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Die Palins: Bristol läuft der Mum den Rang ab

Sarah Palin hat sich als Darling von Amerikas Konservativen etabliert, da rückt ihre Tochter Bristol nach und macht der Mum vor 20 Millionen Zuschauern Konkurrenz. Der Palin-Hype sorgt dafür, dass beim Tanzwettbewerb "Dancing with the Stars" nicht die Besten gewinnen - sondern immer nur Bristol. Demokratische Amerikaner sind genervt.

Von Ulrike von Bülow, New York

Die Sängerin Brandy lächelte tapfer, als sie am späten Dienstagabend in der Talkshow von Jimmy Kimmel erschien. Sie trug ein kleines Schwarzes mit silbernen Tupfern und sagte, dass es ihr ganz prima ginge und sie an sich glaube: "Ich bereue nichts", sprach Brandy. Sie war nur leider gerade bei "Dancing with the Stars" ausgeschieden, der amerikanischen Version von "Let’s Dance", bei der Prominente um die Wette tanzen, und Jimmy Kimmel fand, "dass es ein Verbrechen war, was da geschehen ist, nicht wahr?", fragte der Moderator. Und da stellte die gute Brandy für eine Sekunde ihr Lächeln ein. "Das stimmt", sagte sie.

Brandy, die Ende der Neunziger Jahre mit dem Song "The Boy Is Mine" berühmt wurde, ist eine hübsche, schlanke Frau, die weiß, wie man sich bewegt. Sie und ihr Partner, ein smarter Russe namens Maksim Chmerkovskiy, waren über Wochen von den Juroren bestens bewertet worden. Doch letztlich entscheidet das Publikum – und so wurde Brandy "ein Opfer von Hurricane Bristol", wie Jimmy Kimmel es ausdrückte. Sprich: Sie unterlag Bristol Palin, der etwas pausbäckigen Tochter von Sarah Palin, die ins Finale der Show stürmte – und derzeit Amerikas Medienlandschaft beschäftigt, fast mehr noch als ihre Mutter.

Zwar hat die junge Palin im Laufe der Show durchaus Tanzfähigkeiten entwickelt, doch verglichen mit Brandy ist Bristol dann doch eher Wasilla als Hollywood. Glamour jedenfalls strahlt nur eine von beiden aus, und das ist nicht Bristol. Doch die Palins wissen, wie man republikanische Wähler mobilisiert - auch bei Tanz-Shows. Das führte dazu, "dass weit bessere Tänzer ihre Koffer packen mussten", wie die "Washington Post" bemerkte, und gerecht sei das ja nun nicht. Zudem erzeugt die Palin-Tochter bei Demokratisch denkenden Zuschauern mitunter absurde Reaktionen: "Dancing with the Stars" wird live gesendet, und als nun verkündet wurde, dass nicht Brandy einen Runde weiter sei sondern Bristol, griff in Wisconsin ein Mann zu seiner Schrotflinte und schoss seinen Fernseher kaputt. Anschließend bedrohte er seine Frau, die aber entkommen konnte.

Gegenbewegung fehlt

Im Chat-Room der Show geht es nicht ganz so dramatisch zu, doch seit Wochen schon beschweren sich dort Leute, dass sie "nicht wieder einschalten" würden, wenn "dieses Bristol-Gewähle" weiterginge. Aber damit ist zu rechnen, denn die konservativen Webseiten etwa, die Mutter Palins Karriere unterstützen, haben prima Anweisungen parat, wie man am besten und am meisten Stimmen für Bristol abgibt – per Anruf, SMS und im Internet, bitte hübsch gleichzeitig. Und dann heißt es "Glückwunsch, Bristol!", so steht es etwa bei www.conservatives4palin.com.

Eine Gegenbewegung gibt es bislang nicht – die Demokraten verteilten ihre Stimmen auf alle anderen Paare, die gegen Bristol Palin und ihren Partner Mark Ballas antraten – anstatt sich auf ein Paar zu konzentrieren, dass dem republikanisch unterstützten Duo hätte Konkurrenz machen können. Im Finale treffen Palin und Ballas in der kommenden Woche auf die Schauspielerin Jennifer Grey und deren Partner sowie den Teenie-Star Kyle Massey samt Partnerin. Und wenn alles läuft wie bisher, gewinnen am Ende Miss Palin und Mister Ballas.

So oder so: Für Bristol ist die Show ein Riesenerfolg, der ihrer Meinung nach aber natürlich gar nichts mit Politik zu tun hat: "Nichts gegen meine Konkurrenten", sagte sie kürzlich. "Aber die Leute mögen mich, weil sie spüren, dass ich eine von ihnen bin. Und kein Star." Aber das ist nicht ganz korrekt, denn Bristol ist dabei, ihrer Mutter den Rang als Nummer eins der Palin-Frauen abzulaufen. Am vergangenen Sonntag lief "Sarah Palin’s Alaska" an, eine Reality-Serie, in der Sarah Palin durch ihre Heimat führt. Die erste Folge hatte fünf Millionen Zuschauer, das war für "TLC", einen eher kleinen Kabelsender, der die Show zeigt, gar nicht einmal schlecht. Das ist aber nichts verglichen mit den Einschaltquoten von "Dancing with the Stars": Der Tanzwettbewerb läuft bei "ABC", einem der großen Networks, und lockt im Schnitt gut 20 Millionen Menschen vor die Fernseher.