VG-Wort Pixel

Heidi Klum im stern-Interview "Ich sehe in den Spiegel und bin zufrieden"


Heidi Klum wird 40 und spricht mit dem stern über Kritik und Konkurrenz. Und darüber, warum sie die Kandidatinnen in ihrer Model-Show auch künftig nicht verzuckern will.
Von Jochen Siemens

Es war morgens um neun Uhr in einem Hotelzimmer in New York. Heidi Klum war für zwei Tage in der Stadt. Nicht um fotografiert zu werden, nicht als Model sozusagen. Sondern als Frau des Business, einen ganzen Nachmittag hatte sie mit den Managern von "Babies 'R' Us" über ihre Kollektion verhandelt, andere Termine warteten noch, am nächsten Morgen um sechs Uhr ging der Flug zurück nach Los Angeles.

Eigentlich sollte es ein Gespräch mit Heidi Klum über ihren baldigen 40. Geburtstag werden, ein Gespräch über das Älterwerden, über die vorläufige Bilanz des Lebens und die genutzten und verpassten Chancen. Ein Gespräch, das jeder der 40 wird, mit Melancholie und vielleicht einem Seufzer untermalen würde.

Heidi Klum nicht, das Thema 40 war nach fünf Minuten erledigt. "Wenn man sich selbst nicht gefällt, denkt man vielleicht: Mist, 40, ab jetzt geht alles den Bach runter. Aber so denke ich nicht." Sie sei "zufrieden, wenn ich den Spiegel sehe". Wenn sie sich auf alten und neuen Fotos vergleiche, sei sie "erwachsener geworden, mit Falten und allem Drum und Dran".

Da sollte kein Bauch sein

Das eigentliche Gespräch über eine Frau mit 40 Jahren nutzt Klum für einen ungewohnt klaren und kritischen Blick auf die junge Generation von Mädchen, die sich in ihrer Show "Germany's Next Topmodel" bewerben, um so etwas wie Heidi Klum zu werden. "Wenn ich nicht die Wahrheit sage, kann ich ihnen auch nicht helfen. (...) Wenn sie vier Donuts die Woche essen und zu viel Brot und Kuchen und wenn ihr Körper darunter leidet und auch ihre Haut, dann muss ich ihnen sagen, dass es nicht der richtige Job ist." Auch könne sie "nicht immer daran erinnern, den Bauch einzuziehen. Es sollte eigentlich keiner vorhanden sein." Auf die Frage, ob sie nicht zu streng sei, meint Klum: "Ich sagen denen, wie es ist in diesem Geschäft. Wenn Sie das als streng bezeichnen wollen, gut. Dann bin ich streng."

Stratmann-Kritik perlt an ihr ab

Aber auch andere Kritik an ihrem Auftreten kontert die in den USA berühmteste Deutsche erstmals in selbstbewusst. "Ich bin es gewohnt, mir einiges anhören zu müssen. (...)Es ist okay. Ich stehe hinter dem, was ich sage." Kritikern wie der TV-Komödiantin Cordula Stratmann, die Klum vorwarf, mit ihrer Show das Mobbing auf Schulhöfen zu fördern, oder Alice Schwarzer, die sie als "kaltschnäuzige Scharführerin" bezeichnete, hält Klum entgegen: "Ich kenne mein Gewerbe seit zwei Jahrzehnten, ich weiß, wovon ich rede." Die "Jobs" von Cordula Stratmann oder Alice Schwarzer kenne sie nicht, "also kommentiere ich diese auch nicht."

Hochzeit? Derzeit kein Thema

Ihre 2012 gescheiterte Ehe mit dem Sänger Seal, sieht Klum heute sachlich, "Ich habe Ja gesagt und wollte, dass es für immer ist. Ich habe nicht mit dem Gedanken geheiratet, dass es nach ein paar Jahren wieder vorbei ist." Nun, nach ihrer zweiten gescheiterten Ehe, "habe ich zurzeit nicht das Gefühl, dringend wieder heiraten zu müssen".

Sie lebt jetzt mit ihrem Partner, dem ehemaligen Bodyguard Martin Kristen, in ihrem Haus in Los Angeles und versucht, die Kinder vor Paparazzi und Öffentlichkeit zu schützen. "Ich bin aber machtlos, wenn am Strand oder Park ein Fotograf im Busch lauert. Damit muss ich leben, ich kann meine Kinder ja nicht einsperren."

Das stern-Gespräch wurde nach einer Stunde für ein paar Minuten unterbrochen, Heidi Klum hatte an ihrem Smartphone eine Video-Besprechung mit ihren in Los Angeles frühstückenden Kindern. Nicht streng, aber bestimmt, fragte sie alle ab, ob die Obst-Smoothies geschmeckt hätten.

print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker