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Kein Urteil: Darum wird der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink erneut vertagt

Im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink fällt auch am Montag kein Urteil. Als Zeuge sagte der Mann aus dem Sexvideo aus. Bereits am Vormittag kam es zu einem Eklat, als Lohfink vor Gericht die Fassung verlor. Der Prozesstag im Überblick.

Gina-Lisa Lohfink mit ihren zwei Anwälten

Gina-Lisa Lohfink am Montagmorgen vor Gericht. Neben ihr ihre beiden Anwälte Christian Simonis (l.) und Burkhard Benecken

Tumultartige Szenen im Amtsgericht Berlin Tiergarten: Eigentlich sollte heute ein Urteil im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung fallen. Doch die Verhandlung musste schon kurz nach Beginn mehrfach unterbrochen werden. Eine zusätzlich beantragte Zeugin und die Vernehmung des Hauptbelastungszeugen Sebastian Castillo Pinto brachten den Prozesstag gehörig durcheinander. Frühestens am 22. August soll nun ein Urteil gegen die ehemalige "Germany's next Topmodel"-Kandidatin gefällt werden.


Bereits am Vormittag kam es zum Eklat, als das Sexvideo der fraglichen Nacht angeschaut werden sollte. Richterin Antje Ebner ließ das Video zur Beweissicherung vorführen und bat Staatsanwaltschaft, einen Sachverständigen und die Verteidigung hinter ihre Bank. Abgewandt vom Publikum und mit leisem Ton wurde das Video gestartet. Trotzdem war vernehmbar, wie Lohfink in dem Video immer wieder "Hör auf" sagt. Die 29-Jährige hielt sich die Ohren zu.

Lohfink verliert die Fassung

Zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung kam es zum Streit über eine Szene, bei der angeblich Schläge zu sehen sein sollen. Daraufhin wurde Lohfink von ihrem Anwalt Christian Simonis aufgefordert, ebenfalls hinter die Richterbank zu treten und sich das Video anzuschauen. Lohfink brach dabei in Tränen aus. "Das sieht man doch, dass ich das nicht wollte", sagte sie. Schließlich verlor sie völlig die Fassung. "Diese Schweine müssen die Schwänze abgeschnitten kriegen. Die müssen eingesperrt werden", schrie sie in den Saal.

Die Richterin ermahnte Lohfinks Anwälte scharf. "Sehen Sie nicht, dass Ihre Mandantin emotional überfordert ist? Warum müssen Sie Ihre Mandantin so vorführen?", fragte Ebner. Sie forderte Lohfinks Anwälte Simonis und Burkhard Benecken auf, ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihrer Mandantin nachzukommen. Dann wurde der Prozess vorübergehend unterbrochen.

Sebastian Castillo Pinto

Einer der beiden Männer aus dem Sexvideo: Sebastian Castillo Pinto am Montagmorgen am Berliner Amtsgerichten Tiergarten. Der 32-Jährige ist als Zeuge geladen.

Mann aus dem Sexvideo als Zeuge gehört

Nach mehrfachen Pausen wurde Sebastian Castillo Pinto als Zeuge vor Gericht gehört. Noch bevor der 33-Jährige den Gerichtssaal betrat, verließ Lohfink den Raum. Sie wurde von Freund Florian Wess nach draußen geführt, fuhr mit einem Taxi davon. 

Pinto ist einer der beiden Männer, die in der fraglichen Nacht Sex mit Gina-Lisa Lohfink hatten. Pinto tritt als Belastungszeuge auf. Er bezichtigte Lohfink vor Gericht der Lüge und behauptete, der Sex zwischen ihm und Lohfink sei einvernehmlich gewesen. Die "Hör auf, hör auf"-Rufe von Lohfink in dem Video hätten sich lediglich auf das Filmen bezogen, nicht auf den Sex. Sie habe nicht gewollt, dass er so nah mit der Kamera heran käme.

Pinto musste mehrfach für Zwischenrufe von Richterin Ebner ermahnt werden. Er wirkte aufgekratzt und fahrig. Nach einer Pause wurde er am Nachmittag von Lohfinks Anwälten ins Verhör genommen. Sie konfrontierten ihn mit der Aussage von drei Frauen, die ihn verschiedener Gewaltakte beschuldigen - darunter auch eine Vergewaltigung. "Ich habe mit 500 Frauen geschlafen, und sie bringen die drei hier an, die sich beschwert haben", konterte Pinto und bestritt sämtliche Anschuldigungen.


Verteidigung kündigt Überraschungszeugin an

Für den Nachmittag hatte die Verteidigung überraschend eine weitere Zeugin aufgerufen. Elena H. sollte über Belastungszeuge Sebastian Castillo Pinto aussagen. Die Frau habe 2004 Kontakt zu ihm gehabt haben und behauptet, von Pinto mit K.o.-Tropfen gefügig gemacht und vergewaltigt worden zu sein. Mangels Beweisen hatte sie damals auf eine Anzeige verzichtet. Sie gab an, Pinto habe noch weitere Mädchen bedroht.

Mit ihrer Aussage wurde die Glaubwürdigkeit Pintos weiter geschwächt werden.

Pinto war über Monate für die Justiz nicht auffindbar gewesen, ist erst seit dem 22. Juli wieder in Berlin gemeldet. Kurz vor dem heutigen Prozesstag meldete er sich dann in der vergangenen Woche in einem Interview mit dem Sat1-Frühstücksfernsehen zu Wort. 

Der Zeuge war Gästebetreuer in einem Berliner Club, in dem er auch Lohfink kennenlernte. Im Prozess wegen Vergewaltigung vor vier Jahren hatte er die Aussage verweigert, wurde freigesprochen. Wegen anderer Delikte ist Pinto vorbestraft.

Lohfink will nicht aufgeben

"Ich habe sehr große Angst vor dem Urteil am Montag", sagte Lohfink vor dem Prozess. Aufgeben will sie jedoch nicht. Sollte das Verfahren gegen sie nicht mit einer Einstellung oder einem Freispruch enden, wolle sie in Berufung gehen. "Ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter."

Der Prozess gegen die ehemalige "Germany's next Topmodel"-Kandidatin kam ins Rollen, nachdem Lohfink einen Strafbefehl über 24.000 Euro nicht akzeptiert hatte. Dieser wurde ihr von der Staatsanwaltschaft nach dem Vergewaltigungsprozess von 2012 zugestellt, bei dem die Männer aus dem Sexvideo freigesprochen worden waren. Der Vorwurf gegen Lohfink: falsche Verdächtigung. 

Der Prozess wird am 22. August fortgesetzt werden. Die Verteidigung hat vier weitere Zeugen aufgerufen. Darunter Lohfinks damalige Gynäkologin und eine Prostituierte, die mit Pardis F. verkehrte. Ein Urteil wird damit auch am 22. August eher unwahrscheinlich.

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mai/sal