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FRANZ BECKENBAUER: Ehe vor dem Aus

»Fußball-Kaiser« Franz Beckenbauer hat sich von seiner Frau getrennt. Der Entschluss sei in »fairem und freundschaftlichen Einvernehmen« gefallen, erklärt der Präsident des FC Bayern München.

Franz Beckenbauer gilt als Glückskind: Was immer der »Kaiser« in seinem Leben anpackte, er tat es mit Erfolg - zumindest im Fußball. Privat durchlebt der 56-jährige gebürtige Münchner dagegen in diesem Sommer wieder einmal einige Turbulenzen. Nur wenige Tage nach dem Tod seines langjährigen Managers und Freundes Robert Schwan hat Beckenbauer am Donnerstag offiziell einen Schlussstrich unter die seit längerem kriselnde Ehe mit seiner zweiten Frau Sybille gezogen, die er im April 1990 geheiratet hatte.

Nur die besten Freunde wussten es

»Ich muss mein Leben völlig neu ordnen. Ob es gelingt, weiß ich nicht«, hatte Beckenbauer erst am vergangenen Montag im Bayerischen Fernsehen während eines Interviews gesagt. Die Antwort galt der Frage, wie er den Verlust von Schwan verkrafte, der am 13. Juli im Alter von 80 Jahren an Herzversagen gestorben war. Dass Beckenbauer so schnell und so einschneidend mit der Neuordnung seines Lebens beginnen würde, wussten in diesem Moment wohl nur seine besten Freunde. Noch bei der Beerdigung Schwans am vergangenen Mittwoch in Kitzbühel hatte Sybille Beckenbauer, geborene Weimer, neben ihrem Mann am Grab des ehemaligen Managers des FC Bayern München gestanden.

Nur mit Medikamenten

Schwans Tod und der Entschluss, »nach reiflicher und langer Überlegung« die Trennung von seiner Frau zu vollziehen, haben Beckenbauer offenbar schwer zugesetzt. »Solche Momente kann man eigentlich nur überstehen mit Medikamenten, die einen ein bisschen beruhigen«, verriet er in dem Fernseh-Interview. Und er gab darüber hinaus zu: »Ich war nicht daran gewöhnt, zu entscheiden.«

Gegen Sybille und für Noel Maximilian

Jetzt entschied er sich - nach langem Hin und Her - doch gegen Sybille und für Noel Maximilian, seinen knapp zwei Jahre alten Sohn aus einem Seitensprung mit einer früheren Sekretärin des FC Bayern, dessen Präsident er seit 1994 ist. Es sei sein Wunsch, sich mehr als bisher um seinen vierten Sohn kümmern zu können.

Krise im Jahr 2000

Als die Gerüchte um das uneheliche Kind im November 2000 an die Öffentlichkeit gelangt waren, gestand der im Umgang mit den Medien bewährte Beckenbauer die Vaterschaft umgehend öffentlich ein. Doch den gemeinsamen Lebensweg mit Sybille wollte er seinerzeit nicht aufgeben. »Unsere Ehe ist stark, und wir werden zusammen bleiben«, verkündete er damals.

Beruflich läuft alles gradlinig

Privat hat Beckenbauers Leben seit dem ersten unehelichen Kind im Alter von 18 Jahren manche überraschende Wendung genommen. Seine sportliche und berufliche Karriere dagegen verläuft seit seinem Wechsel zum FC Bayern im Alter von 19 Jahren absolut zielstrebig. Ob als Spieler, Trainer oder Funktionär - immer war der Erfolg der Begleiter des im österreichischen Kitzbühel lebenden Millionärs.

Höhepunkt in seiner Laufbahn

Er wurde als Spieler (1974) und Teamchef der Nationalmannschaft (1990) Weltmeister. Und vor zwei Jahren gelang ihm das sportpolitische Kunststück, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu holen. »Eine WM im eigenen Land organisieren zu dürfen, ist das Nonplusultra. Das ist der absolute Höhepunkt in meiner Laufbahn«, sagte der Präsident des deutschen Organisationskomitees nach dem erfolgreichen Zuschlag durch den Internationalen Fußball-Verband (FIFA) im Juli 2000 in Zürich.

Nachfolger als FIFA-Prösident?

Auch wenn er Ambitionen beharrlich verneint, sehen viele in Beckenbauer bereits heute den designierten Nachfolger des Schweizers Joseph Blatter im Amt des FIFA-Präsidenten, des höchsten Funktionärs im Weltfußball. Die Wahl findet 2006 beim FIFA-Kongress vor Beginn der WM-Endrunde in Deutschland statt - Beckenbauer wäre dann 60.

Soziales Engagement sebstver

Der Kosmopolit Beckenbauer (»Ich bin ein Mann ohne feste Berufsbezeichnung«) weiß um seine Popularität. Er genießt sie und er weiß sie zu nutzen. Aber nicht nur für sich selbst. Er nutzte sie unter anderem 1982 zur Gründung einer nach ihm benannten Stiftung, die kranke, behinderte und hilfsbedürftige Menschen unterstützt.

Zweitjob: Werbung

Der Hobby-Golfer ist ein gefragter Werbepartner, der mit seinen Spots unter anderem für die Post und Handys Millionen verdient. In seinem ersten Werbespot löffelte er vor 36 Jahren als junger Sportler noch einen Teller Suppe. Heute dagegen könnte er es sich nicht mehr vorstellen, »für Suppen zu werben«. Das braucht der »Kaiser« auch nicht, denn weltweit bemühen sich Konzerne um eine Partnerschaft mit ihm. In seiner unnachahmlichen Art tut er die Werbeaktivitäten, die eine immense Einnahmequelle darstellen, ab: »Ach, die Werbesachen, die macht man so nebenbei.« Das Geld kann er bei zwei gescheiterten Ehen und einem kleinen unehelichen Sohn gleichwohl gut gebrauchen.