HOME

Anke Engelke: Wehe, wenn Anke floppt

Auch für Sat 1 und seinen Chef Roger Schawinski steht mit der neuen Engelke-Show viel auf dem Spiel.

Von Anke Engelke hängt viel ab in Zukunft, mehr als nur ein teures TV-Programm. An "Anke Late Night" entscheidet sich, ob Sat 1 endlich wieder ein Gesicht bekommt. Denn dem Sender, der zwar vereinzelt mit aufwendigen Fernsehfilmen auf sich aufmerksam macht ("Das Wunder von Lengede"), fehlen die Galionsfiguren, die unverwechselbar für das Programm stehen. Konkurrent RTL hatte in den vergangenen Jahren fast zwei Dutzend Serien und regelmäßig ausgestrahlte Shows unter den Top 40. Bei Sat 1 rangieren allenfalls Schauspieler Ottfried Fischer als "Bulle von Tölz" und Moderator Kai Pflaume in der ersten Liga. Keine Spitzenstars. Bis auf Engelke.

Anders als Vorgänger Harald Schmidt, der nur ein kleines Publikum ansprach, hat Engelke mit "Ladykracher" bewiesen, dass sie massenattraktiv sein kann: Mehr als drei Millionen Zuschauer sahen ihr bisweilen zu. Eine Einschaltquote unter Schmidt-Niveau von 14 Prozent Marktanteil würde senderintern denn auch als Enttäuschung gewertet, heißt es dort.

Vertrag mit Ausstiegsklausel

Der Drei-Jahres-Vertrag, den Sat 1 mit Engelkes "Ladykracher TV-Produktion GmbH" abschloss, enthält vorsorglich eine Ausstiegsklausel: Für den Fall, dass die Zuschauerquoten nach einer sechsmonatigen Startphase dauerhaft unter Niveau liegen sollten, kann der Kanal die Zahlungen stoppen. Dass Sat 1 von dieser Option Gebrauch machen könnte, daran glaubt allerdings niemand. Es fehlt die Alternative. Sat-1-Chef Roger Schawinski kündigte bereits einen "langen Atem" an.

"Wir richten uns hier auf zehn Jahre Late Night ein", sagt Ralf Günther, Produzent der neuen Show und einer der Geschäftsführer der Kölner TV-Firma Brainpool, die 50 Prozent an Engelkes "Ladykracher TV" hält. Brainpool bringt derzeit abendlich Stefan Raab auf den Bildschirm und arbeitet mit Engelke schon seit ihrer Zeit in der Sat-1-"Wochenshow" zusammen. Das Team ist eingespielt: 60 Leute sind für die neue Sendung engagiert, die montags bis donnerstags um 18.30 Uhr aufgezeichnet wird, viele davon aus der "Ladykracher"-Mannschaft. Plus ein oder zwei Gagschreiber von Schmidt.

Fast so teuer wie die Schmidt-Show

Brainpool gehört zur börsennotierten Viva Media, an der auch Anke Engelke ein kleines Aktienpaket hält. Seit das Geschäft mit Musik-TV bei Viva einbrach, konzentrieren sich viele Hoffnungen auf die Late Night Show. 14,4 Millionen Euro überweist Sat 1 für die neue Engelke-Sendung im Jahr. So stehen der Produktion für jede der 160 Folgen im Jahr rund 90000 Euro zur Verfügung - fast so viel, wie Schmidts Show kostete. Allerdings kassierte allein Harald Schmidt davon angeblich rund 40000 Euro. Engelke soll sich zunächst mit gut der Hälfte zufrieden geben, heißt es.

Einiges bei Anke-neu wird man schon von Anke-alt kennen. Etwa die kleinen Einspielfilme aus "Ladykracher", in denen sie Frauentypen parodiert. Dutzende davon sind vorproduziert. So wird die Chanel-Schickse Johanna zu den Olympischen Spielen über Wettkämpfe ihrer Hausangestellten schwadronieren (philippinische Kindermädchen gegen türkische Putzfrauen); die blond-blöde Tussi Ulla wundert sich zum Wahltermin, dass die FDP immer so viele Luftballons verschenkt und trotzdem auf keinen grünen Zweig kommt. "Die Hellsten sind die nicht. Sonst würden die die Sachen ja verkaufen."

Johannes Röhrig / print