VG-Wort Pixel

"The Mole" "Ich habe gute Menschenkenntnis", sagt Udo – und fliegt raus

Die Kandidaten aus der ersten Staffel der neuen Sat.1-Show "The Mole" (Der Maulwurf)
Die Kandidaten Aaron (l-r), Colleen, Udo, Samara, Martin, Jessica, Paula, Yves, Wolfgang, Silvia aus der ersten Staffel der neuen Sat.1-Show "The Mole" (Der Maulwurf)
© Philipp Rathmer/Sat.1 / DPA
"The Mole – wem kannst du trauen?" feiert seine Sat.1-Premiere. Der Stapellauf mit unterirdischem Small Talk, Lama-Lassos und Brücken-Baumeln gerät über weite Strecken zäh, der Cliffhanger dagegen hat fast Filmformat.
Von Ingo Scheel

Um "The Mole", den Maulwurf, soll es sich ab sofort auf Sat.1 drehen, die Anzahl der Folgen zum Start noch unklar. Das Show-Format als solches ist bereits 1998 unter dem Namen "De Mol" zum ersten Mal in Belgien gelaufen. Neben vielen anderen Ländern versuchte sich kurz danach mit ProSieben auch ein deutscher Sender an einer Adaption. Zunächst von Michael Stich, anschließend von Steven Gätjen moderiert, brachte es "Der Maulwurf" immerhin auf zwei Staffeln, fast 20 Jahre danach nun ein neuer Anlauf, der Schauplatz diesmal: Argentinien.

Mit dem universell einsetzbaren BossHoss-Duo Sascha Vollmer und Alec Völkel wurde die Moderationsbaustelle natürlich adäquat besetzt. Zwar hat man einen Moment lang das Gefühl, einer der beiden ist zur Willkommensansage kurz davor "…bei 'The Voice'" zu sagen, sonst aber passt hier alles. Die dick beringten Freizeit-Cowboys mit dem Django-Gang, das Setting als Mix zwischen Karl-May-Festspielen und jenen Orten, an denen in Serien wie "Breaking Bad" gern Drogen gekocht oder durchlöcherte Leichen verbuddelt werden. 

Die Kandidaten werden mit Rätselaufgaben konfrontiert

Es passt, dass es zum Auftakt zwischen Kakteen und geschmackvoll drapierten Büffelschädeln genau dorthin geht, unter die Erde nämlich, in kärglich ausgeleuchtete Särge, darin die zehn Kandidaten: Aaron, der Germanist, O-Ton: "Meine Kiste ist offen". Samara, die Zirkusartistin, die "niemals aufgibt", und zwei Stunden danach heulend unter einer Brücke baumelt. Rentner Wolfgang, der später gebasht wird, weil er es mit den Ohren hat – oder vielleicht gar "The Mole" ist – denn das ist, neben all den Abenteuerspielchen zwischen Escape Room, Schnitzeljagd und Dschungelprüfung, die Hauptaufgabe der Kandidaten: Den einen Falschspieler, den Maulwurf, die Maulwürfin, zu identifizieren.

Martin ist Profisportler und tut alles, um sein Ziel zu erreichen. Yves legt Wert auf Ehrlichkeit, hat aber Schwierigkeiten mit Leuten, "wo er gar nicht kennt". Silvia ist Erzieherin, Paula eine Influencerin, die sich qua Sweatshirt-Aufdruck als "Ready For Success" outet. Udo ist Trucker und hat passenderweise Angst in engen Räumen. Colleen studiert Psychologie, Jessica ist Servicekraft und sagt schon mal Dinge wie "Leck mich am Hodensack".

Ihre Aufgabe: über diverse Rätselaufgaben den Code des Schlosses zu knacken, um dem Sarg zu entkommen. Eine Stunde ist dafür Zeit, der Lohn sind einige Tausend Euro, wie viel genau, wird nicht so ganz klar. Paarweise ist über Funk Verständigung möglich, das funzt mal besser, mal schlechter, mal gar nicht.  Am Ende stehen die Exhumierten tatsächlich mit beiden Beinen wieder auf der Erde, aber der Weg dorthin ist dornig. So telegen die Wüstenkulisse sein mag, unterm Strich hört man Leuten, die keiner kennt – und in dieser ersten halben Stunde mangels ausreichender Sarg-Latüchten keiner sehen kann – bei wirren Kennenlern-Spielchen, Rätselraten und gepflegter Desorientierung zu. File under Grabesstimmung. 

Lamas einfangen und von einer Brücke baumeln

Frei nach der Devise "Mit Tieren ist immer gut", kommt im Anschluss etwas mehr Leben in die Bude. Die Maulwurfsforscher bekommen an Tag 2 einen Kompaktkurs in Lasso-Kunde und müssen danach, unter den Augen der völlig desillusionierten Original-Gauchos, mit verschiedenen Geldbeträgen dotierte Lamas einfangen. Immerhin 2150 Euro sind der Lohn für die Mühe, am dritten Tag dann das Motto: Zusammen abhängen. Von einer Brücke über dem Fluss ohne Wiederkehr baumeln die zehn Konkurrentinnen und Konkurrenten an Seilen herab, ganz klar wird die Herausforderung auch hier nicht sofort. Es geht wohl darum, dass sich alle trauen sollen, ins Wasser zu springen – erst dann gibt es Zaster. Am offenkundigsten sind die Verständigungsprobleme bei Wolfgang, der irgendwann einfach seine Reißleine zieht, und damit dem gesamten Team die Finanzen versaut. Besonders hart ist das für Samara, die behauptet, eine Zirkusartistin zu sein, mit Wasser und Höhe jedoch gar nicht klarkommt, und nur unter Protest und Tränenkrampf schließlich in die Fluten springt. 

Barbara Salesch ist die wohl bekannteste TV-Richterin der Bundesrepublik.  Ab 1999 verhandelt die ehemalige Hamburger Richterin in der nach ihr benannten Gerichtsshow "Richterin Barbara Salesch" in über 2100 Episoden 2356 Fälle.  2012 zieht sie sich auf eigenen Wunsch aus dem Fernsehen zurück.  Doch was macht die Kult-Richterin mit den markanten roten Haaren eigentlich seit dem Ende ihrer TV-Karriere?  Barbara Salesch betätigt sich nach ihrer Zeit beim Fernsehen als Künstlerin.  "Meine künstlerischen Arbeiten zeichnen Farbe, Form, Kraft und Bewegung aus. Wenn ich meine, etwas ist fertig, kommt es für einen Monat zur Kontrolle in meine Wohnung. Wenn mich in der Zeit nichts daran stört, dann passt es. Sonst geht es zurück ins Atelier." – Barbara Salesch ggü. der DPA  Salesch lebt im ostwestfälischen Petershagen. Ihr 7500-Quadratmeter-Grundstück hat ein Atelier und mehrere Werkstätten.  Zusätzlich zu ihrer Arbeit an Drucken und Holzschnitten unterrichtet Salesch Kinder in Kunst. Laut eigener Aussage fehlen ihr der Gerichtssaal und die TV-Show nicht.  "Bei mir hängt nicht mal mehr eine Robe im Schrank." – Barbara Salesch, stern-Interview 2014
Mehr

Das Geheimnis um Yves

Zum finalen Abendmahl bei Lampions und Rotwein gilt es schließlich, einen ersten Kandidaten zu kicken. Über einen Fragebogen sind die Vermutungen über den potenziellen Maulwurf abgeklopft worden, der oder die Ahnungsloseste soll mit Rauswurf bestraft werden. Die alte Regel: Wer im Einspieler zu breitbrustig tönt, den erwischt’s. Und siehe da – kurz nachdem Udo noch von seiner Menschenkenntnis schwärmt, heißt es für ihn bereits: Gute Heimreise.

Fazit der Chose: viel Leerlauf, einiges an landschaftlicher Atmo, zwei Moderatoren im Dienst nach Vorschrift und das so übel-übliche Andicken von Showgeschehen mit ausuferndem Tratsch-Talk und engagiertem Intrigieren. Erst als ganz am Schluss der schöne Yves mit einem anonymen Anruf von der Tafel weggelockt wird, in einer beinah cineastischen Schlusseinstellung seine Koffer auf die Ladefläche eines Pick-up-Trucks hievt und in die Nacht davonbraust, dämmert der Gedanke: Vielleicht sollte man das nächste Mal doch wieder einschalten.

rw

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker