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Anti-Folter-Kampagne Amnesty benutzt Iggy Pop ohne zu fragen

"Unter Folter sagt jeder alles", lautet die Botschaft. Da sage Iggy Pop sogar, dass Justin Bieber die Zukunft des Rock'n'Roll ist. Allerdings hat Amnesty International Pop nie gefragt.

Vielleicht könnte man es "positive Erpressung" nennen. Und es ist die Krankheit derer, die meinen, die Welt für den Rest von uns zu retten. Für eine aufsehenerregende Anti-Folter-Kampagne hat der belgische Ableger von Amnesty International Karl Lagerfeld, den Dalai Lama und Iggy Pop zu Folteropfern gemacht: Auf Fotos wurden den drei Prominenten Spuren der Gewalt ins Gesicht retouchiert und Aussagen zugeordnet.

Unter dem Foto des zerschlagenen Karl Lagerfeld steht auf Französisch zu lesen: "Ein Hawaihemd und Flip-Flops sind der Gipfel der Eleganz". Unter dem brutal zugerichteten Gesicht des Dalai Lama heißt es: "Ein Mann, der mit 50 keine Rolex besitzt, hat sein Leben vertan". Und der verschwollene, zerschnittene Iggy Pop soll gesagt haben: "Justin Bieber ist die Zukunft des Rock'n'Roll".

23.000 Mal geteilt

Amnestys Aussage lautet: "Unter Folter sagt jeder alles", und ist durch die bearbeiteten Bilder samt Text genial abgebildet. Die Wahl der Protagonisten holt jeden ab, von der verwöhnten Schoßhundträgerin über den spirituellen Parkettboden-Liebhaber bis hin zum Subkulturkenner. Nur ein großes Manko hat die Kampagne: Die Initiatoren haben offensichtlich keinen der drei Abgebildeten gefragt, ob sie die Bilder verwenden und bearbeiten dürfen.

Das Kampagnenbild wurde zuerst in belgischen Städten auf Flyern verteilt und verbreitete sich dann rasant im Netz: Auf der Facebookseite habe es innerhalb von Stunden 6000 "Likes" gesammelt, berichtet der "Guardian". Seit es vor einer Woche gepostet wurde, sei es 23.000 Mal geteilt worden, schreibt "News.com.au".

Entschuldigung bei Iggy Pop

"Wir dachten, es sei ein sonderbarer, aber unsentimentaler Weg, Aufmerksamkeit für eine tragische Realität zu erregen, die meist im Geheimen passiert", zitiert der "Guardian" den belgischen Amnesty-Chef Philippe Hensmans. Man sei davon ausgegangen, dass es ein "globales Einverständnis der Beteiligten" gäbe, fügte er im Gespräch mit "News.com.au" hinzu. Deshalb habe man nicht um Erlaubnis für die Bildnutzung gebeten. "Amnesty kann nicht so dumm sein, das ohne Erlaubnis zu tun. Oder?", kommentiert User Damntheral den "Guardian"-Artikel.

Auf allen Amnesty-Auftritten sind die Fotos mittlerweile jedenfalls verschwunden. Die Hilfsorganisation hat sich offiziell bei Iggy Pop entschuldigt, und der hat via Twitter angenommen. Außerdem habe man sich mit Vertretern des Dalai Lama getroffen, um das "Missverständnis" auszuräumen, so Hensmans. Zudem habe man dessen Foto entfernt, weil es "in manchen Regionen für Unruhe gesorgt" habe.

Fehlt nur noch Lagerfeld. Und die Einsicht, dass es nicht ausreicht, sich auf der Seite des Guten zu wähnen. Nach der sieht es allerdings nicht aus. Schließlich sei das doch alles für eine gute Sache.


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