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Steve Fossett: Der Rekordjäger

Steve Fossett hat das Unglaubliche geschafft. Trotz mysteriöser Umstände umflog er in 67 Stunden die Welt. Nach der Landung hatte er nur noch drei Wünsche offen.

"Ich könnte eine Dusche gebrauchen, ein bisschen Schlaf, und ich freue mich auf ein richtiges Essen nach all den Milch-Shakes": Diese drei Wünsche äußerte der amerikanische Abenteurer Steve Fossett, nachdem er den letzten großen Luftfahrtrekord gebrochen hatte. In 67 Stunden flog der 60-Jährige als erster Mensch allein, ohne Zwischenstopp und ohne aufzutanken rund 37.000 Kilometer um die Welt. Ein Ende seiner Rekordjagden scheint aber nicht in Sicht.

Das "fliegende Treibstofflager"

"Das war eine schwierige Reise. Das war eine der härtesten Sachen, die ich je gemacht habe", sagte der flugbegeisterte Milliardär nach seiner Champagner-Dusche auf dem Flughafen von Salina im US- Bundesstaat Kansas. Dort war er am Montag zu seinem waghalsigen, dreitägigen Abenteuer aufgebrochen. Sein Spezialflugzeug "GlobalFlyer" bekam wegen der 13 Tanks an Bord den eher bedrohlich wirkenden Beinamen "fliegendes Treibstofflager".

Bei dem Rekordflug standen Fossett das Glück und der Wind zur Seite. Schon wenige Stunden nach dem Start sah es nach dem sicheren Ende aus, weil das satellitengestützte System zur weltweiten Positionsbestimmung (GPS) zwei Stunden lang ausfiel.

Mysteriöser Treibstoffmangel

Mysteriöser war dagegen der beim Anflug auf Japan überraschend festgestellte Treibstoffmangel. Fossetts Team beschreibt die Situation so, dass ein Siebtel des Kerosin-Gasolin-Gemischs auf unerklärliche Weise aus den Tanks verschwunden sei. Schuld sei entweder ein Fehler beim Auftanken oder eine defekte Anzeige, hieß es. US-Kommentatoren äußerten Zweifel und meinten, dass dies eine gezielte Werbekampagne gewesen sei, um mehr Aufmerksamkeit für den Rekordversuch zu erzielen

Mit dem Rückenwind der so genannten Jetstreams segelte Fossett am Ende erfolgreich über den Atlantik, Nordafrika, Asien und zuletzt den Pazifik. Die Jetstreams - wie die sich um den Globus windenden Starkwindbänder genannt werden - seien außergewöhnlich gewesen und er habe sie ziemlich gut getroffen, freute sich der Pilot.

Milchshakes und Schlafmangel

Vor seiner Landung funkte der 60-Jährige aus dem sehr beengten, nur knapp zwei Meter kleinen Cockpit, dass er trotz seiner Kopfschmerzen und des Schlafmangels den Flug genossen habe. Die 67 Stunden überstand er nach eigenen Worten mit zwölf "nicht gerade reizvollen" Milch-Shakes sowie einem halben Dutzend Kurzschlafphasen von zuletzt nur zwei Minuten Länge. Die ersten 24 Stunden habe er überhaupt nicht geschlafen. Am Ende siegte der Triumph über die Entbehrung: "Ich fühle mich großartig", sagte Fossett.

Monatelang hatte sich der erfolgreiche Börsenmakler mit Ski fahren und Kurzschlafübungen auf sein Extrem-Abenteuer vorbereitet. Dennoch sei am Ende seiner Stimme die Anstrengung anzumerken gewesen, teilte das Team in Salina mit. "Ich hatte die Kontrolle, ich glaube, ich habe vernünftige Entscheidungen getroffen und keine größeren Fehler gemacht", schaut Fossett auf seine enorme Energieleistung zurück.

Auf der Suche nach neuen Projekten

Bereits vor seinem neuesten Rekordflug hatte Fossett 62 Rekorde zu Luft, zu Wasser und zu Land gesammelt wie andere Briefmarken. Im Jahr 2002 flog er beispielsweise als erster Mensch allein mit einem Heliumballon um die Erde. Zur Ruhe will sich der 60-Jährige jetzt keineswegs setzen. Fossett verfolgt nach eigenen Worten bereits drei neue Projekte. "Ich tue Dinge für mein Selbstwertgefühl und meine persönliche Befriedigung", erklärt er seine Rekordjagd.

Hans Dahne/DPA / DPA
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