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80. Geburtstag Wie der Tischler Harrison Ford durch Zufall zum "Star Wars"-Helden wurde

Harrison Ford 1977 in seiner Rolle als Weltraumschmuggler Han Solo in Star Wars
Harrison Ford 1977 in seiner Rolle als Weltraumschmuggler Han Solo in Star Wars
© -/ / Picture Alliance
Eigentlich galt Harrison Ford als Hollywood-untauglich. Dass er es an die Spitze schaffte, verdankt er seinem Mundwerk – und seinem Tischler-Beruf. Am 13. Juli wird er 80 Jahre alt.

Wenn Harrison Ford an diesem Mittwoch 80 Jahre alt wird, blickt einer der kommerziell erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods auf eine jahrzehntelange Karriere zurück. Mit seinen mehr als 60 Filmen verschiedenster Genres spielte er Milliardensummen ein.

Dabei war er in seinen Anfangsjahren in Hollywood sogar einmal von einem Studiomanager angeblafft worden, er werde es "niemals in diesem Business schaffen". Ford hat keine ausgeprägten Star-Qualitäten. Weder Aussehen noch Schauspielkünste des wortkargen Mimen sind außergewöhnlich. Fords Erfolgsgeheimnis ist vielmehr, dass er eine jahrelange Durststrecke in der Schauspielerei durchhielt und dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

Viele Fans kennen ihn aus "Star Wars" oder "Indiana Jones" – doch die Reihe seiner erfolgreichen Filme ist deutlich länger und umfasst auch Charakterrollen. Einen Oscar bekam er nie. Nur ein paar Nominierungen, das wars. Ford spielte vor allem in lustigen, unterhaltsamen Filmen mit. Wozu braucht man einen Oscar, wenn man auf der ganzen Welt Millionen von Fans hat?

Harrison Ford war viele Jahre der Prototyp des erfolglosen Schauspielers

Dieser Erfolg war in jungen Jahren lange nicht in Sicht. Als Harrison Ford, der am 13. Juli 1942 in Chicago geborenen wurde, 30 Jahre alt war, lag eine deprimierende Zeit mit mittelmäßigen Rollen in Hollywood hinter ihm. Schauspiel-Kurse an der Uni hatten ihn auf die Idee einer Filmkarriere gebracht, doch die kam einfach nicht in Schwung. Oft tauchte er nicht einmal im Abspann auf.

Besser ausgeprägt war sein Talent für die Tischlerei, dies brachte ihm nach etlichen erfolglosen Schauspiel-Jahren auch endlich genug Geld ein, um seine damalige Frau und die zwei Kinder zu versorgen.

Harrison Ford und seine dritte Ehefrau Schauspielerin Calista Flockhart bei einer Preisverleihung 2018
Harrison Ford und seine dritte Ehefrau Schauspielerin Calista Flockhart bei einer Preisverleihung 2018
© AMPAS / Picture Alliance

Dass er doch noch weltberühmt wurde, verdankte er einem Zufall: Auf einer Baustelle der Goldwyn-Studios traf der talentierte Tischler und kaum bekannte Schauspieler den Filmemacher George Lucas. Ford sagte später einmal, dass diese Begegnung die Quelle gewesen sei, "aus der meine ganze Karriere entsprang".

Filmemacher Lucas hatte aber wohl einen Riecher, dass dieser Harrison Ford mehr konnte als nur Bretter zusammenbauen: 1973 bekam Ford eine kleine Rolle in Lucas' zweitem Film "American Graffiti", einer Low-Budget-Produktion. Die zwei freundeten sich an, Lucas brachte Ford mit dem Regisseur Francis Ford Coppola zusammen, der Ford für den Thriller "Der Dialog" (1974) und später den Anti-Kriegsfilm "Apocalypse Now" (1979) engagierte.

Er äffte die "Star-Wars"-Bewerber nach – und bekam dann selbst die Rolle

Der große Durchbruch kam jedoch durch einen Zufall: Als Harrison Ford eine Bibliothek für Lucas tischlerte, machte er die Schauspieler nach, die für Lucas' Weltraum-Abenteuer "Krieg der Sterne" vorgesprochen hatten. Lucas war verblüfft: Nun hatte er seinen Han Solo, den zynischen Weltraum-Schmuggler im "Star Wars"-Abenteuer, gefunden. Ford wurde dadurch 1977 mit 35 Jahren zum Weltstar. "Es ist ein alberner Film, aber er ist wunderbar gemacht", sagte Ford einst der "New York Times".

Der Erfolg eröffnete Ford neue Möglichkeiten. Steven Spielberg engagierte ihn als Peitschen schwingenden Archäologen Indiana Jones in "Jäger des verlorenen Schatzes" (1981). Damit verkörperte einen neuen Typus des Actionhelden, der auch Schwächen zeigt – zum Beispiel Angst vor Schlangen.

Allein mit seinen großen Rollen Han Solo und Indiana Jones war Ford eine lange Zeit gut beschäftigt. 1980, 1983 und 2015 spielte er in drei weiteren "Star Wars"-Filmen mit. Bis 2008 machte er vier Indiana-Jones-Filme, kommendes Jahr soll noch eine Fortsetzung in die Kinos kommen. Eine Fortsetzung drehte Ford auch zu Ridley Scotts Kultfilm "Blade Runner": 2017 erschien "Blade Runner 2049" mit Ford und Ryan Gosling in den Hauptrollen.

Star-Rummel ist nicht Fords Ding. Den "Verlust der Anonymität" durch seine Film-Erfolge hat er als "Albtraum" bezeichnet. So weit wie möglich hat der Vater von fünf Kindern sein Privatleben stets abzuschotten versucht. Schlagzeilen machte allerdings die teure Scheidung von seiner zweiten Ehefrau, der Drehbuchautorin Melissa Mathison, und die Liaison mit der deutlich jüngeren Schauspielerin Calista Flockhart ("Ally McBeal"). 2002 lernten sie sich bei der Golden-Globe-Gala kennen, acht Jahre später heiratete das Paar. Sie haben einen erwachsenen Adoptivsohn und leben zeitweise auf einer Ranch in den Bergen von Wyoming.

Harrison Ford ist ein Fitness-Freak und Abenteurer

Zugleich ist Ford wie in vielen seiner Filme ein Abenteurer. Als Hobby-Flieger sorgte er wiederholt mit Flugunfällen für Schlagzeilen. Doch von Bruchlandungen hat sich der Schauspieler mit der markanten Narbe am Kinn, die von einem frühen Autounfall stammt, immer wieder erholt.

Mads Mikkelsen, einer seiner Co-Stars in "Indiana Jones 5", bescheinigte Ford kürzlich enorme körperliche Fitness. "Harrison ist ein Monster, ein sehr nettes Monster", sagte der Däne im April in einem Interview mit dem Filmblatt "Hollywood Reporter". Am ersten Drehtag, einem Nachtdreh, hätten sie bis fünf Uhr früh gearbeitet. "Und dann setzte er (Ford) sich auf sein Mountainbike und radelte 50 Kilometer", erzählte Mikkelsen. 

Ford ist dafür bekannt, dass er bei Dreharbeiten viele Stunts selbst ausführt. Bei Proben für eine Kampfszene hatte sich der Schauspieler im vorigen Juni eine Verletzung an der Schulter zugezogen. Doch bald schon stand er wieder vor der Kamera.

anb DPA AFP

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