Diane Krüger Hollywood-Export mit Bodenhaftung


Jeans, Stiefel und kein Make-up - beim Interview in einer Pariser Szene-Bar strozt Diane Krüger vor Selbstbewusstsein. Statt Glamour und Party bevorzugt der deutsche Hollywood-Star das Kochen im Landhaus.

Würden Sie wie im Film Ihr Leben aufs Spiel setzen, um Ihrer großen Liebe nahe sein zu können?

Da bin ich mir nicht so sicher! (lacht)

Hoffentlich hört Ihr Mann Guillaume das nicht!

Anna Sörensen hätte wirklich alles in der Welt getan, um ihren Nikolaus wieder zu finden und bei ihm sein zu können. Und es war darstellerisch wunderschön, jemanden zu spielen, der so bedingungslos liebt. Aber ich weiß nicht, ob ich einem Mann bis in den Krieg folgen würde, nur weil ich ihn liebe.

Das wird ja immer unromantischer: "Nur", weil Sie ihn lieben...

Frauen haben doch heute ihr eigenes Leben und ihre Karriere. Das hat natürlich auch Negativauswirkungen. Denn die traditionelle Mann-Frau-Beziehung gibt es ohnehin nicht mehr. Nehmen Sie meine Großeltern als Beispiel. Das gäbe es heute gar nicht mehr: Wenn mein Opa sagt: "Jetzt gehen wir links herum", dann folgt meine Großmutter ihm dorthin. Wenn sie etwas durchsetzen will, dann tut sie das auf Umwegen. Aber dafür sind die beiden seit 60 Jahren verheiratet.

Und Sie selbst?

Seit 2001.

Na bitte, das spricht doch für die großmütterlichen Gene und ist auch für heutige Beziehungsverhältnisse schon ausdauernd!

Während dieser Zeit war ich ja auch anderthalb Jahre in den USA und nicht in Frankreich: Erst für den Dreh von "Troja" und dann für "Das Vermächtnis der Tempelritter".

Dann ist also wenig Kontakt das Patentrezept für eine glückliche Beziehung?

Das würde ich nicht sagen! Wir haben zwar beide unsere Appartements in Paris behalten, aber wir besitzen eine gemeinsame Wochenendwohnung. Und wenn ich zu Hause in Frankreich bin, dann bin ich auch mit Guillaume zusammen. Arbeite ich aber in den USA, dann telefonieren wir jeden Tag, weil es eben nicht anders geht. Ich hänge übrigens auch mit meiner besten Freundin täglich an der Strippe.

Und wie sieht es bei all der Karriere mit Familie und Kindern aus?

Die gibt es bestimmt irgendwann. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das kein Thema. Da bin ich realistisch: Für Schauspielerinnen dauert die Karriere bis Ende 30. Danach werden die Rollen schnell weniger. Vielleicht habe ich dann ja auch gar keine Lust mehr, vor der Kamera zu stehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das alles aufzugeben.

Sie gaben auch das Modeln für die Schauspielerei auf. Was haben Sie denn aus diesem Job an Erfahrungen mitgenommen?

Was guter Stil bedeutet, welche Klamotten an mir gut aussehen und dass Glyzerin schlecht für die Haut ist.

Wie bitte?

Ich hatte früher nie Hautprobleme. Glyzerin wird bei Foto-Shootings oft benutzt, um der Haut eine Art feuchten Glanz zu verleihen. Aber es lässt die Poren nicht atmen. Seitdem vertrage ich nur noch eine parfumfreie, allergiegetestete Creme.

Wir hätten jetzt Ernährungs- statt Kosmetiktipps erwartet...

So etwas wie: Esst drei Salatblätter pro Tag, aber ja nicht mehr? (lacht) Da sind Sie bei mir an der falschen Adresse. Ich koche für mein Leben gerne.

Was stand zuletzt auf Ihrem Herd?

Ein Gemüseratatouille mit viel Knoblauch und Kräutern. Ich gebe aber zu, dass ich meine Kochleidenschaft erst vor relativ kurzer Zeit entdeckt habe.

Wobei denn?

Mein Mann und ich haben uns ein Landhaus bei Paris gekauft. Mangels Geschäften in der Nähe war dort der Kühlschrank immer leer, und wir mussten Pizza bestellen oder essen gehen. Schließlich hat uns das Fertigessen angeödet, und wir haben eingekauft. Seitdem wird gekocht, was das Zeug hält!

Das Gespräch führte Kerstin Borner

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