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Carla Bruni: Die Rolle der Première Dame als Abenteuer

"Ich werde mein Bestes geben." So lautet das Titelzitat vom ersten Interview Carla Brunis nach ihrer Hochzeit mit Nicolas Sarkozy. Bruni wollte ihr Bild in der Öffentlichkeit korrigieren, die Gerüchte der vergangenen Monate klären und ihre neue Rolle als Première Dame Frankreichs definieren. Der Versuch ging glatt nach hinten los.

Sie wollte sich schnell zu Wort melden. Knapp zwei Wochen nach ihrer Hochzeit mit Frankreichs Staatschef Nicoals Sarkozy, hat Carla Bruni, Frankreichs neue Première Dame ihr erstes Interview gegeben. Es sollte auch dazu beitragen, Nicolas Sarkozy aus dem Umfragetief zu holen, in dem er sich laut aktuellen Ergebnissen des Instituts Opinionway befindet. Zwischen den Aufnahmen für ihr drittes Album nahm sich Bruni Zeit, mit dem politisch linken Magazin "L'Express" über die vergangenen Monate und ihre neue Rolle zu plaudern. Sie sei stolz und glücklich, die neue First Lady der Franzosen zu sein, sagte Bruni und dass sie ihr Bestes geben wolle, um dem Land und ihrem Ehemann zu dienen. Es sollte ein Interview werden, in dem alle Fragen geklärt und die Gerüchte der vergangenen Monate beseitigt werden. Wenn, ja, wenn da nicht dieser unsägliche Vergleich gewesen wäre.

"Wenn es solche Seiten bereits während des Krieges gegeben hätte, was wäre dann mit den Denunziationen von Juden gewesen?" Diesen Satz äußerte Bruni im Interview, als sie auf einen Bericht der Internetseite "Nouvelobs.com" aus der vergangenen Woche angesprochen wurde. Laut dem Onlinemagazin schickte Sarkozy wenige Tage vor der Hochzeit mit Bruni eine SMS an seine Ex-Frau Cécilia. "Wenn Du zurückkommst, sag ich alles ab", soll er geschrieben haben. Der Präsident erhob Strafanzeige, der Autor hält aber an seiner Darstellung fest und Carla Brunis Einstand als Première Dame ist gehörig misslungen.

"Wenn ich jemanden verletzt habe, tut es mir leid"

Für den Chefredakteur des "L'Express", Michel Labro, ist das ein "grauenhafter, absolut unglaublicher und pathetischer Vergleich". "Man spielt nicht mit derartigen Behauptungen", sagte er der Website "Rue89". Und auch Carla Bruni bemühte sich nach der harschen Kritik um Schadensbegrenzung. Sie habe "zu Unrecht" die Methoden der Internetseite mit denen der Kollaborationspresse verglichen, räumte sie ein. "Wenn ich dadurch jemanden verletzt habe, tut es mir sehr leid." Sie habe nur "alles Schlechte" zum Ausdruck bringen wollen, dass sie "über diese gefährlichen Angriffe auf Menschen" denke. Sich des Schicksals der Juden für eine persönliche Abrechnung zu bedienen, sei unglaublich, beharrte die "Nouvelobs"-Redaktion in einer Erklärung. "Dieser Vergleich hätte niemals gesagt und veröffentlicht werden dürfen."

Ein holpriges Debüt für die neue First Lady, und als spontaner Wutausbruch lässt er sich nicht abtun: "L’Express"-Redakteur Barbier erklärte im Fernsehen, er habe mit Bruni eine Woche an den Formulierungen gefeilt, und sie habe unbedingt über die SMS-Affäre sprechen wollen. Der Regierung wird die kritische Berichterstattung über den Präsidenten und seine Gattin inzwischen unheimlich. Die Staatssekretärin für Menschenrechte, Rama Yade, bezeichnete einige Journalisten unlängst als "Aasgeier". Am Mittwoch sprang Wirtschaftsstaatssekretär Eric Besson in die Bresche. Das Paar müsse endlich in Ruhe gelassen werden, forderte er von der Presse. Dass Sarkozy wie keiner seiner Vorgänger die Medien einzuspannen versucht, und selbst sein Privatleben immer wieder in Szene setzte, ließ Besson freilich unerwähnt.

Geht es jedoch nach Carla Bruni, so sei das Medieninteresse an ihrer Liaison mit Nicolas Sarkozy keinesfalls gewollt oder gar bewusst inszeniert. "Ich war nicht nur überrascht, ich war völlig überwältigt", antwortet Bruni im Interview auf die Frage, wie sie sich den Rummel um ihre seit Dezember 2007 währende Beziehung zu Nicolas Sarkozy erkläre. Dass sie nun, nach nur drei Monaten Beziehung geheiratet hat, findet Bruni, die zwar einen Sohn aus einer früheren Beziehung hat, aber noch nie vor den Altar getreten ist, nichts Besonderes. "Ich habe nicht gezögert. Ich hatte sofort Lust ihn zu heiraten. Mir scheint, mit Nicolas an meiner Seite kann mir nichts mehr passieren", sagt Bruni im Interview mit dem "L'Express". Passend zu ihrem neuen Image der treu sorgenden Ehefrau trug Bruni während des Interviews eine graue Strickjacke und die langen Haare brav gescheitelt. Vor einigen Wochen räkelte sie sich noch fast nackt, nur mit schwarzen Lederstiefeln bekleidet, vor der Linse eines Fortografen für das spanische Männermagazin "DT".

"Ich bin seine Gattin bis zum Tod"

"Ich bin von der italienischen Kultur geprägt, und ich würde mich nicht gerne scheiden lassen", so Bruni im Interview. "Ich bin also bis zum Ende des Mandates meines Mannes die Première Dame und seine Gattin bis zum Tod." Das wünsche sie jedenfalls. Welche Funktionen sie als Première Dame erfüllen wolle, darüber habe sie sich noch nicht wirklich Gedanken gemacht. "Doch ich weiß, wie ich es tun möchte: mit Ernsthaftigkeit."

Und so gesteht sie rückblickend, dass es ein Fehler war, ihren sechsjährigen Sohn Aurélien auf ihre Reise nach Jordanien mitzunehmen. Dort, wo sie mit Nicolas Sarkozy die Felsenstadt Petra besuchte - begleitet von 600 Fotografen. Aurélien saß auf den Schultern von Nicolas Sarkozy. Er hielt sich die Augen zu. "Das hat ein schockierendes, gewalttätiges obszönes Bild gegeben, für das ich mich als Mutter geschämt habe", so Bruni.

In Zukunft wird Carla Bruni in erster Linie die Frau an der Seite von Nicolas Sarkozy sein. Ihre Musikkarriere - sie arbeitet gerade an ihrem dritten Album - wird sie wohl auf Eis legen müssen. Eine Première Dame, die leicht bekleidet auf der Bühne sitzt und Lieder über die Liebe singt, ist undenkbar. "Bis zum Ende des Mandats meines Mannes werde ich sicher keine neue CD aufnehmen. Danach muss man sehen. Ich arbeite seit ich 18 Jahre alt bin und ich mag den Gedanken, mein eigenes Geld zu verdienen, auch wenn ich es nie nötig gehabt habe", stellt Bruni im Interview klar. Wenn alles gut geht, wird sie für die nächsten fünf Jahre Frankreichs erste Frau im Staat sein und das sei, so Bruni "ein Abenteuer".

DPA/AP/jum / AP / DPA
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