König Charles III. (77) hat gemeinsam mit Königin Camilla (78) die Parlamentssitzung des Gesetzgebungsjahres eröffnet. In einer ungewöhnlich langen Rede legte der Monarch die Agenda von Premierminister Keir Starmers Labour-Regierung vor - und setzte dabei durchaus markante Akzente.
Mit 1.285 Wörtern gehört die sogenannte King's Speech laut der "Daily Mail" zu den längsten Ansprachen eines britischen Monarchen bei einer Parlamentseröffnung in diesem Jahrhundert. Insgesamt 37 Gesetzentwürfe wurden angekündigt - eine der gesetzgebungsintensivsten Reden der jüngeren Geschichte.
Kampf gegen Antisemitismus und Extremgewalt
Inhaltlich nahm Charles kein Blatt vor den Mund: Die Regierung werde "dringend handeln, um Antisemitismus zu bekämpfen und dafür zu sorgen, dass sich alle Gemeinschaften sicher fühlen", erklärte er laut dem Bericht. Zugleich bekräftigte er den Anspruch, "britische Werte wie Anstand, Toleranz und Respekt gegenüber Unterschieden unter unserer gemeinsamen Flagge zu verteidigen".
Besonders aufgeladen war jener Passus, der sich mit dem Anschlag von Southport im Jahr 2024 befasste. Die Regierung werde als Reaktion auf diesen "schrecklichen Angriff" gesetzliche Maßnahmen ergreifen - zum Schutz der britischen Bevölkerung vor extremer Gewalt und "zur Ehrung der Opfer, der Verletzten und ihrer Familien", heißt es in der Rede.
Zeremoniell mit Tradition und Spannung
Das Zeremoniell folgte dem gewohnten, jahrhundertealten Protokoll. Charles und Camilla fuhren in der Kutsche vor, schritten die Treppen des Parlaments hinauf und zogen durch die Royal Gallery - begleitet von einer Fanfare und einem Hauch Theatralik. Im Oberhaus nahm der König, mit der Krone und dem Krönungsmantel bekleidet, auf dem Thron Platz. Sechs Pagen geleiteten ihn, vier davon waren ihm, zwei der Königin zugeordnet.
Unterdessen spielte sich im Unterhaus die traditionelle Szene mit Black Rod ab: Der ranghöchste Beamte des Oberhauses, Ed Davis, marschierte zur Tür des Unterhauses, die ihm - wie vorgeschrieben - vor der Nase zugeschlagen wurde. Erst nach dreimaligem Klopfen durfte er eintreten, um die Abgeordneten zur Anhörung der King's Speech zu laden.
Politische Brisanz hinter dem Zeremoniell
Speaker Sir Lindsay Hoyle führte die Prozession der Unterhausabgeordneten an, gefolgt von Premierminister Starmer und der Tory-Fraktionsvorsitzenden Kemi Badenoch. Starmer saß neben Justizministerin Shabana Mahmood. Rund 20 Abgeordnete blieben dem Ereignis im Unterhaus fern.