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Geburtstag: Der "Durchschnitt aller Deutschen" wird 50

Er spaltet die Nation: Dieter Bohlen, Provinzproll und Hitlieferant, wird 50. Und die "Ein-Mann-Show" aus Tötensen geht weiter.

Dieter Bohlen löst Emotionen aus. Seit Deutschlands erfolgreichster Pop-Produzent mit seiner Autobiografie die Bestsellerlisten stürmte und mit der RTL-"Superstar"-Show einen Quoten-Hit landete, spaltet er die Nation. Kaum jemand konnte sich dem Trubel um die schillernde Ein-Mann-Show aus Tötensen bei Hamburg entziehen. Bohlen erwies sich als Marketing- Genie, das sich Aufmerksamkeit zu sichern wusste: Die einen fanden sein Ausplaudern von Indiskretionen peinlich, den anderen gefiel seine Selbstinszenierung. Die Rechnung des Diplomkaufmanns, der an diesem Samstag 50 Jahre alt wird, ging auf.

"Bohlen ist 08/15. Ich bin der Durchschnitt aller Deutschen", hat er einmal über sich gesagt. Auf seine Erfolge trifft dies wohl kaum zu. Als Modern Talking feierte der Musiker mit Thomas Anders in den 80er Jahren Chartplatzierungen weltweit. Der dunkel- und langhaarige Anders als Sänger, sein blonder Bühnen-Partner als Komponist und Produzent mit weniger stimmlichen Qualitäten: "Ich habe persönlich immer gesagt, ich fühle mich wirklich nicht als größter Sänger", schreibt Bohlen in seinem zweiten Buch "Hinter den Kulissen".

"Bitte hören Sie auf, uns ihre Songs zu schicken"

Seine Versuche, sich selbst als Sänger zu profilieren, scheiterten. Hartnäckig bewarb sich der Sohn eines Bauunternehmers aus Oldenburg in Niedersachsen nach seinem Betriebswirtschaftsstudium bei Plattenfirmen. "Irgendwann bekam ich einen Brief von der BMG: 'Lieber Herr Bohlen, bitte hören Sie auf, uns ihre Songs zu schicken. Das hält keiner aus.'", erzählte er einmal dem stern. Am nächsten Tag schickte er wieder Songs. Inzwischen produziert Bohlen für die Firma und hat vielen Sängern Hits verschafft. Rund 500 Goldene Schallplatten, 50 Platin-Schallplatten und Preise wie Bambi oder Echo krönen sein Werk.

Der Boulevardpresse lieferte der Multi-Millionär immer wieder Stoff für Geschichten. Und dann brachte er 2002 mit "Nichts als die Wahrheit" seine Autobiografie auf den Markt: Gemeinsam mit Katja Keßler, Klatsch-Kolumnistin und Ehefrau von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, verriet der Neu-Autor unter anderem amouröse Details über Ex-Freundin "Naddel" oder Kurzzeit-Ehefrau Verona Feldbusch. Mit täglichen Schlagzeilen in der "Bild" rührte Bohlen die Werbetrommel. "Das alles schafft nur ein starker Wille. Der macht einen Bodybuilder zum Gouverneur und kleine Jungs aus Oldenburg zum Bestsellerautor."

"...und plötzlich haben ihn alle lieb"

Literaturkritiker, Medienexperten sowie Zeitgeistforscher diskutierten fortan über das "Phänomen Bohlen". Und der Medienprofi selbst, der über sich nun Schlagzeilen wie "...und plötzlich haben ihn alle lieb" lesen durfte, gab sich in Interviews verwundert: "So richtig kapiere ich immer noch nicht, weshalb mich jetzt plötzlich alle mögen. Aber von vielen Sachen lasse ich jetzt die Finger", kündigte der zweifach Geschiedene und dreifache Vater an, der seine fast 30 Jahre jüngere Freundin Estefania heiraten will.

Für die Vermarktung seines zweiten Buches im vergangenen Jahr unterdessen fuhr das Autoren-Gespann noch härtere Geschütze auf. Bohlen pöbelte und verspottete Prominente aus dem Showbiz. Noch vor der Veröffentlichung hagelte es einstweilige Verfügungen. Dafür gibt er sich in der zweiten Auflage der "Superstar"-Show, die wieder an Bohlens Geburtstag ansteht, zumeist friedlicher. Doch das nächste Werk kommt spätestens im Herbst: "Dieter - der Film".