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Achterbahn-Weltrekord: Rekordjäger im Geschwindigkeitsrausch

Nach 228 Stunden und 26.586 Loopings hat Stefan Seemann es geschafft: Er hat den Achterbahn-Weltrekord gebrochen. Dank seines Durchhaltevermögens winkt ihm jetzt der Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde.

Am Ende war er stolz, aber auch "unendlich müde und kaputt". Mit Zähigkeit und einem unbezwingbaren Willen hat der Oberpfälzer Stefan Seemann am Wochenende einen neuen Weltrekord im Dauer-Achterbahnfahren aufgestellt. Nach 228 Stunden entstieg der 33-Jährige am späten Samstagabend im Freizeitpark Geiselwind bei Nürnberg erschöpft seinem mit Schaumstoff gepolsterten Achterbahn-Scooter. Mit einer reinen Fahrtzeit von 210 Stunden hatte der Amberger 18 Stunden länger in der Achterbahn durchgehalten als der bisherige Weltrekordhalter, der US-amerikanische Hochschullehrer Richard Rodriguez.

Gesamtstrecke von 2500 Kilometern

Insgesamt hatte der Familienvater, der seinen Erziehungsurlaub für den ungewöhnlichen Weltrekordversuch nutzte, 4431 Achterbahn-Runden gedreht. Dabei durchfuhr der 33-Jährige 26.586 Loopings - sechs pro Fahrt. "Rechnet man alle Fahrten zusammen, dann habe ich mit der Achterbahn eine Gesamtstrecke von rund 2500 Kilometern zurückgelegt", berichtet der Oberpfälzer stolz. Der Freizeitpark hatte für den Rekord-Versuch die sonst nur während der Parköffnungszeiten fahrende Achterbahn rund um die Uhr und bei jedem Wetter laufen lassen.

Pulswerte normal

Die neun Tage im rüttelnden Scooter hat Seemann nach eigenen Eingaben gesundheitlich gut überstanden: "Der Arzt, der mich während des Versuchs betreut hat, wollte es gar nicht glauben: Meine Pulswerte waren die ganze Zeit über normal". Dabei musste sich Seemann nachts selbst in Phasen tiefster Erschöpfung mit fünfminütigen Kurzschlafphasen begnügen. "Bei jedem Bremsen im Einstiegsbereich bin ich kurz aufgewacht. Das ist natürlich nicht der gesündeste Schlaf", räumt er ein.

Kleinere Blessuren und Thrombosespritzen

Kleinere Rippen-Prellungen hat der 33-Jährige dennoch bei seinem Weltrekord davon getragen. Seemann verbucht das angesichts der sonstigen Strapazen unter "kleineren Blessuren". Dem Risiko eines Blutgerinnsels als Folge der stundenlangen Bewegungslosigkeit beugte Seemanns Arzt mit einer täglich verabreichten prophylaktischen Thrombosespritze vor. Pro Stunde durfte der gelernte Maurermeister fünf Minuten Pause einlegen.

Langweilig geworden sei ihm jedenfalls nicht: "Irgendwie sind die neun Tage wahnsinnig schnell vorbei gegangen. Es gab nur ein hell und dunkel - und dann war plötzlich alles zu Ende."

Klaus Tscharnke/DPA / DPA
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