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Kommentar

TV-Angebot: Boris Becker im Dschungelcamp: Bin ich da schon drin? Bitte nicht!

Geht Boris Becker ins Dschungelcamp? Dem ehemaligen Wimbledon-Sieger liegt angeblich ein Angebot eines britischen TV-Senders vor. Wenn er dem Publikum und sich selbst einen Gefallen tun will, darf er es nicht annehmen.

Boris Becker

Die öffentliche Lästerei über Sandy Meyer-Wölden brachte Boris Becker Stress mit deren damaligem Ehemann Oliver Pocher ein. Becker und Pocher zofften sich erst via Twitter und traten schließlich im Oktober 2013 in der RTL-Show "Alle auf den Kleinen" gegeneinander an. Es war ein Schlagabtausch an Peinlichkeiten und albernen Spielen und eine öffentliche Demontage des einstigen Tennishelden Boris Becker.

500.000 britische Pfund sind sehr viel Geld. Die umgerechnet 585.000 Euro wären eine der höchsten Gagen, die in der britischen TV-Show "I'm a Celebrity - get me out of here" jemals gezahlt wurden. Angeblich ist es genau die Summe, die der Sender ITV jetzt Boris Becker angeboten hat, sollte er im Dezember ins britische Dschungelcamp einziehen. Becker hat Millionenschulden angehäuft, könnte das Geld gut gebrauchen. Trotzdem darf er das Angebot nicht annehmen.

Erstens aus Selbstachtung. Egal was für ein schlechter Geschäftsmann Boris Becker ist, es steht außer Frage, dass er einer der größten deutschen Sportler überhaupt ist. Bis heute hält sein Rekord, mit 17 Jahren der jüngste Wimbledonsieger aller Zeiten geworden zu sein. Eine glanzvolle Heldentat. Wird er die Beckerfaust auch recken können, wenn er sich mit Maden und Ratten im Dreck wühlt? Nein. Es wäre ein würdeloses Spektakel.

Boris Becker zerstört im Dschungelcamp seinen Legendenstatus

Zweitens aus Achtung vor den Menschen, die ihn nach wie vor verehren. Ja, Boris Becker hat viele Fehler in seinem Leben gemacht. Dass er sich in einer TV-Show mit Oliver Pocher Fliegenklatschen und Handtücher an den Kopf gebunden hat, war ein Tiefpunkt seiner Karriere. Doch Becker schien daraus gelernt zu haben, ließ sich fortan nicht mehr in Peinlich-Shows verheizen. Für meine Generation und viele davor ist Becker nach wie vor eine Legende. Ich will ihn nicht im Dschungelcamp sehen.

Und drittens aus rein wirtschaftlichen Gründen. Becker könnte zwar innerhalb von zwei Wochen über eine halbe Million Euro verdienen, doch angesichts seines Schuldenberges wäre auch diese Summe ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Gegenzug würde der 49-Jährige seine mühsam aufgebaute Reputation als Tennistrainer und als Kommentator im britischen Fernsehen riskieren. Auf der Insel wird Becker wegen seiner bissigen und witzigen Art geschätzt. Doch wer engagiert ihn als Trainer und Kommentator, wenn er sich live zum Deppen der Nation macht? Niemand. Langfristig würde ihm eine Dschungelcamp-Teilnahme weniger Einnahmen bringen.

Lilly und Boris Becker

Bin ich da schon drin oder was? Bitte nicht!

Sollte es wirklich so schlimm um die Finanzen des Boris Becker stehen, dass er eine Dschungelcamp-Teilnahme ernsthaft in Erwägung zieht: Bitte, bitte Boris, tue es nicht. Er sollte lieber mit Würde in die Insolvenz gehen und sich danach zurückkämpfen. Das ist der Becker, den wir sehen wollen.

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