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#Actout-Initiative Coming-Out in Hollywood: Wenn die Sexualität noch immer Tabuthema ist

David Burtka und Neil Patrick Harris
David Burtka und Neil Patrick Harris (r.) sind seit 2014 verheiratet. Harris wurde zum Coming-Out gezwungen, nachdem Gossip-Blogger Perez Hilton mehrfach angedeutet hatte, dass der Schauspieler schwul ist
© Lev Radin / Picture Alliance
Hollywood gilt als liberal, weltoffen, tolerant. Dass dieses Bild oft nur Fassade ist und dahinter eine konservative Branche steckt, zeigen viele Coming-Out-Beispiele. 

Im aktuellen "SZ Magazin" zeigen sich 185 deutsche Schauspieler*innen und sprechen offen darüber, schwul, lesbisch, bi, nicht-binär, queer oder trans zu sein. Es ist ein wichtiger Schritt, denn es reicht nicht, seine Sexualität privat zu zeigen. Die Sichtbarkeit innerhalb der Gesellschaft und innerhalb der eigenen Branche ist mindestens genauso wichtig, um Gleichstellung zu erreichen. 

Coming-Out in Hollywood

Blickt man in Richtung USA und Hollywood, sieht die Lage nicht unbedingt anders aus als hierzulande. Die Branche gilt zwar als liberal und ist es im Vergleich zu anderen Branchen vermutlich auch, und trotzdem gilt ein Coming-Out oft als Gefahr für die Karriere. Sich als schwul zu outen, könnte dazu führen, nicht mehr als Hetero-Herzensbrecher besetzt zu werden, oder aber auf Lebenszeit Opfer von "Typecasting" zu werden, also immer die gleiche Rolle zu bekommen. 

Und doch gibt es einige Beispiele von Hollywood-Größen, die den wichtigen Schritt gewagt haben. Rupert Everett zum Beispiel. Der "Die Hochzeit meines besten Freundes"-Star gehört zu den wenigen männlichen Schauspielern, die ein Coming-Out hatten. Für ihn hatte es damals allerdings berufliche Folgen. Er habe nie wieder einen Job bekommen, sagte Everett mal in einem Interview mit "BBC Radio 4". Und er bezeichnete Hollywood als "eine extrem konservative Welt", die "vorgibt, eine liberale Welt zu sein." Das Showbusiness sei gemacht für Heterosexuelle, erklärte er damals, denn "es wird hauptsächlich von heterosexuellen Männern geführt, und es gibt eine Art Hackordnung". 

Links lächelt ein größerer blonder Mann in die Kamera, rechts ein etwas kleinerer dunkelhaariger Mann. Beide tragen Scheitel

Zum Coming-Out gezwungen

"How I Met Your Mother"-Schauspieler Neil Patrick Harris wurde derweil zu seinem Coming-Out getrieben. Gossip-Blogger Perez Hilton, selber homosexuell, nutzte seine Plattform im Netz Anfang der 2000er dazu, bekannte Persönlichkeiten zu outen - gegen deren Willen. Harris war einer davon. Und so sah sich der 47-Jährige im November 2006 dazu gezwungen, selbst ein Statement zu veröffentlichen, in dem er sagte: "Ich freue mich, alle Gerüchte und Missverständnisse zu zerstreuen und bin ziemlich stolz darauf, sagen zu können, dass ich ein sehr zufriedener schwuler Mann bin, der sein Leben in vollen Zügen lebt und sich sehr glücklich schätzen kann, mit wunderbaren Menschen in dem Geschäft zu arbeiten, das ich liebe."

"Sex and the City"-Schauspielerin Cynthia Nixon wurde Thema in den Klatschspalten, als sie sich 2003 von ihrem Freund trennte und wenig später mit der Aktivistin Christine Marinoni zusammenkam. Erst 2012 sagte Nixon öffentlich, sie identifiziere sich als bisexuell. 

Jüngste Coming-Out-Beispiele in Hollywood sind Tilda Swinton, die kürzlich erzählte, queer zu sein und der Schauspieler Elliott Page, der Ende Dezember die Plattform Instagram nutzte, um der Welt mitzuteilen, trans zu sein. 

All jene Beispiel zeigen, dass es manchmal Jahre dauert, bis der Zeitpunkt für das eigene Coming-Out richtig ist. Und sie zeigen auch, dass selbst das liberale Hollywood noch weit entfernt ist von Gleichstellung und Chancengleichheit. 

Verwendete Quellen: "BBC Radio 4" / "The Hollywood Reporter" / "The Wrap"

ls

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