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STEVE FOSSETT: Mit dem Ballon alleine um die Welt

13 Tage und mehr als 12 Stunden nach dem Start umrundete der 58 Jahre alte Millionär am Dienstag als erster Mensch mit einem Heißluftballon alleine die Erde.

US-Abenteurer Steve Fossett hat es im sechsten Anlauf endlich geschafft: 13 Tage und mehr als 12 Stunden nach dem Start in Australien umrundete der 58 Jahre alte Millionär am Dienstag als erster Mensch mit einem Heißluftballon alleine die Erde. Am späten Abend (Ortszeit) überquerte er nach mehr als 31 200 Kilometern über dem Westen des Fünften Kontinents den 117. Längengrad, der als »Ziellinie« galt und wo Fossett seine Reise begonnen hatte.

Ein paar Flaschen Bier

Während im Kontrollzentrum in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) lauter Jubel ausbrach, zeigte sich der Rekordhalter gelassen: »Hier gibt es eigentlich nicht viel zu feiern. Ich habe ein paar Flaschen Bier dabei, aber niemanden, mit dem ich anstoßen könnte«, gab er per Satelliten-Telefon an die Bodenstation durch. Der Rekord sei für ihn aber eine »enorme Befriedigung«, wie er weiter betonte.

Landung am Mittwoch

Allerdings will Fossett aus Sicherheitsgründen erst am Mittwoch bei Sonnenaufgang landen. Voraussichtlich werde er mit seinem Ballon »Spirit of Freedom« (Geist der Freiheit) nahe der südaustralischen Stadt Cainuga auf halben Wege zwischen Perth und Adelaide niedergehen, unweit der Grenze zwischen den Bundesstaaten West- und Südaustralien. Zuletzt war der Abenteurer in einer Höhe von 8229 Metern und einem Tempo von 96 Stundenkilometern unterwegs. »Er hat es gepackt. Das ist so toll. Wir sind völlig aus dem Häuschen«, sagte eine Sprecherin des Boden-Kontrollzentrums in den USA.

Noch am Dienstagmorgen hatten kräftige Luftströmungen für Unruhe unter der Kontrollmannschaft gesorgt. Zeitweise war sogar damit gerechnet worden, dass Fossett über Australien hinausfliegt und danach in Neuseeland landen müsse. »Das ist jetzt anders. Jetzt ist es die Region Nullabor Plain, aber es ist sehr schwer, vorauszusagen, wo er genau landen wird«, sagte Sprecher Jerome Cephas.

Dank günstiger Wetterbedingungen hatte der frühere Börsenmakler die Gesamtstrecke sechs Tage schneller als geplant zurückgelegt. Nach dem Start im westaustralischen Northam am 19. Juli führte ihn die Reise quer über den Fünften Kontinent, den Pazifik, über die Anden und den Südpol. Danach überfuhr der auf seiner Reise Richtung Osten Afrika und den Indischen Ozean. Bei seinem vorangegangenen Weltumrundungsversuch im vergangenen August war im Süden Brasiliens Endstation, wo er wegen Gewittern und Müdigkeit notlanden musste.

Widrige Umstände

Immer wieder musste der 58-Jährige aber auch diesmal mit widrigen Umständen kämpfen. So brachte ein Windwirbel den silbrigen, 55 Meter hohen Spezialballon kurz vor der Küste Chiles beinahe vom Kurs ab. Im Schnitt blieben ihm gerade einmal sechs Stunden Schlaf pro Nacht. Dennoch: »So viel Schlaf habe ich bei meinen Ballonfahrten noch nie bekommen«, gab Fossett zwischendurch freudig zu Protokoll.

Millionensummen

Der Chicagoer Multimillionär brauchte neben Glück, Fleiß und Energie auch viel Geld für seine Unternehmen: Trotz der Unterstützung einer amerikanischen Brauerei musste Fossett einen Großteil seines Vermögens in das Projekt stecken. Seine Rekordversessenheit dürfte inzwischen Millionensummen verschlungen haben. Den Ballonfahrertraum verfolgt er seit elf Jahren. Zwischendurch bestieg er den Mount Everest, durchschwamm den Ärmelkanal und suchte bei einem Hundeschlittenrennen über fast 2000 Kilometer Bestätigung.

Als erstes Team hatten der Schweizer Bertrand Piccard und der Brite Brian Jones im März 1999 den Globus in 20 Tagen im Ballon umrundet und 40 800 Kilometer zurückgelegt. Trotz der erzwungenen Landung im August 2001 hatte Fossett mit 20 000 Kilometern immerhin den bislang längsten Alleinflug im Ballon geschafft.