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Diablo Cody: Vom Strip-Club an den Sunset Strip

Sie war Oben-ohne-Tänzerin, jetzt gewann sie einen Drehbuch-Oscar. Die Hollywood-Rebellin Diablo Cody will unbedingt Spaß. Feministisch, versteht sich. Ist jetzt Schluss mit braven Mäuschen im Kino?

Von Christine Kruttschnitt

Sie bog den Oberkörper nach hinten, tätschelte ihren nackten Busen und starrte auf ihre Reflexion in der Deckenlampe. "Es war wie im Film, dekadent, fast absurd, mich so zu sehen", schreibt Diablo Cody über ihre Erfahrungen als "untypische Stripperin". Sie saß auf dem Schoß eines ihr unbekannten Mannes im Nachtklub "Schieks" in Minnesota - sie war 24 Jahre alt, katholisch, Tochter einer Buchhalterin und eines Beamten. Und hingerissen von ihrem eigenen Anblick.

"Was für ein sexy Luder", bewertet sie staunend ihr Spiegelbild im Leuchter. "Ich hab mich nur an meinen Tattoos erkannt." Die konnte man auch außerhalb gewisser Etablissements bewundern, als Diablo Cody Ende Februar auf Hollywoods ehrpusseligster Party einen Oscar in Empfang nahm. Sie zeigte auf dem roten Teppich Bein und auf der Bühne dann Tränen der Rührung; Ersteres erstaunlich geschmackvoll für eine Frau, deren "Künstlername" an der Stripper-Stange einst "Bonbon" gelautet hatte, Letzteres verblüffend für einen Hollywood-Neuling, dem ein Ruf von juveniler Kaltschnäuzigkeit vorauseilt. Die mittlerweile 29-Jährige bekam den Preis für ihr kluges Drehbuch zur Komödie "Juno" (deutscher Kinostart: 20. März), die von einer Teenager-Schwangerschaft handelt und "damit im Prinzip so ist wie meine Zeit als Stripperin: etwas, das viele für tragisch halten, dem ich aber Humor abringen konnte".

"Juno"

Brook Busey heißt das fleischgewordene Hollywood-Märchen mit wahrem Namen: eine hübsche Person mit nachtschwarz gefärbten Haaren, die sich mit ihrem dito nachtschwarzen Witz aus Minneapolis, "der Stadt, die niemals erwacht", ins Zentrum der von ihr so geliebten Film- und Popkultur katapultiert hat. "Juno" ist das erste Drehbuch, an dem sie sich je versucht hat, und gleich der Hauptgewinn: ein rau-charmantes Lustspiel um eine Schülerin, die furztrockene Sprüche klopft und als eine Art Anti-Meg-Ryan hoffen lässt, dass in ihrem Fahrwasser wieder Kinoheldinnen reüssieren, die was anderes im Kopf haben als Sorgen ums Dellengewebe und den Mann, der nicht anruft.

Zeitgenössische Film-Lovestorys um diese "neurotischen Weiber, die immer nur heiraten wollen", findet Diablo Cody zum Erbrechen. Sie sei Feministin, ruft sie fröhlich - was ihr einerseits eine Menge neuer Drehbuchaufträge eingebracht hat (in Hollywood scheint der Gedanke neu zu sein) und andererseits ihre Lebensgeschichte noch ein bisschen schillernder macht. Denn auf ihre "solide feministische Sozialisation" habe sie erst mal "gepisst", schreibt sie, als sie durch Minneapolis’ Sexshops stöberte, um sich für die Stripper- Laufbahn auszustaffieren.

Die Memoiren von "Candygirl"

Sie besorgt sich eine Federboa, zwölf Zentimeter hohe Stilettos und einen "dicken, grabschfesten String-Tanga", alles zusammen eine Investition von 45 Dollar - "als ich den Laden verließ, fühlte ich mich wie eine Nutte. Es war der beste Tag meines Lebens". Die Memoiren von "Candygirl" erschienen 2006 - da war Diablo Cody schon eine Internet-Berühmtheit, weil sie ihre Erfahrungen in Minnesotas Rotlichtviertel auf ihrem Blog "The Pussy Ranch" ausgebreitet hatte; den Titel der Webseite verweigern viele US-Zeitungen, weil er zu anzüglich ist: "Pussy" gleich "Muschi". Dort berichtete sie von ihrem ersten Auftritt als Oben-ohne-Tänzerin ("Es fühlte sich bizarr an, schließlich war ich ein Mädchen, das immer nur im Dunkeln vögelte") und gab Tipps für Anfängerinnen ("Die schlechtesten Pseudonyme für Stripperinnen: Chlamydia, Placenta und Fatwa"). Diablo Codys Erzählstil ist eine Mischung aus brüsker Offenheit und unwiderstehlichem Witz - sie beschreibt ihre Zeit auf Männer Männerschößen und vor feuchten Peepshow-Kabinen als Abenteuer, auf das sie sich nur einließ, weil bis dato alles so ordentlich gelaufen war in ihrem Leben.

"Es war eine Flucht", sagt sie achselzuckend. "Flucht vor Normalität. Anständigkeit. Privilegien." Sie arbeitete damals lustlos als Sekretärin in einer Werbeagentur, als ihr auf dem Nachhauseweg eine Anzeige auffiel für einen "Talentwettbewerb". Irgendwie faszinierte sie die Aussicht, bei der "Amateur Night" im Strip-Club mitzumachen: Als wäre das hip, aufregend, anders. Ihr damaliger Freund und späterer Ehemann - heute ist das Paar geschieden - unterstützte den frivolen Plan, es musste Geld ins Haus. In einer Talkshow erklärte sie später, sie habe aus "anthropologischen Gründen" gestrippt, so wie andere ein Jahr lang ohne Fleisch oder nach der Bibel leben. Es sei "Spaß" gewesen. Tatsächlich?

"Das Leben ist komisch"

"Nicht immer", gibt sie zu. "Es gab Tage, da konnte ich nicht glauben, dass ich jetzt nackt vor einem absolut widerwärtigen Mann stehe, aber ich habe mir gesagt: Wow, ist das absurd. Das Leben ist komisch." Sie entwickelte einen eigentümlichen Stolz darauf, bei "bed dances" - sie lag nackt auf vollständig angezogenen Männern und simulierte Geschlechtsverkehr - den Höhepunkt der Kundschaft durch Druckverlagerung hinauszuzögern ("Meine Eltern wären entsetzt, wenn sie wüssten, wozu neun Jahre Ballettunterricht gut sind"). Die Entkleidungsnummern, sagt sie, "waren meine letzte Chance, mich zu verweigern. Ich wollte mir selbst eine Höllenangst einjagen".

Denn im Grunde, beharrt sie, sei sie ein Nerd. Ein Computer-Junkie, der am liebsten mit seinen Freunden Videospiele macht und stundenlang fernsieht. Sie wäre gern, sagt sie und grinst, wieder so topfit wie zu Stripper-Zeiten. Superbauchmuskeln, tolles Körpergefühl. Aber noch mal zurück an die Stange, nein danke. Bei ihrem letzten Auftritt ist sie den Pfosten hochgeklettert, "hing dran wie eine nackte Fledermaus und winkte in den Raum. Aus dieser Perspektive wirkte alles fast normal". Zeit also, in etwas Neues zu flüchten. Und bis die Perspektive gefunden ist, aus der Hollywood ganz normal aussieht, hat Diablo Cody wohl noch jede Menge Spaß.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(