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Charles und Camilla: Das Königreich ist gespalten

Die meisten Briten befürworten die geplante Ehe von Prinz Charles und Camilla - als Königspaar wollen sie die beiden jedoch nicht.

Für gemischte Gefühle haben Prinz Charles (56) und seine Geliebte Camilla Parker Bowles (57) mit ihren Heiratsplänen im Vereinigten Königreich gesorgt. Während etwa die "Times" am Freitag titelte: "Nach 30 Jahren bringt Charles sein Haus in Ordnung", warf der "Daily Express" dem Thronfolger vor, die Nation zu spalten und der Monarchie zu schaden. "Was würde Diana sagen?" fragt die Boulevardzeitung anklagend in großen Lettern.

Auch eine am Tag nach der Heiratsankündigung im "Daily Telegraph" veröffentlichte Umfrage wies in mehrere Richtungen. Dort befürworteten zwar 65 Prozent von gut 1300 befragten Briten ab 18 Jahren die Ehe der beiden. Als zukünftige Königin aber will Camilla nach den Angaben kaum ein Brite sehen. Und auch für die berufliche Zukunft von Prinz Charles sähe es gar nicht rosig aus, wenn das Volk zu bestimmen hätte. Denn nach der Umfrage würden es mittlerweile 41 Prozent der Untertanen vorziehen, Prinz William (22) auf dem Thron zu sehen. Für Charles als König sprachen sich nur noch 37 Prozent aus.

Die führende Boulevardzeitung "The Sun" sprach von einem "Glücklichen Tag" und freute sich in einem Kommentar darüber, dass Charles aus Camilla endlich eine "ehrbare Frau" mache. Und auch der konservative "Telegraph" schrieb: "Charles braucht eine bessere Hälfte und keine Mätresse". Der linksliberale "Guardian" brandmarkte die Vorgänge im Königshaus hingegen als "Seifenoper", die im Wesentlichen nur noch Stoff für Klatsch und Tratsch liefere. Die Frage, ob Camilla irgendwann einmal Königin werden könne oder nicht, sei derzeit ohnehin nur theoretischer Natur: "Wenn die jetzige Königin so lange durchhält wie ihre Mutter, gibt es noch jede Menge Zeit zum Nachdenken."

Happy End auf Schloss Windsor

Die beiden Verlobten aber lassen sich das nahende Happy End, die Hochzeit am 8. April auf Schloss Windsor, nicht verdrießen. Nur wenige Stunden nach der überraschenden Ankündigung des Trauungstermins waren Camilla - im fuchsienroten Abendkleid - und Charles - im Smoking mit roten Revers - am Donnerstagabend genau dort zu einem gemeinsamen öffentlichen Auftritt erschienen. Am Rande eines Empfangs für Geschäftsleute verriet Camilla, dass ihr Bräutigam sehr klassisch um ihre Hand angehalten habe. Die zukünftige Herzogin von Cornwall antwortete auf die Frage, ob Charles vor ihr auf die Knie gefallen sei, mit einem Lachen: "Natürlich. Was denn sonst?"

Nach Medienberichten soll es jedoch im April keine pompöse Hochzeit geben, wie sie für Charles und Diana im Jahr 1981 ausgerichtet worden war. Zu der eher schlichten Zeremonie sollten "hauptsächlich die Familie und Freunde" kommen, hieß es unter Berufung auf Clarence House, den Londoner Sitz des Thronfolgers. Allerdings gebe es Überlegungen, Teile der Hochzeit im Fernsehen direkt zu übertragen. Nach Berichten der BBC laufen die Hotelbuchungen in der Kleinstadt Windsor für den Hochzeitstag bereits auf Hochtouren.

Flitterwochen in Schottland

Ihre Flitterwochen wollen Charles und Camilla in Schottland verbringen. Nach der Hochzeit werde das Paar für etwa eine Woche nach Birkhall reisen, dem früheren Haus der Königinmutter auf dem Landsitz Balmoral, hieß es. Birkhall dient seit langem als privater Rückzugsort des Paares.

Die Liebesbeziehung der beiden hatte schon vor der Heirat von Charles mit der 1997 ums Leben gekommenen Diana begonnen. Der Prinz und Camilla hatten sich bereits 1970 bei einem Polo-Wettbewerb auf Windsor kennen gelernt. Ihre Liebesbeziehung führten die beiden neben ihren Ehen weiter, was nicht zuletzt zum Bruch zwischen Charles und Diana beitrug, die sich 1996 scheiden ließen.

Auf alle Fälle naht nun das glückliche Ende der mehr als drei Jahrzehnte währenden Geschichte, zu dem zahllose Menschen in Publikums-Emails an die BBC ihre unterschiedlichen Meinungen äußerten. "Selbstverständlich sollte Charles Camilla heiraten; das hätte er schon vor 25 Jahren tun sollen - aber besser spät als nie", schrieb Leofranc Holford-Stevens aus Oxford. Vivian Howard aus Middlesbrough hingegen war überhaupt nicht begeistert: "Er sollte auf den Thron verzichten und ihn seinem Sohn überlassen."

DPA / DPA