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Fall Gina-Lisa Lohfink: Jetzt spricht der Mann aus dem Sexvideo

Einer der Männer, den Gina-Lisa Lohfink der Vergewaltigung bezichtigt, bricht sein Schweigen: Sebastian Castillo Pinto stellte sich einem Interview im Sat1-Frühstücksfernsehen. Was er über die Vorwürfe und die Sex-Nacht sagt.

Sebastian Castillo Pinto

Sebastian Castillo Pinto im Interview mit Sat1. Er ist einer der beiden Männer, die Gina-Lisa Lohfink der Vergewaltigung bezichtigt.

Am kommenden Montag steht Gina-Lisa Lohfink erneut vor Gericht. Der Prozess gegen sie wegen angeblicher falscher Verdächtigung sorgt seit Wochen für Aufmerksamkeit in den Medien und für eine Welle der Solidarität mit der ehemaligen "Germany's next Topmodel"-Kandidatin. Das Amtsgericht Berlin Tiergarten wird am Montag wahrscheinlich ein Urteil fällen. Sie ist angeklagt, die Unwahrheit über jene Nacht am 2. Juni 2012 ausgesagt zu haben, in der sie mit zwei Männern in einer Berliner Wohnung Sex hatte. Wurde sie vergewaltigt oder nicht? Sie behauptet ja, die beiden Männer nein. Wer lügt?

Zum ersten Mal meldet sich nun einer der Männer öffentlich zu Wort, die Gina-Lisa Lohfink der Vergewaltigung bezichtigt. Sebastian Castillo Pinto stellte sich einem Interview mit dem Sat1-Frühstücksfernsehen. Darin äußert er sich zu den Vorwürfen gegen ihn und zu dem Sexvideo der fraglichen Nacht, das im Internet kursiert. Das Gespräch wurde am Donnerstagabend in Berlin aufgezeichnet und wird am Montagmorgen im Fernsehen zu sehen sein. Einen kurzen Ausschnitt daraus zeigte der Sender bereits am Freitag.

Pinto bezichtigt Gina-Lisa Lohfink der Lüge

Pinto findet darin zunächst lobende Worte für Lohfink. "Ich finde es auch nicht schlecht, dass sie mit dem Sexualrecht so viel erreicht hat. Dafür muss man sie auch loben", sagte er in dem kurzen Ausschnitt. Er meint damit die Debatte um die Verschärfung des Sexualstrafrechts, die Gina-Lisa Lohfink mit ihrem Fall befeuert hat. Der Bundestag beschloss Anfang Juli eine Reform des Paragrafen 177. Künftig soll bei Vergewaltigungen und sexueller Nötigung der "Nein heißt Nein"-Grundsatz gelten.

Doch Pinto schränkte ein: "Das alles auf eine Lüge aufzubauen, ist eine Schande." Der 32-Jährige bleibt bei seiner Version der fraglichen Juni-Nacht. Das vollständige Interview wird erst am Montagmorgen veröffentlicht werden. Dem stern liegen Auszüge vor. Demnach behauptet Pinto weiterhin, der Sex sei einvernehmlich gewesen. Lohfinks "Hör auf", das in dem Video deutlich zu hören ist, habe sich lediglich auf das Filmen bezogen.

"Sie [Gina-Lisa Lohfink] ist gegen 5:30 Uhr nach dem Club damals bei mir klingeln gekommen, in meiner Privatwohnung. Es war von Anfang an so verständlich, als sie auch in der Wohnung war, dass wir einen schönen Abend dort haben und auch alle Sex haben werden. Es waren keine Drogen im Spiel und es hat auch keine Vergewaltigung stattgefunden", sagte Pinto zu Sat1.

Und der 33-Jährige geht noch weiter. Er bezichtigt Lohfink der Lüge. "Das war von vornherein klar, dass sie lügt. Sonst hätte die Staatsanwaltschaft sie ja nicht angeklagt", sagte er.


Pinto sieht sich als Opfer

Wie glaubwürdig die Aussagen Pintos sind, ist fraglich. Der Berliner Partyveranstalter arbeitete in einem Berliner Club als Gästebetreuer. Dort lernte er auch Gina-Lisa Lohfink kennen. Dass er mehrfach vorbestraft ist, war der Geschäftsführung des Clubs nicht bekannt.

Pinto sieht sich selbst als Opfer und beklagt sich über die hohen Prozesskosten, die er zu tragen habe. "Natürlich habe ich mein Ansehen und meinen Job verloren. Und natürlich die ganzen finanziellen Kosten, die damit jetzt verbunden sind, die werde ich die nächsten Jahre natürlich mit mir mit tragen. Ich musste die ganzen Anwälte bezahlen und bei solchen Sachen muss man ja in Vorkasse gehen.“ 

Der Vater einer Tochter ist seit 2015 verlobt. Für den Club arbeitet er nicht mehr. Auf seinem Facebook-Profil nennt er sich selbst "Jesus Christus" und gibt als sein Lieblingszitat "Only God can Judge Me" an. Unter der Marke "Prinz 27 Berlin" veranstaltet Pinto Partys in Berlin. Auf mehreren Facebook-Bildern ist er mit Prominenten zu sehen.

Gericht muss über die Glaubwürdigkeit der Zeugen entscheiden

Pinto ist am Montag als Zeuge im Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink wegen angeblicher falscher Verdächtigung vor Gericht geladen. Sehr wahrscheinlich, dass er seine Aussagen dort in gleicher Form wiederholen wird.

Am 27. Juni hatte bereits Pardis F., der andere Mann, der mit Lohfink in der fraglichen Nacht Sex hatte, im Prozess ausgesagt. Auch er behauptete, der Sex sei einvernehmlich gewesen. "Ich würde niemals was machen, was sie nicht will", sagte der Zeuge.

Am Ende wird das Gericht auch eine Entscheidung über die Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen fällen müssen. Es steht Aussage gegen Aussage. Das Sexvideo, in dem Lohfink mehrfach "Hör auf" sagt, könnte letztlich ausschlaggebend sein. 

Lohfink: "Ich kämpfe weiter"

Der Prozess kam ins Rollen, nachdem Lohfink einen Strafbefehl über 24.000 Euro nicht akzeptiert hatte. Dieser wurde ihr von der Staatsanwaltschaft nach dem Vergewaltigungsprozess von 2012 zugestellt. Der Vorwurf gegen Lohfink: falsche Verdächtigung. Vorausgegangen war eine Anzeige von ihr gegen die beiden Männer und eine Anklage gegen diese wegen Vergewaltigung. Lohfink behauptete, die Männer hätten sie mit K.o.-Tropfen gefügig gemacht und anschließend vergewaltigt. Da ein Gutachter im darauffolgenden Vergewaltigungsprozess jedoch keine Hinweise auf K.o.-Tropfen feststellte, wurden die beiden Männer freigesprochen. Aufgrund ihrer Zeugenaussage im Prozess ermittelte daraufhin die Staatsanwaltschaft gegen Lohfink und stellte den Strafbefehl aus.

"Ich habe sehr große Angst vor dem Urteil am Montag", sagte Lohfink im Sat1-Frühstücksfernsehen. Aufgeben will sie jedoch nicht. Sollte das Verfahren gegen sie nicht mit einer Einstellung oder einem Freispruch enden, wolle sie in Berufung gehen. "Ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter."