Fall Nadja Benaissa Michael Stich schwingt die Moralkeule


Michael Stich findet das angebliche Verhalten von No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa "moralisch schlecht". Noch vor Klärung der Schuldfrage hat sich der Ex-Tennisprofi und Aidsaktivist jetzt zu dem Fall zu Wort gemeldet.
Von Jens Maier

Das Telefon steht bei der Aids-Hilfe und bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit vergangenem Dienstag nicht mehr still. Mehr Anrufer als sonst informieren sich über die Gefahren einer HIV-Infektion und mögliche Ansteckungswege. Der Grund für den Ansturm sind die Medienberichte über Nadja Benaissa. Eine Aufmerksamkeit auf das Thema HIV, über die sich der Ex-Tennisprofi und Aids-Aktivist Michael Stich nicht freuen will.

"Es macht mich eher traurig, dass die Medien erst jetzt wieder über dieses wichtige und ernste Thema berichten. Nur weil es einen sogenannten 'Promi' getroffen hat. Genau wegen dieser Kultur des Schweigens, ist ein solcher Fall in diesem Land überhaupt möglich!", sagte Stich der Zeitung "Welt am Sonntag" laut einem Vorab-Bericht von "Welt Online". Nadja Benaissa sitzt seit einer Woche in Untersuchungshaft, weil sie einen Mann beim ungeschützten Sex mit HIV angesteckt haben soll, obwohl sie von ihrer Infektion wusste.

Nach Experten-Einschätzung nutzt der Fall der Aids-Prävention. "Die Tradition zeigt, dass immer dann, wenn eine HIV-Infektion von berühmten Menschen oder Personen des öffentlichen Lebens wie Rock Hudson oder Freddie Mercury bekannt wird, das Thema wieder stärker in den Vordergrund rückt", sagte eine Sprecherin der BZgA. "Die abstrakte Gefahr konkretisiert sich plötzlich."

Gleichzeitig kritisierte Stich das angebliche Verhalten Benaissas. Unter dem Vorbehalt, dass die Vorwürfe stimmten, sagte er der Zeitung: "Wenn jemand weiß, dass er mit HIV infiziert ist und bewusst das Risiko in Kauf nimmt, andere mit dieser schrecklichen Krankheit anzustecken, ist das moralisch schlecht. Rechtlich mag und kann ich die Situation nicht bewerten." Dennoch wolle er nicht, dass die Sängerin an den Pranger gestellt werde.

Michael Stich war von 1992 bis 2003 mit der Schauspielerin Jessica Stockmann verheiratet, deren Ex-Freund Michael Westphal, ebenfalls Tennisprofi, 1991 an Aids verstorben war. Stich setzt sich seit 1994 mit der Michael-Stich-Stiftung für HIV-infizierte, HIV-betroffene und an AIDS erkrankte Kinder ein. Für sein Engagement wurde er 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

mit DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker