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Gespräch Wayne & Howard Carpendale: Beide bevorzugen Blondinen

Schmusebarde Howard Carpendale und sein Schauspieler-Sohn Wayne haben ein freundschaftliches Vater-Sohn-Verhältnis. In einem Generations-Gespräch plaudern sie angeregt über Rebellion, Traumberufe, politischen Tiefgang, gegenseitigen Respekt - bis eine Blondine vorbei geht.

Wayne Carpendale: Wenn ich das Markanteste an unserer Vater-Sohn-Beziehung beschreiben muss, würde ich sagen: die Entspanntheit untereinander. Rebellion aus Prinzip war mir eher fremd. Ich musste nie rebellieren, weil: wogegen? Meine Eltern haben mir beigebracht, dass es nicht darum geht mit oder gegen den Strom, sondern seinen eigenen Weg zu gehen.

Howard Carpendale

: Deine Generation war ohnehin nie besonders rebellisch. Unsere Babyboomer-Generation hat nach dem Krieg alles umgeschmissen, alles neu gemacht. Das zu toppen war eigentlich nie möglich – außer man geht weiter, was dann schnell zu weit ist, weil es am Ende oft in Gewalt mündet. Ihr wurdet in unsere Welt geboren und mochtet unsere Musik, unsere Lebensstile...

Wayne Carpendale

: Was sich auch darin äußert, dass wir uns eher freundschaftlich betrachten.

Howard Carpendale

: Meine Generation hat die Grenzen des Jungseins bzw. des Altwerdens immer wieder hinausgezögert. Deine Generation hat sich sehr stark damit identifiziert. Dein Bruder Cass ist Teil einer neuen Generation - bei der ich merke, die will mit allem, was vor ihr war, wenig zu tun haben.

Wayne Carpendale

: Meine Generation hat viel bewegt. Am Aufbau neuer Telekommunikationstechnologien und der Gestaltung des Internets, ohne dass heute die Welt zusammenbrechen würde, sind wir zum Beispiel maßgeblich mitbeteiligt. Ich finde diese Zeit, in der wir leben, unheimlich spannend, aber trotzdem haben wir wohl nicht so stark versucht, uns durch Rebellion zu definieren, deshalb wahrscheinlich auch diese ganzen Retro-Trends in den letzten Jahren. Wir mussten uns eben nicht zwingend emanzipieren. Ihr habt als Eltern nicht so viele Vorlagen dafür geliefert. Ihr wart verständnisvoll. Es wäre unsinnig gewesen, auf Rebell zu machen.

Howard Carpendale: Ich denke, wir haben unser Bestes gegeben. Ich meine, ich und deine Mutter haben dir immer ein Zuhause gegeben, ohne dass wir zusammen lebten. Und wir haben es sogar beinahe geschafft, unsere Trennung ganz aus den Medien rauszuhalten.

Wayne Carpendale

: Ja, der ganze Öffentlichkeitsrummel ist in meiner Kindheit sehr überschaubar geblieben. Es gab Kinderfotos von mir in Zeitungen, aber wir wurden nie an die Medien verkauft, wie das heute so oft bei Prominenten passiert. Dass du kein normaler Vater bist, sondern eben berühmt, habe ich erst in der Schule mitbekommen, leider negativ, weil ich damit aufgezogen wurde. Sonst wars einfach aufregend, bei deinen Shows hinter der Bühne zu stehen, das Künstlerleben auf Tourneen mitzubekommen und mitzuerleben, wie aus einem Konzept auf einem Blatt Papier eine lebendige Show wurde, die die Menschen begeistert.

Howard Carpendale: Ich habe mir immer Mühe gegeben, dir klar zu machen, dass es nur ein Beruf ist, was ich da mache.

Wayne Carpendale

: Ich habe gesehen, dass du hart arbeitest, insofern war das klar. Wir bewerten auch heute die Arbeit des anderen sehr kritisch. Ich sehe das genauso: Ich mache als Schauspieler meinen Beruf, der eben die Öffentlichkeit als Teilaspekt hat... (stockt und schaut seinen Vater an) Was ist mit dir? Wo schaust du denn hin?

Howard Carpendale

: Entschuldigung, aber diese blonde Frau da, ich dachte...

Wayne Carpendale

: (schmunzelt), Du schaust jetzt tatsächlich während des Gespräches jungen Mädchen hinterher, unglaublich...

Howard Carpendale

: Ha! Du hast doch auch geguckt! Na ja, wir hatten eben immer den gleichen Geschmack bei Frauen... (lacht). Aber zurück zum Thema: Ich bin sehr froh, dass du irgendwann selbst die Entscheidung getroffen hast, nach England zur Schule zu gehen. Es hat nicht nur deine Leistungen, sondern dich selbst sehr verändert - und zwar positiv. Da wurde ein Mann aus Dir, der Sport entdeckte, mit dem man anders reden konnte. Ich bin der Meinung, deutsche Schulkinder verpassen sehr viel im Vergleich zu...

Wayne Carpendale

: ...Kindern in angelsächsischen Ländern mit der sportlichen Konkurrenz und der großartigen Schultraditionen. Ich habe Schuluniformen immer was Gutes abgewinnen können: Wenn man zum Beispiel den Mädchen auffallen wollte, musste man sich was anderes einfallen lassen, als mit teuren Klamotten anzugeben.

Howard Carpendale

: Was mich am meisten gefreut hat ist, dass du damals selbst auf die Idee gekommen bist, aufs englische Internat zu gehen.

Wayne Carpendale

: Ja, ja (lacht), wir hatten nicht viele Konfliktthemen.

Howard Carpendale

: Außer beim Alkohol, wo ich eben immer strikt dagegen war. Ich finde es unfassbar, wie unsere Gesellschaft damit umgeht und es den Kindern auch noch schmackhaft macht. Darüber haben wir schon mal gestritten.

Wayne Carpendale

: Grundsätzlich stimme ich dir ja zu. Aber Alkohol zu verbieten, würde meiner Meinung nach das Problem verschärfen und das Ganze nur noch attraktiver machen. Davon abgesehen, hast du auch mal gern einen Longdrink getrunken, bloß hast du das immer in Maßen gemacht.

Howard Carpendale

: Okay, aber man muss den Alkohol in der Werbung nicht so glorifizieren.

Wayne Carpendale: Wir haben auch unsere Reibereien aufgrund der unterschiedlichen Lebensmittelpunkte. Vieles, was du in Amerika durch die, sagen wir, eher gefilterten Medien wahrnimmst, sehe ich eben völlig anders. Da geraten wir ziemlich oft in Diskussionen, gerade über Politik. Aber im Beruflichen und Privaten sind wir meist einer Meinung und das ist ja schon mal Einiges.

Howard Carpendale

: Ich habe dir das immer selbst überlassen, was du machst. Ich finde, es gibt nur etwa zehn Traumberufe, und wir haben beide jeweils einen davon abbekommen. Wichtig ist mir, dass der Name Carpendale in Deutschland für Authentizität steht und dazu trägst du auch bei. Es ist authentisch, was du machst.

Wayne Carpendale

: Ich habe es nicht anders von Mom und dir gelernt.

Howard Carpendale

: Ich werde dir etwas verraten: Natürlich waren früher viele meiner Lieder sehr einfach und simpel. Weil die deutsche Musik damals so war. Glücklicherweise habe ich mich - immer "Das schöne Mädchen von Seite eins" im Rücken - stetig weiter nach vorne gewagt. Das war nicht einfach. Guten deutschen Schlager zu machen, ist hundertmal schwerer als Konstantin Wecker zu sein. Politische Texte mit Tiefgang - das geht schnell.

