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Dresscode gegen Rechtsradikalismus: Polizeichef setzt Modelabels auf den Index

Tim Mälzer trägt sie, auch Fettes Brot und Silbermond: Kleidung von Ben Sherman. Zivilbeamten der Berliner Polizei ist dies ab sofort untersagt. Der Polizeipräsident hat zehn Marken auf einen Index gesetzt, weil diese häufig von Rechtsradikalen getragen würden. Einige Hersteller reagierten mit Entsetzen.

Von Jens Maier

Wenn im April der neue Flagshipstore der britischen Designer-Marke Ben Sherman in Berlin-Mitte eröffnet, sollten Zivilfahnder der Berliner Polizei sich beim Einkaufsbummel zurückhalten. Ihr Dienstherr, Polizeipräsident Dieter Glietsch, hat das Tragen dieser Marke im Dienst untersagt. In einer internen Dienstanweisung benennt er zehn Labels, die für Zivilbeamte ab sofort tabu sind. Die Begründung für die ungewöhnliche Maßnahme ist, dass diese Marken besonders häufig von Rechtsextremen getragen würden. Ein Hersteller hat bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Es sei untersagt, die Kleidung der Marken ACAB, Alpha Industries, Consdaple, Ben Sherman, Lonsdale, Pit Bull, Outlaw, Troublemaker, Fred Perry und Thor Steinar im Dienst zu tragen, heißt es in der Kleiderordnung. Den Polizeibeamten werden bei Zuwiderhandlung sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht. "Bei einem Verstoß gegen diese Anweisung ist grundsätzlich die Einleitung eines arbeitsrechtlichen Abmahn- beziehungsweise Disziplinarverfahrens geboten", heißt es in der Anweisung wörtlich.

"Diese Kleidung wird bevorzugt in der rechten Szene getragen", begründete ein Sprecher der Berliner Polizei die Maßnahme. Dies hätten Statistiken des Landeskriminalamtes gezeigt. Deshalb wolle sich die Berliner Polizei von diesen Marken distanzieren. "Für die Behörde ist es in höchstem Maße schädigend, wenn Dienstkräfte auch nur den Anschein erwecken, mit rechtsextremistischem Gedankengut zu sympathisieren", sagte der Sprecher.

Empörung bei Ben Sherman

Bei Hersteller Ben Sherman reagierte man empört auf die Entscheidung der Berliner Polizei. Europa-Geschäftsführer Ricardo Meyer sagte, er kämpfe seit langem vehement gegen eine Zuordnung der Marke zur rechten Szene. Nach seinem Eintritt ins Unternehmen 2005 habe er beispielsweise sofort die Distribution der Produkte auf zweifelhaften Internetseiten unterbunden. Er hoffe nicht, dass das Image der Marke durch eine "Einordnung in uns nicht betreffende gesellschaftliche Strukturen" diskreditiert werde.

Tatsächlich tauchen auf der Verbotsliste des Polizeipräsidenten mit Ben Sherman, Fred Perry und Londsdale auch Marken auf, die sich ausdrücklich von rechtsextremem Gedankengut distanziert haben. Der Berliner Polizei ist das allerdings egal: "Wie sich der Hersteller selbst verhält, war für uns unerheblich. Ausschlaggebend war, welche Kleidungsstücke von Rechtsextremen bevorzugt getragen werden", sagte ein Polizeisprecher zu stern.de.

Dresscode wird scharf kritisiert

Tim Mälzer, Fernsehkoch und Werbeträger von Ben Sherman, kann diese Begründung nicht nachvollziehen: "Nur weil irgendwelche Dumpfbacken irgendwann mal Milch getrunken haben, streiche ich sie nicht von meinem Speiseplan", wird er auf der Homepage von Bern Sherman zitiert. Auch innerhalb der Polizei hagelt es Kritik: "Bald bin ich auch ein Rechtsradikaler, wenn ich im Juni in Berlin zum Morrissey-Konzert gehe, nur weil der Fred-Perry-Hemden trägt", sagte ein Polizist, der nicht namentlich genannt werden möchte, zu stern.de. In ähnlicher Weise äußerte sich Peter Trapp, Vorsitzender des Polizeiarbeitskreises der CDU: "Ich frage mich, wie diese Anweisung erweitert werden soll, wenn Rechtsextremisten in einem Jahr beispielsweise Adidas, Puma oder Nike tragen?", sagte er der Zeitung "Berliner Morgenpost".

Bis dahin könnte der Erlass der Polizeipräsidenten bereits Vergangenheit sein. Die Firma Ben Sherman prüft derzeit rechtliche Schritte gegen den Dresscode der Berliner Polizei.