gemahl will 2013 Bürgermeister von L.A. werden! Für das Amt fühlt sich der 68-Jährige wie geschaffen: "Das ist eine verrückte, liberale Stadt und das ist gut so", beschreibt er Los Angeles. "Wenn jeder einen kleinen Tick hat, dann kommen wir alle besser klar." Das Problem: Beim Tick des kleinen Prinzen handelt es sich eher um ein ausgewachsenes Format. Allein die Plakatwand, mit der er den Slogan "Prince Frederic for Mayor" unters Volk brachte, soll 120.000 Dollar gekostet haben. Doch der politische Fred vom Jupiter glaubt an seinen Erfolg: "Ich bin seit 27 Jahren ein Teil von Hollywood. Die Leute kennen mich hier, sie grüßen, sie gucken und sagen ‚Oh, das ist der Prinz.'" Oh, das ist ja toll! Dass sie anschließend die Flucht ergreifen, ist nicht sicher belegt.

Letztlich weiß sich von Anhalt aber in guter Gesellschaft. Show und Politik gehen in den Vereinigten Staaten schließlich seit jeher Hand in Hand. Und so hat US-Präsident Barack Obama in dieser Woche Sängerin Shakira als Beraterin ins Weiße Haus geholt. Sie soll in einer Bildungskommission das Fortkommen der Latinos im Lande fördern. Eine Idee, vor der man hierzulande Angst haben muss. Das ist in etwas so, als ob Andrea Berg künftig die Kanzlerin beriete. Obwohl, den passenden Song dazu hätte sie schon: "Du hast mich tausend Mal belogen ..."