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Dschungelcamp 2014: Michael Wendler - Mann oder Memme?

Nach nur vier Tagen verlässt Michael Wendler das Dschungelcamp. Ein kluger Karriereschachzug, meint Carsten Heidböhmer. Der Wendler kehrt als gebrochener Mann heim, sagt Jens Maier.

Was ist denn in den gefahren, mögen viele Zuschauer gedacht haben, als Michael Wendler überraschend das Dschungelcamp verließ - und das nach nur vier Tagen. Ist "der Wendler" etwa gar kein richtiger Kerl, sondern bloß ein Weichei; ein Luxusgeschöpf, das bei der kleinsten Unbequemlichkeit den Schwanz einzieht? So will es uns die "Bild"-Zeitung weismachen, die ihn als "Dschungelmemme" bezeichnet. So sehen es auch die meisten Mitinsassen im Camp, die auf seinen Auszug verschnupft reagierten. Doch damit beweisen sie nur, dass sie die clevere Strategie des Schlagersängers nicht verstanden haben.

Denn als einziger der elf Kandidaten hat Wendler einen Plan, weshalb er in den Dschungel geht - und eine klare Exit-Strategie. Hier war alles durchkalkuliert, vom ersten bis zum vierten Tag. Pünktlich zum Tag des Einzugs erschien die neue Single, wenige Tage nach dem Auszug kommt das neue Album in die Läden, die nächsten Konzerttermine stehen schon. Und auch sein Parfüm konnte er werbewirksam in der Sendung platzieren. So macht man das!

Mögen die anderen in ihren Hängematten nur lästern und weiter vor sich hindämmern. Fakt ist: Keiner von denen hat eine Idee, wie die Dschungelcamp-Teilnahme ihre Karriere noch einmal ankurbeln könnte. Oder glaubt jemand, dass Gabby Rinne nach der Show plötzlich wieder gefragt ist? Wird Tanja Schumann zu Hause mehr machen als - wie im Lager - den ganzen Tag bedröppelt vor sich hin schauen? Und hat irgendwer in Deutschland Julian F.M. Stöckel vermisst?

Währenddessen schraubt der clevere Sänger und Parfümverkäufer schon an seiner Zukunft. Der einzige, der von "Ich bin ein Star" profitiert, wird der Wendler sein: Er hat sich wieder ins Gespräch gebracht. Wenn zum nächsten Konzert in Iserlohn 500 statt 200 Zuschauer kommen, hat es sich schon gelohnt. Lenin kam nur bis Lüdenscheid - aber Wendlers Tournee wird hier noch lange nicht zuende sein. Und wenn in Castrop-Rauxel ein neuer Baumarkt eröffnet, wird vielleicht der Wendler gebucht - und nicht irgendein Ex-DSDS-Teilnehmer. Alles richtig gemacht. Applaus!

Sorry, Dinslaken! Da hatten sich die Bewohner auf 14 Wendler-freie Tage eingestellt - und nun das: Der "DJ der Herzen" (Zietlow) kehrt vorzeitig aus dem Dschungel auf seine Ranch zurück. "Den wahren Micha", wollte er den Fernsehzuschauern zeigen. Sein mieses Image gründlich aufpolieren. Endlich Sympathieträger sein. Doch statt als stolzer Cowboy, der den Widrigkeiten der australischen Wildnis trotzt und sich durch Heldentaten von seinen Mitstreitern abhebt, kommt Michael Wendler als gebrochener Mann nach Hause.

Der Wendler hat versagt. Nur ganze vier Tage hielt er in der RTL-Show "Ich bin ein Star, holt mich hier raus", durch, ehe er freiwillig die Segel strich. Begründung: Er habe "Lagerkoller", wolle endlich wieder ein "saftiges Steak" essen. Fast so, als habe er seinen Ausflug in den australischen Dschungel mit einem Aufenthalt im Club Med verwechselt.

Dabei wusste er von vornherein, was in der Show auf ihn zukommt, war auf dem richtigen Weg. Die erste Prüfung, bei der Wendler antreten musste, meisterte er mit Bravour. Der 41-Jährige überraschte ganz Deutschland damit, dass er freiwillig fermentierte Eier verspeiste und keine Angst vor Ekel-Prüfungen hatte. Hätte er da weiter gemacht, hätte er sich nicht nur den Respekt seiner Dschungelmitbewohner erkämpft, sondern auch die Gunst der Fernsehzuschauer.

Andere Kandidaten haben es vorgemacht. Ob Ross Antony, Peer Kusmagk oder Joey Heindle - sie alle sind in der Show über sich hinaus gewachsen, haben sich von Zero to Hero durch die Prüfungen gekämpft und wurden am Ende mit der Dschungelkrone belohnt. Der Beginn manch einer neuen Karriere. Für den Wendler geht's stattdessen zurück in Großraumdiscos nach Iserlohn und Castrop-Rauxel.

Was bleibt von vier Tagen Dschungel? Erinnerungen an den Wendler im Slip, an sein Parfüm, mit dem Larissa Insekten vertreibt, und an anbiederndes Geschwätz. "Ich habe euch echt alle total lieb gewonnen und es waren wunderschöne Tage", redete er sich seine Teilnahme schön. Seinen Bekanntheitsgrad mag der Wendler gesteigert haben. Doch ganz Deutschland weiß nun: Singen kann er nicht, er riecht schlecht und Eier hat er auch keine. Erbärmlicher könnte das Fazit seines Dschungelabenteuers nicht ausfallen. Armes Dinslaken.