HOME

Georg Gänswein: Der George Clooney des Vatikans

Der Privatsekretär des Papstes, Georg Gänswein, gilt als "schönster Mann im Talar". Mit seinem Sinn für Mode berät er nicht nur Benedikt XVI. bei der Kleiderwahl, sondern inspirierte auch Donatella Versace zu einer Kollektion. Nur mit einem Geständnis in Sachen Liebe erzürnte er die Kurie.

Von Luisa Brandl, Rom

Schönheit ist keine Sünde, kann aber im Vatikan zum Problem werden. Weil er allzu sehr mit seinen Reizen kokettierte, zog Papstsekretär Georg Gänswein Neid und Missgunst auf sich. Der Publikumsschwarm und Medienliebling, so wird gemunkelt, entfachte hinter den Vatikanmauern einen unterschwelligen Machtkampf, der ihm beinahe sein Amt gekostet haben soll.

Der Schöne an der Seite Benedikts ist das Traumbild eines Priesters: Gardemaß, graumeliert und gertenschlank. Der 51-Jährige wirkt in seinem schwarzen Talar mit leuchtend roter Seidenschärpe und Manschetten zum blütenweißen Hemd als hätte man ihn in Hollywoods gecastet. Als der neu gewählte deutsche Papst damals seinen Antrittsbesuch beim italienischen Staatspräsidenten machte, geriet die Präsidentengattin in Verzückung über Don Giorgio. Seither lieben ihn die Medien. Er sei der "George Clooney im Vatikan" und "faszinierender als Hugh Grant", wie Italiens oberster Klatschreporter Roberto Agostino feststellte. Selbst die seriöse Schweizer Weltwoche nannte ihn den "unbestritten schönsten Mann im Talar, der je im Vatikan zu sehen war".

"Ich kann zwar nicht heiraten, aber ich kenne die Liebe"

Die ganze Welt bestaunte auf Paparazzibildern seine durchtrainierten Oberschenkel in Shorts auf dem Tennisplatz. Den jüngsten Skandal lieferte Pater Gänswein kurz vor Weihnachten. Da druckte das Klatschblatt "Visto" einen Artikel mit Studio-Porträts des Geistlichen unter dem Titel "Ich kann zwar nicht heiraten, aber ich kenne die Liebe." Die römische Kurie rümpfte pikiert die Nase. Sofort kursierten Gerüchte, man wolle den anstößigen Pater loswerden und auf den Bischofsstuhl in München wegloben. Der Pontifex blieb jedoch gelassen und mahnte seinen Schützling zur Zurückhaltung. Schluss mit den mondänen Auftritten. Einzige Ausnahmen: der monatliche Besuch beim Barbier in der römischen Gasse Borgo Pio zum Nachfärben der Haare und einige Skiausflüge inkognito in die nahe gelegenen Berge des Apennin.

Das muss eine Strafe sein für einen, der als Junge über die Pisten des Hochschwarzwaldes bretterte. "Schorsch" sollte als Ältester die Schmiede seines Vaters im südbadischen Dorf Riedern übernehmen. Doch außer Skifahren, Tennis und Fußball, hatte Georg noch anderes im Sinn. Er war ein talentierter Schüler an einer Jesuitenschule, erhielt 1984 die Priesterweihe und studierte kanonisches Recht in München. Er schloss mit einer Promotion ab, die heute als Standardwerk gilt. Nach einem Jahr als Domvikar im Bistum Freiburg kam der Ruf nach Rom. Erst in die Sakramentskongregation, bis der damalige Kardinal Joseph Ratzinger ihn als Sekretär in seine Glaubenskongregation holte.

WG vier Nonnen

Gänswein hatte sich wohl kaum ausgemalt, dass er an Ratzingers Seite zum Ersten Privatsekretär des Papstes aufsteigen würde. Laut Gerüchten neidet es ihm Bischof Josef Clemens, der frühere Sekretär Ratzingers, bis heute. Nun lebt Gänswein Tür an Tür mit Benedikt und dem zweiten Sekretär sowie vier Nonnen in einer WG in den oberen Stockwerken des Apostolischen Palasts. Er geht stets einen Schritt hinter dem Pontifex, reicht ihm das Redemanuskript, richtet das Mikrophon und hält die Papstbrille bereit. Sein Hauptjob ist es aber, aus der Flut von Briefen, Anrufen, Anfragen, Audienzgesuchen das Wichtige herauszufiltern und Ratzinger den Rücken freizuhalten.

Dass er den Papst auch in Modefragen beraten hat, bestreitet Gänswein nicht. So soll das sportliche Outfit Seiner Heiligkeit mit weißer Steppjacke und Baseballmütze eine Innovation Pater Georgs sein. Sein Einfluss im Styling geht aber weit über den Klerus hinaus. Die Modeschöpferin Donatella Versace hat eine Herrenkollektion auf den Laufsteg geschickt, zu der sie sich nach eigenem Bekunden von Don Giorgio hat inspirieren lassen. Das Motto: weniger Muskel, mehr Spiritualität.