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Daniel Craig: Hart wie kein Bond zuvor

Erst haben die Fans ihn übel beschimpft, dann zum Film-Boykott aufgerufen: Der neue "James Bond"-Darsteller Daniel Craig nimmt das nicht hin. Er hat hart trainiert, scheut im Film keine Extreme. Blut, Gewalt und tiefe Wut gehören dazu.

Sie haben ihn als Jammerlappen beschimpft, als Feigling und Memme. Nie zuvor haben 007-Fans einen Darsteller des Geheimagenten James Bond derart geschmäht, wie Daniel Craig (38). Auf Websites wurde gar zum Boykott von "Casino Royale" aufgerufen, des 21. Films der Bond-Reihe. Jetzt aber spricht sich herum: Der Mann ist doch kein Weichei, sondern vielleicht gar härter als alle seine Vorgänger.

Bond Craig wirkt und agiert in vorab veröffentlichten Filmszenen so athletisch wie schon lange kein 007 mehr. Er klettert einen Riesenkran hoch, springt in Schwindel erregende Tiefen, rast durchs Feuer, und erschießt Gegner ohne mit der Wimper zu zucken. Einem zerschmettert er den Kopf auf einem Toilettenbecken. "Es macht Ihnen nichts aus, diese Leute umzubringen?", fragt ihn Bond-Girl Eva Green. Antwort, ganz cool: "Wenn, dann wäre ich nicht besonders gut in meinem Job."

Craig: "Doppelt so hart schuften wie bisher"

Seit Sony Pictures den Trailer zum neuen 007 ins Internet gestellt hat, sind die Kritiker leiser geworden. Vergeben und vergessen ist, dass der erste blonde Bond letztes Jahr bei seiner Vorstellung in einem Marineschnellboot eine opahafte Schwimmweste trug. Oder dass er seinen Sportwagen Aston Martin angeblich mit langweiliger Automatik statt männlichem Schaltgetriebe haben wollte. Und auch, dass Craig im wirklichen Leben Waffen verabscheuen soll. Alles kein Thema mehr.

Auch nicht mehr für Craig selbst. Anfangs habe ihn traurig und wütend gemacht, was er im Internet und vielen Zeitungen über sich gelesen habe, gestand er "Times"-Reportern. "Wahnsinnig gern hätte ich auf all diesen Mist geantwortet", sagte der Schauspieler, der als Sohn eines Gerüstbauers und einer Kunstlehrerin in der Beatles-Stadt Liverpool aufwuchs. "Aber dann habe begriffen, dass ich gegen den Wind pinkeln würde, und ich habe mich entschieden, lieber doppelt so hart zu schuften wie bisher." Bei den Dreharbeiten und auch im Fitness Centre, was man seinen Bizeps ansieht.

Es wird blutig

Unter den Fans macht zudem gerade die Runde, was 007-Produzent Michael G. Wilson dem "Times Magazine" steckte: Es wird blutig. "Nein, für jüngere Kinder ist der Film nichts", erklärte er vielsagend. In früheren Bond-Streifen, die er alle zusammen mit seiner Stiefschwester Barbara Broccoli produzierte, "hat man zwar auch die Konsequenzen von Gewalt gesehen, aber nicht unbedingt das Blut", sagte Wilson. "Diesmal sieht man es."

Damit nicht genug. "Man stelle sich vor", plauderte Wilson, "dass der Held splitternackt an einen Stuhl gefesselt ist und Bösewichter auf seine Genitalien einschlagen..." Wie kann der Mann mit der "Lizenz zum Töten" in einer solchen Situation am Ende die Oberhand bekommen? "Ich habe mich selbst in große Wut versetzt", sagt Craig. "Bond denkt in der Szene, er wird sterben. Das ist sein letzter Aufschrei."

Den wird die oberste Chefin aller Doppel-Null-Agenten als eine der ersten vernehmen: Ihre Majestät Königin Elizabeth II. ist die Schirmherrin der Londoner Weltpremiere am 14. November. Ganz so schlimm könne es denn wohl auch mit dem Blut und der Gewalt im neuen.007-Film nicht sein, meinten Beobachter nachdem der Buckingham-Palast kürzlich die Teilnahme der 80-jährigen Queen bestätigte. Sicherheitshalber machte eine Hof-Sprecherin klar: "Die Königin wird sich nicht dazu äußern. Sie überlässt die Beurteilung von Kunstwerken grundsätzlich den Fachleuten und dem Publikum."

Thomas Burmeister/DPA / DPA