Nockalmstrasse Für Männer und für Memmen

Auf der Alm gibts koa Sünd
Auf der Alm gibts koa Sünd
© Gernot Kramper
Im Sommer gemütlich, im Herbst verschärft. Wenn sich auf anderen Pässen noch die Fahrzeug-Schlangen drängen, sagen sich auf der Nockalmstrasse Porsche und Igel "Gute Nacht".
Von Gernot Kramper

Wenn man etwas erleben will, muss man sich manchmal in die Büsche schlagen. Also runter von der Autobahn. Auf dem weg nach Spittal heißt es an der Kremsbrücke "Schluss mit der Gemütlichkeit". Über die Ortschaften Vorderkrems und Innerkrems fräst sich der Wagen über unzählige Kurven in die Nockberge. Nach den Siedlungen mäandert die Straße fordernd an einem Bach - das kleine, aber feine Skigebiet kann man für den Winter vormerken. Am Wegesrad wartet die Dr. Josef Mehrlhütte dunkel geschindelt mit rot-weißen Fensterläden. Das spätere Nachtquartier. Der Wagen will fahren und der Tag ist noch jung. Bei der ersten Abfahrt über den Ort "Bundschuh", wird es Zeit langsam wach zu werden, die Kurven sind scharf, erstmals drückt der Wagen aus der Ideallinie. Gottverlassen bleibt die Strecke, bis sie auf die "95" stößt. An guten Tagen erwischt man eine freie Fahrt, an schlechten schiebt man sich zur Turracherhöhe hinauf. Homo homine lupo - den Autofahrer ist der Autofahrer ein Gräuel. Nach der Höhe runterrauschen und Augen auf. Wenige Kilometer später geht’s es links in die Nockalmstrasse, dem Ziel unserer Sehnsüchte.

Beifahrer sollten für den kommenden Teil möglichst im Hotel entsorgt worden sein, sonst darf der Fahrer Wutausbrüche und Trennungsschwüre über sich ergehen lassen. Bislang war die Strecke fordernd genug, die Reifen sind warm und der Wagen sollte Gummi und Abrieb schwitzen. Nur der Schlagbaum trennt uns noch vom Glück. Ein Segen, denn die happige Maut hält die Mitmenschen fern. Gummijunkies und Suizidgefährdete greifen zur Mehrtageskarte.

Timing ist alles

Es gibt Zeiten für Softies und Zeiten für Hard-Core-Piloten. Nette Menschen fühlen sich wohl in der warmen Jahreszeit. Cruisen gemütlich die unendlichen Kurven hinauf, nehmen sich Zeit für einen Spaziergang am Rand oder kehren am höchsten Punkt ein zu Kaffee und Kuchen. Wenn Wille und Material für härtere Gangarten gemacht wurden, gilt es, Wander-Wonnen-Zeiten strikt zu vermeiden. Umgeben von Reisebussen kann auch der Entschlossenste nicht wirklich loslassen. In der Hochsaison muss man mit Bussen, Wandervögeln und Radfahrern rechnen - das sind allesamt schützenswerte Arten. Nur im Frühling und im Herbst ist die Schonzeit vorbei. Die Warmduscher bleiben im Bett und nur ganz Verrückte sind bereit, die Maut fürs Auto fahren zu bezahlen. Durchgangsverkehr gibt es sowieso nicht, die Nockalmstrasse führt für teuer Geld von nirgends nach nirgendwo. Der fahrerische Drang stößt im Herbst also nur an natürliche Grenzen, an Abgründe, Felsen und Bäume. Stoische Zeitgenossen, die sich auch vor viel PS nicht ängstigen.

Passendes Ambiente
Passendes Ambiente
© Gernot Kramper

Wetter tunt den Belag

Die Straße ist neu, breit genug um auch Gegenverkehr zu tolerieren, eine Herzenslust. Unsere Jahreszeit schärft den Belag gewaltig an. Heißer Sonnenschein auf einer Geraden, Bodenfrost im Forst, da zeigt sich was man kann. Hoffentlich kann. Vorausgesetzt man hat das richtige Fahrzeug dabei. Sparfüchse in der Hundert-PS-Klasse sollten lieber das Sommerwetter mitnehmen , der Kurs verlangt Leistung und will diesen nicht zu knapp spüren. Wer nach einer Überquerung nicht genug hat, sollte keine Angst vor Peinlichkeiten haben und die Strecke nach etwa 15 Kilometern wieder zurück nehmen. Oben auf der Höhe wartet ein Lokal mit grandioser Aussicht.

Uriger Hüttenzauber

Nachdem das solide Tagwerk am Steuer vollbracht ist, durchquert man den Schlagbaum. Hält sich rechts. Wer gehobene Entspannung sucht, sollte in einem Wellnesshotel in Richtung Turracherhöhe unterkommen. Kerniger geht es in der Dr. Josef Mehrlhütte zu, wenn sie dann geöffnet hat. Rauchen muss draußen, wer es nicht lassen kann, aber es gibt Bier am Tresen.

Ein wunderbarer Tag mit nur einer Gefahr: Immer an die Tankanzeige denken, wer auf der Nockalmstrasse liegen bleibt, sollte seine Wanderschuhe dabei haben.


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