Großbritannien Zwei Harrys, ein Jack und die Queen


Ein Harry kam ins Museum, der andere in den Dreck. Am traditionellen Union-Jack-Day zeigt sich Britannia von seiner besten Seite - stolz und patriotisch.

Am denkwürdigen Union-Jack-Tag zeigten die Briten, wie meisterlich sie ihre Symbolfiguren für große Inszenierungen einzusetzen wissen. Fangen wir mit dem jüngeren Harry an: Harry Potter alias Daniel Radcliffe, 16, wurde an diesem denkwürdigen Mittwoch mit einem Bild in die National Portrait Gallery aufgenommen - als Inbegriff eines freundlich-friedlichen Teenagers. Hingegen gab der andere Harry den Martialischen: Prinz Harry, 21, Dritter in der britischen Thronfolge, mit einem SA80-Sturmgewehr im Kampfeinsatz. Das Gesicht zur Tarnung verschmiert. Mal mit Stahlhelm, mal mit dem Barett des Elite-Regiments "Blues and Royals", das zu den Gardetruppen Ihrer Majestät gehört.

Die Aufnahmen - sie entstanden bei einer Kampfübung auf Zypern - gab der Hof am selben Tag heraus. Anlass war die traditionelle Sovereign's Parade - der Aufmarsch von Absolventen der Militärakademie Sandhurst unweit von London. Seit 15 Jahren hatte die Queen daran nicht mehr teilgenommen. Dabei ist sie es, in deren Namen alle Sandhurst-Absolventen als Offiziere vereidigt werden.

Für ihren Enkel scheute Oma Queen keine Mühen

Für Enkel Harry aber war der Queen, die ganz in hellem Altrosa erschien, die Zeremonie nicht zu beschwerlich. Zumal sie Teil des perfekt inszenierten und sich über Wochen hinziehenden Programm zur Feier der Queen im Jahr ihres 80. Geburtstags (21. April) war.

Und dann noch die große besondere Symbolik dieses Tages: Vor 400 Jahren, am 12. April 1606, war ein Befehl der Obersten Marineführung an die Königliche Flotte ergangen, wonach alle Kriegsschiffe "oben auf dem Mast das rote Kreuz, bekannt als St. George-Kreuz, sowie damit zusammengefügt das weiße Kreuz, bekannt als St. Andrew-Kreuz, zu wehen haben" - die Geburtsstunde der Union Flag, besser und überall in der Welt bekannt als Union Jack.

Deutsche Besucher sind "neidisch"

"So viel Patriotismus und Nationalstolz macht deutsche Besucher nachdenklich, vielleicht auch etwas neidisch", sagt Claudia Mahler, eine Touristin aus Berlin. "Bei den Briten wirkt so was eben überhaupt nicht geschmacklos."

Fast vergessen sind inzwischen Harrys jüngste Eskapaden. Mit dem Besuch eines Striptease-Clubs hatte der Unterleutnant Prinz Henry von Wales am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt. "Die Jungs müssen ja mal die Sau rauslassen", war der einzige Kommentar, den sich dazu Sandhurst-Kommandeur Generalmajor Andrew Ritchie entlocken ließ.

Die Sache mit James Bond und der Schwimmweste

Ansonsten verwies der General darauf, wie glücklich sich Großbritannien schätzen dürfe, dass Prinz Harry mit gutem Beispiel voranginge. Dessen Entscheidung, künftig nicht bei den Wachsoldaten vor dem Buckingham-Palast mitzuspielen, sondern bei einer kämpfenden Truppe zu dienen, die auch im Irak oder Afghanistan eingesetzt werden kann, sei "rundum angemessen".

Damit steht Harry - genau wie Bruder William, 23, der zurzeit in Sandhurst noch "zurechtgeschliffen" wird - in einer royalen Tradition. Sie folgen dem Vorbild etlicher männlicher Mitglieder des Königshauses. "Es wäre ja wohl das Allerletzte", hatte Harry kürzlich zum Entzücken des Militärs erklärt, "wenn ich auf meinem Arsch sitzen bliebe, während meine Jungs draußen für unser Land kämpfen."

Nur einen Wermutstropfen gab es. Er war gelb und auf einem der offiziellen Militärfotos am Lauf des Sturmgewehrs von Harry während der ach so kriegerischen Übung auf Zypern zu erkennen: Der kleine Plastikaufsatz zeigte Kennern, dass da nur mit Platzpatronen geschossen wurde. Und das war für viele Briten fast so schlimm wie neulich Daniel Craig als James Bond beim Bootfahren mit Schwimmweste.

Thomas Burmeister/DPA DPA

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