VG-Wort Pixel

Neue Spears-Doku "Framing Britney" Wie Justin Timberlake auf Britney Spears' Kosten seine Karriere vorangetrieben hat

Justin Timberlake und Britney Spears
Justin Timberlake und Britney Spears galten als amerikanisches Traumpaar. Bis ihre Beziehung zerbrach. 
© pmairs|File|Filed|9/14/2016 10\21\14 AM, Chris Gardner / Picture Alliance
Eine neue "New York Times"-Doku über Britney Spears analysiert, wieso die Popqueen der Nullerjahre abstürzte - und welche Rolle Justin Timberlake gespielt hat.

Britney Spears' Geschichte ist eine Tragödie, die beeinflusst wurde von zwei Hauptfaktoren: Geldgier und der Tabloid-Welt der Nullerjahre. Die neue "New York Times"-Dokumentation "Framing Britney Spears" beleuchtet die Hintergründe des öffentlichen Absturzes der Popqueen - und sie zeigt anschaulich auf, wie viel Geld auf dem Rücken der Sängerin verdient wurde. 

"Framing Britney Spears": Doku beleuchtet Absturz

Einer der Akteure in Spears' Geschichte ist Justin Timberlake. Anfang der Nullerjahre waren Spears und Timberlake, die sich im "Mickey Mouse Club" kennengelernt hatten, so etwas wie US-Royals, das Paar der Stunde. Die beiden zeigten sich gemeinsam auf dem roten Teppich, erzählten verliebt Anekdoten übereinander in Talkshows, während Spears weiterhin beteuerte, Jungfrau zu sein. Die Unschuld gepaart mit knappen Outfits und doppeldeutigen Songtexten gehörte zu Spears' sorgfältig aufgebautem Image. 

Doch als die Beziehung der beiden Stars scheiterte, begann auch das öffentliche Bild zu zerfallen. Die Klatschmagazine hatten schnell die Schuldige gefunden: Britney habe Justin betrogen, hieß es überall. Gerüchte, die Timberlake befeuerte. In seinem Hitsong "Cry me a River" geht es um einen betrogenen Mann, die Darstellerin im dazugehörigen Video ähnelt Spears' zweifelsohne. "Die Art und Weise, wie die Leute sie behandelten, war, in High-School-Sprache, als wäre sie die Schulschlampe und er der Quarterback", erklärt "New York Times"-Kritiker Wesley Morris in der Doku. 

Britney Spears postet Tanzvideo auf Instagram

Trennung von Justin Timberlake

Timberlake, der scheinbar Gehörnte, ließ es gewähren, befeuerte das Narrativ sogar noch, indem er in Interviews damit prahlte, die vermeintliche Jungfrau Britney ins Bett bekommen zu haben. Spears' Image begann zu bröckeln, während er seine Karriere aufbaute. Auf Twitter löste die Doku am vergangenen Wochenende einen Sturm der Empörung aus. Zahlreiche Spears-Fans kritisierten den Umgang Timberlakes mit der Situation. "Justin Timberlake hat eine Menge Scheiße getan, für die er sich entschuldigen muss, aber seine Behandlung von Britney steht ganz oben auf der Liste", schrieb ein Twitter-Nutzer. 

Und die US-Journalistin Maria Del Russo schrieb: "Beweist mir, dass Justin Timberlake überhaupt eine Solokarriere gehabt hätte ohne Feindlichkeit (und den Wunsch der Medien, sie aufrechtzuerhalten) gegen Frauen wie Britney Spears und Janet Jackson zu instrumentalisieren. (Hätte er nicht.)."

"Nipplegate" wird heute anders bewertet

Sie spricht damit eine andere Kontroverse an, die in den vergangenen Jahren erneut an Fahrt aufgenommen hat: den Super Bowl, über den die Welt anschließend nur noch in Bezug auf das "Nipplegate" sprach, als Justin Timberlake am Ende ihrer Performance Janet Jacksons Brust entblößte. Während Janet Jackson damals zum Buhmann – beziehungsweise Buhfrau – der Nation wurde, stand Timberlake weiterhin hoch in der Gunst der Amerikaner. Bei der Grammy-Verleihung kurz nach dem folgenschweren Super Bowl durfte er auftreten und sogar zwei Awards entgegen nehmen – Janet Jackson wurde von der renommierten Veranstaltung verbannt. Nicht verwunderlich, dass das amerikanische "People"-Magazin Timberlake damals den "Teflon Man" nannte: Eine Anspielung darauf, dass alle Vorwürfe von ihm abzuprallen schienen.

Noch heute wird Timberlake dafür kritisiert, sich nicht für Janet Jackson eingesetzt zu haben. Vor allem auch deshalb, weil er seinen Weltruhm in Teilen auch Jackson verdankt. Schon früh engagierte sie 'NSYNC als Vorband für ihre Tourneen, hielt enorm viel von dem jungen Boyband-Star.

"What Goes Around Comes Around"

Ähnlich sehen viele Britney-Fans heute Timberlakes Umgang mit dem Absturz seiner Ex-Freundin. Denn nach der Trennung war für Spears nichts mehr so wie vorher. Ihr Image: ruiniert. Ihr Leben: bestimmt von Paparazzi und fiesen Medienberichten. 

Genau die Zeit, in der Timberlake seinen Song "What Goes Around Comes Around" veröffentlichte. Ein Lied, das viele als zweiten Diss-Track gegen die Sängerin einschätzten. Die Message dahinter: Irgendwann rächt sich alles. 

Wie "Framing Britney" sehr anschaulich analysiert, gehören zu Spears' Absturz weit mehr Faktoren als nur eine gescheiterte Beziehung. Ihr Vater, seit nunmehr über zehn Jahren ihr Vormund, kommt, gelinde gesagt, nicht gut weg. Ebenso wenig die vielen Menschen, die ein Stück vom Spears-Geldkuchen bekommen wollten. Auch den skrupellosen Paparazzi wird eine Mitschuld gegeben. Und doch, da sind sich vor allem die Britney-Fans einig, sollte ein Aspekt nicht außen vor gelassen werden: Dass Timberlake seine Karriere auf Kosten seiner Ex-Freundin aufgebaut hat und dass die (Medien-)Welt sein Narrativ nur zu gerne angenommen hat. 

Verwendete Quelle:  "New York Times"

ls

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker