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Bürgerinitiative "Früh losziehen": Mütter kämpfen für die Sperrstunde

Die Nacht durchsaufen und am Sonntag erst am Nachmittag verkatert aus dem Bett fallen - zwei Mütter aus den Niederlanden haben dieses Lotterleben von Jugendlichen satt und forden mit einer großen Bürgerinitiative Discothekenbesitzer auf, ihre Läden früher zu schließen.

Von Albert Eikenaar

Es ist schon Sonntag, eine halbe Stunde nach Mitternacht, wenn sich in dem niederländischen Industrieort Nijverdal eine Gruppe Jugendlicher mit dem Fahrrad auf den Weg zum nahe gelegenen Städtchen Rijssen macht. Es ist kalt, nass und windig. Aber die Jungen und Mädchen strampeln trotzdem gut gelaunt die sechs Kilometer zum Nachbarort. Ihr Ziel ist die große Discothek "Lucky" in einem um diese Zeit ausgestorbenen Gewerbegebiet. Im Zentrum des Ortes wäre kein Platz für das Megalokal, das nur am Wochenende ihre Tore öffnet. Im Lucky amüsieren sich ein paar tausend junge Gäste ab 16 bei Bier, Wein, und Cocktails. Sprudel gibt es für die, die im Auto nach Hause fahren müssen, anstatt zu radeln.

Die Besucher aus Nijverdal auf dem Drahtesel brauchen eine halbe Stunde bis sie in der Disco eintrudeln. Es ist dann schon eins, bevor sie das erste alkoholische Getränk bestellen. Weil die Preise ziemlich hoch sind, trinken die meisten zusammen vorweg ein paar Gläser bei dem einen oder anderen Zuhause. Oder sie besuchen einen der sogenannten "Eintrinkschuppen", die es überall - auch in der Stadt - gibt. Erst nach dieser Zeremonie geht's ab in die Disco.

Feiern bis zum Morgengrauen

Ganz allmählich änderten sich in den Niederlanden die Anfangszeiten zum Ausgehen. Heute fängt das Nachtleben erst um eins oder später an, statt wie früher um zehn. Und dann dauert es bis vier, fünf Uhr am Morgen. Eltern, die ihre Kinder im Morgengrauen lieber nicht unbeschützt auf der Straße sehen, haben das Nachsehen. Sie müssen sich einen Wecker stellen, um den Nachwuchs in der Früh mit dem Auto abzuholen, oder per Rad, falls die Discokinder mit dem "Fiets" zum Tanzpalast gefahren sind. So geht das in hunderttausenden niederländischen Familien, Wochenende für Wochenende. Oft führt das zu Stress und Streitigkeiten.

Zwei Mütter aus dem friesischen Dörfchen Siegerswoude wollen dieser Kultur, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, ein Ende setzen. Sie sind es satt, ihre Söhne und Töchter am Sonntagmorgen nach dem nächtlichen Gelage wieder sicher nach Hause zu transportieren, wo sie sofort alkoholisiert ins Bett fallen und bis mindestens 12 Uhr ihren Rausch ausschlafen. Myriam Loonen ist eine der zwei Vorkämpferinnen für "humane" Ausgangszeiten. "So wie es jetzt läuft, geht das Familienleben kaputtl. Die Tradition, den Sonntag zusammen zu verbringen, gemeinsam zu essen, zu spielen oder zu wandern wird zunichte gemacht. Die Kinder hängen schlaftrunken, faul vor dem Fernseher oder im eigenen Zimmer vor dem Computer".

"Zuviel für die junge Leber der Jugendlichen"

Frau Loonen hat mit ihrer Freundin Hannie Gorter eine Bürgerinitiative gestartet, die das Gastgewerbe aufruft, die langsam entstandene Kultur des späten Tanzvergnügens auf einen normaleren Proporz zurückzubringen. "Das nächtliche Bummeln bis in die Frühe ist ein Auswuchs, der auch gesundheitliche Folgen hat". Durch das "Eintrinken" vorab, wird billiger und zuviel Alkohol gebechert, meinen die zwei Friesinnen. "Zuviel für die junge Leber der Jugendlichen". Sie fordern, dass die Wirte ihre Öffnungszeiten anpassen, das heißt: verfrühen. Damit werden die jungen Gäste wohl automatisch gezwungen werden, auch eher auszugehen - und heimzukommen.

"Vroegopstap" (Früh losziehen) heißt die Aktion, die schon landesweit von anderen entrüsteten Eltern unterstützt wird: über 140.000 Unterschriften sind via Website registriert. Täglich werden es mehr. Inzwischen warten die Discobesitzer die Entwicklung gelassen ab. Von ihnen ergreift jedoch keiner die Initiative zu einem Party-Frühstart. "Die Jugend hat heutzutage nun mal einen anderen Lebensstil", argumentieren sie. "Nachtschwärmen gehört dazu. Das ist cool. Wer schon um zehn Uhr seine Bierchen trinkt, der sitzt allein an einer Bar und schließt sich selbst aus."

Gelegenheit zum Kirchgang

Myriam und Hannie setzen auf die Menschen, die letztlich das Sagen haben: die örtlichen Politiker. Denn es sind die Gemeinden, die die Öffnungszeiten der Discoklubs vorgeben und genehmigen. Alle Kommunen in den Provinzen Friesland, Groningen und Drenthe erhielten inzwischen von den zwei streitlustigen Damen ein Schreiben mit der Bitte, die Problematik ernsthaft anzupacken. Beide Mütter zeigen sich davon überzeugt, dass ihr Schneeball früher oder später eine Lawine lostreten wird. Denn auch in anderen Regionen wird die Diskussion über die Vorteile einer früheren Schließung nun geführt.

Der Haager Familienminister André Rouvoet lässt, angeregt von den Friesinnen, ein Dossier zusammenstellen. Bei ihm haben Myriam und Hannie eine empfindliche Saite getroffen. Er ist von der religiösen Christlichen Union und reagiert besonders positiv auf ein Argument, das ihn speziell anspricht: "Die Kinder hätten am Sonntagmorgen wieder Gelegenheit zum Kirchgang."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(