Wayne Carpendale

: Ich weiß jetzt nicht, ob das auch für mich gilt. Ich glaube nicht, dass es schwerer ist, einen Liebesfilm zu drehen als einen anspruchsvollen Autorenfilm, aber ich weiß, dass es auch nicht unbedingt immer leichter sein muss. Ach je, und du schaust schon wieder zu diesem Mädchen da drüben...

Howard Carpendale: Ach was, ich überlegte bloß, ob es diese Freundin von Schweinsteiger ist, wie heißt Sie? Sarah?

Wayne Carpendale

: Nein, das ist nicht Schweinis Sarah. Also: Ich wollte sagen, dass ich es ungerecht finde, dass viele Liebesfilme unendlich viel Erfolg haben und gut gemacht sind, aber trotzdem gering geschätzt werden. Wenn ich nun die Rolle des "Landarzt" übernehme, freue ich mich, weil es eine wirklich spannende Aufgabe ist. Soll ich rübergehen und das Mädchen fragen, ob sie Sarah heißt? (Beide lachen)

Howard Carpendale

: Keine Sorge, ich höre zu. Ich weiß, was du kannst und ich glaube, es braucht einfach auch Mut, gerade große Serienrollen wie den "Landarzt" neu zu gestalten.

Wayne Carpendale

: Und es gibt auch schon jetzt viele Dinge in den neuen Drehbüchern, wo ich den Produzenten anrufe und sage: Das ist mal was ganz anderes. Das gefällt mir!

Howard Carpendale

: Es gab bei uns einen interessanten Punkt. Ich stand, als du "Let's Dance" gewonnen hast, im Publikum und applaudierte und plötzlich fragte ich mich: Bist du eigentlich neidisch auf den? Diesen jungen, guten Typen, der da mit Charme und Energie rangegangen ist, und es auch noch gewonnen hat. Und ich bin jemand, der den größten Teil seiner Karriere schon hinter sich hat - und dann ist mir klar geworden: überhaupt nicht. Ich finde es einfach bloß Klasse.

Wayne Carpendale

: Dieses Freundschaftliche zwischen uns hat immer funktioniert. Rückblickend hätte mir in meiner Teenagerphase vielleicht ein autoritärerer Vater auch mal gut getan, aber es hat ja nicht geschadet. Man kann ja nicht sagen, am Tag X sind wir Freunde, nur am Tag Y machen wir auf Autoritätsverhältnis.

Howard Carpendale

: Ganz genau.

Wayne Carpendale

: Dabei war das natürlich nicht nur einfach, wenn man so oft mit "das ist der Sohn von" vorgestellt wurde. Aber auch diese Erfahrung war gut, weil ich lernte, zu unterscheiden, wer wirklich was von einem selber will und wer nur hinter dem Namen her ist oder den Zugang zum Vater will. Aber es gab ja kürzlich die Retourkutsche, als die AOL-Frau am Telefon fragte, ob du wirklich der Vater von diesem süßen Wayne seist. Da habe ich mich fast totgelacht.

Howard Carpendale

: Wir gehen doch damit sehr lustig um. Aber ich habe immer das Gefühl, die Menschen fühlen sich wohl, wenn die Carpendales zusammen aufkreuzen. Als ich bei meiner letzten Tournee dein Gesicht gesehen habe, da sah ich dich wieder, wie du acht warst und es auch schon geliebt hast, hinter der Bühne zu stehen.

Wayne Carpendale

: Als du diese Tour gemacht hast, die Arenen voll waren und keine Zeitung mehr auf die Idee kam, irgendetwas negativ zu schreiben, hast du mal wieder bewiesen, dass es Sinn macht, seinen Weg konsequent zu gehen.

Howard Carpendale

: Und dennoch locker zu bleiben. Ich freute mich über mich, als ich kürzlich an einer Rezeption im Hotel stand und die junge Rezeptionsdame mich nach meinem Namen fragte und dann auch noch wie man das schreibt. Und es mir völlig egal war.

Interview: David Baum