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Rekordjagd: In 70 Stunden um die Welt

Die Abenteuerlust hat Steve Fosset erneut gepackt: Diesmal will der Rekordjäger in einem "vollgefüllten Tank mit Platz für eine Person" die Erde umfliegen.

Als "vollgefüllten Tank mit Platz für eine Person" beschreibt der amerikanische Abenteurer Steve Fossett seinen neuen Arbeitsplatz. Der "fliegende Tank" ist das Spezialflugzeug "GlobalFlyer", mit dem der Milliardär in 70 Stunden rund um den Globus fliegen will - allein, ohne Zwischenstopp und ohne aufzutanken. Auf mindestens drei und wenn möglich sogar sieben Luftfahrtrekorde hat es der durchtrainierte 60-Jährige abgesehen, Wegen ungünstiger Höhenströmungen musste der ursprünglich für den 19.Februar geplante Start in Salina (US-Bundesstaat Kansas) allerdings verschoben werden. Ein neuer Starttermin soll nächste Woche festgelegt werden.

Rekorde sind sein Leben

"Rekorde brechen", so beschreibt der risikofreudige Flugfanatiker sein Leben. Zuletzt fiel er mit einem Geschwindigkeitsrekord für Zeppeline über dem Bodensee und davor mit der schnellsten Weltumseglung in dem Maxi-Katamaran "Cheyenne" auf. Als erster Mensch umrundete Fossett 2002 allein mit einem Heliumballon die Welt.

Dieses Mal will der passionierte Rekordjäger mit Körper und Geist bis ganz an das Limit gehen. "Es wird einer der schwierigsten Flüge überhaupt werden", sagt Fossett. Nicht nur wegen der langen Flugzeit, sondern auch, weil das Flugzeug noch nie mit komplett vollen Treibstofftanks geflogen sei. Diese machen 83 Prozent des Gesamtgewichts von zehn Tonnen aus.

Alles hängt von einem guten Start ab

Um einige Risiken auszuschließen, hat Fossett den Flughafen von Salina gewählt. Die 3,75 Kilometer lange Startbahn, eine der längsten in Nordamerika, ist für das wie eine schwerfällige Drohne wirkende Flugzeug wie geschaffen. Weil Salina nahe dem geografischen Mittelpunkt der USA liegt, verspricht auch die Landung Vorteile. "Wenn auf den letzten 1000 Meilen der Treibstoff ausgeht, dann kann ich für eine sichere Landung zu jedem Flughafen im Westen gleiten", sagt Fossett. Das Risiko einer Notlandung auf dem Pazifik sei damit gebannt.

Der dreitägige Non-Stop-Flug in einer Höhe von 16 Kilometern verspricht wenig Annehmlichkeiten. Schon beim Start geht es los: Es verlangt eine gewisse Kunstfertigkeit, das "fliegende Treibstofflager" richtig in die Luft zu bekommen. Wegen der schweren Tanks kommt das Flugzeug nach Angaben Fossetts auch "nicht sehr gut" mit Turbulenzen klar.

Weil der "GlobalFlyer" auf günstige Luftströmungen angewiesen ist, wurde der Start seit Anfang Januar immer wieder verschoben. Fossett will sich nämlich in den so genannten "Jetstream", einen langen schmalen Starkwindschlauch, einklinken und mit einem kräftigen Schubs Richtung Großbritannien fliegen. Die Reise geht dann über Paris, Rom und Kairo weiter nach Pakistan, Indien, China, Japan und Hawai, bevor mit Los Angeles wieder US-Festland in Sicht ist.

An Schlaf ist nicht zu denken

Die meiste Zeit der vorausberechneten 70 Stunden sitzt der 60-Jährige im Dunkeln. Da er entgegen der Erdrotation fliegt, sind die Tage kürzer. An richtigen Schlaf ist überhaupt nicht zu denken, allenfalls an kleine Nickerchen von zehn Minuten.

Damit nichts schief geht, steht Fossett im Funkkontakt mit Begleitflugzeugen. In einem soll der britische Fluglinienmogul Richard Branson sitzen, dessen Fluglinie "Virgin Atlantic" der "GlobalFlyer" gehört. Das wie ein Trimaran - ein Boot mit drei parallelen schmalen Rümpfen - aussehende Flugzeug kommt aus der Werkstatt der Luftfahrtlegende Burt Rutan. Dessen Bruder Dick und Jeana Yeager hatten im Dezember 1986 an Bord der "Voyager" erstmals im Non-Stop-Flug die Erde umkreist - damals waren bei der Landung nur noch 48 Kilo Treibstoff im Tank.

Hans Dahne, DPA / DPA
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