„The Times“ (Großbritannien): „Mit einer diplomatischen Meisterleistung, die gleichermaßen darauf abzielte, zu beschwichtigen und zu warnen, erhielt der König bei seiner historischen Rede in Washington zwölf Standing Ovations über alle politischen Lager hinweg. (…)
Charles sagte, es sei ‚schwierig, die Last der Geschichte nicht auf meinen Schultern zu spüren‘. Diese Last dürfte sich noch schwerer anfühlen, seit der US-Präsident deutlich gemacht hat, dass er das Vereinigte Königreich nicht für einen guten Verbündeten hält.
Trump war zwar gemäß dem Protokoll nicht anwesend. Vieles in der Rede schien jedoch direkt auf den Präsidenten ausgerichtet zu sein; neben einer Mahnung enthielt sie auch ein Friedensangebot in Form des Versprechens, die britischen Verteidigungsausgaben zu erhöhen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass die USA die Kosten für die Rolle als Weltpolizist tragen.“
BBC (Großbritannien): „Die Beziehungen zwischen den USA und Großbritannien sind derzeit angespannt – ein Spiegelbild der britischen Zurückhaltung, den gemeinsamen Krieg der USA und Israels gegen den Iran uneingeschränkt zu unterstützen. Daher war es das Ziel des Königs, diese Spannungen mit einer Charme-Offensive abzubauen, insbesondere mit seiner Rede vor dem Kongress.
Es gibt Grund zur Hoffnung. Trump hat eine ausgesprochen sprunghafte Persönlichkeit. Herzliche Beziehungen können sich im Nu in Kälte verwandeln. Doch auch das Gegenteil ist möglich, und ehemalige Widersacher können rehabilitiert und wieder in die Gunst des Präsidenten aufgenommen werden.
Der König sprach von der ‚Versöhnung und Erneuerung‘, die seiner Ansicht nach die jahrhundertelangen Beziehungen zwischen den beiden Nationen geprägt hätten. Dieses Thema griff er später beim Staatsbankett im Weißen Haus erneut auf.
Ob solche Worte in der Öffentlichkeit und aller Wahrscheinlichkeit nach auch hinter verschlossenen Türen ausreichen werden, um das angloamerikanische Bündnis zu stärken, bleibt abzuwarten. Doch in einer kurzen Bemerkung nach dem Treffen im Weißen Haus zeigte sich Trump zufrieden.“
König Charles besucht die USA: „Trockenes britisches Understatement“
„Spiegel“: „Offizieller Anlass ist der kommende 250. Jahrestag jener Abtrünnigkeit, der Ratifizierung der US-Unabhängigkeitserklärung. Inoffizieller Anlass ist der hochsensible Auftrag, mitgegeben vom britischen Premier Keir Starmer, das wieder wie zu Revolutionszeiten zerrüttete Verhältnis zwischen Königreich und Ex-Kolonie zu kitten. Charles erledigt den Job mit Bravour, zumindest für diese paar Stunden. (…)
Zum Höhepunkt des Staatsbesuchs, beim historischen Auftritt vor beiden Kammern des US-Kongresses samt Kabinett und Supreme Court, liest er den Amerikanern dann gehörig die Leviten. Doch es klingt wie Lob, weil der Gast sie daran erinnert, was sie mal waren und was sie sein könnten. Was sie dagegen schon lange nicht mehr sind, nämlich Hüter der ältesten noch aktiven Demokratie der Welt, schimmert zwischen den Zeilen durch, ohne dass Charles es benennen muss.“
„New York Times“ (USA): „König Charles III. demonstrierte eine Art Masterclass in Trump-Diplomatie, indem er eine Rede hielt, die alle richtigen Zutaten in genau der richtigen Dosierung enthielt. Es gab trockenes britisches Understatement; Witze, die auf die Vorlieben von Präsident Trump zugeschnitten waren; ein wenig Unterwürfigkeit, ausgeglichen mit ein wenig Stichelei in Bezug auf die Nato; und die glänzendsten, typischsten Geschenke für Trump. (…)
Den Großteil des Abends wirkte Trump, im weißen Anzug, wie Wachs in den juwelenbesetzten Händen des Monarchen. Nur wenige ausländische Persönlichkeiten können diesen Präsidenten so gut umgarnen wie dieser König.“
Eindringliche Botschaft an die Vereinigten Staaten
„Sydney Morning Herald“ (Australien): „König Charles nutzte das Rednerpult im US-Kongress, um Donald Trump und dem amerikanischen Volk eine sanfte, aber eindringliche Botschaft über den Wert von Loyalität gegenüber Freunden zu vermitteln. Die Rede des Königs war ernst, überzeugend und auf bemerkenswert raffinierte Weise formuliert – so, dass sie dem US-Präsidenten genau das vermittelte, was viele seiner Kritiker ihm zu sagen versuchen. Doch selbst eine brillante Rede, eingebettet in die feierliche Inszenierung eines Staatsbesuchs, wird nicht ausreichen, um die ‚besondere Beziehung‘ zwischen Großbritannien und den USA wiederherzustellen, wenn Trump nicht bereit ist, zuzuhören. (…)
Jede Botschaft war so sorgfältig formuliert und so sanft vorgetragen, dass es völlig unangemessen gewirkt hätte, dem König politische Absichten zu unterstellen. (...) Lächeln und Zeremonien können einige der Spannungen für ein paar Tage überdecken, aber sie können das zugrunde liegende Problem nicht beseitigen. Auch eine noch so geschickt formulierte Rede eines Königs vermag das nicht.
Oberflächlich betrachtet wirkte das britisch-amerikanische Verhältnis stabil und – angesichts der Ankunft der Royals in der US-Hauptstadt – fast ein wenig glamourös. Unter der Oberfläche jedoch klafft eine strukturelle Kluft in der Art und Weise, wie beide Länder die Welt sehen. König Charles kann daran nichts ändern. Diese Aufgabe ist selbst für einen Monarchen zu groß, solange Trump im Weißen Haus sitzt.“
„De Volkskrant“ (Niederlande): „Das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten waren sich in den vergangenen 250 Jahren nicht immer in allen Fragen einig, aber die beiden Länder haben stets Wege gefunden, wieder zueinanderzufinden. Das ist der Kern der Botschaft, die König Charles während seines Staatsbesuchs in den USA vermittelt. (…)
Der Besuch findet in turbulenten Zeiten statt, in denen diese ‚besondere Beziehung‘ unter Druck geraten ist. In den vergangenen Monaten hat Trump wiederholt seine Abneigung gegenüber dem britischen Premierminister Keir Starmer zum Ausdruck gebracht. (…)
Zudem hat sich Trump abfällig über die britischen Streitkräfte geäußert, deren offizieller Oberbefehlshaber König Charles ist. Ein Großteil dieser Wut rührte von der Weigerung der britischen Regierung her, den amerikanisch-israelischen Krieg gegen das Ajatollah-Regime im Iran zu unterstützen.
Aber die Briten verfügen seit jeher über einen großen Trumpf: ihr Königshaus, eine der wenigen Institutionen, vor denen Trump eine Art heiligen Respekt hegt. Obwohl er Republikaner ist, scheint Trump sich manchmal als König von Amerika zu sehen. In der britischen Presse wurde sein Anwesen Mar-a-Lago in Florida auch bereits mit einem mittelalterlichen Hof verglichen.“