Hunde und Weihnachten Geschenke mit Wau-Effekt

Auch Haustiere sollen eine Bescherung erleben. Die Auswahl an Präsenten - vom Burberry-Mantel über Malsets bis zum Massageöl - ist beeindruckend. Aber was davon mag der Hund, hat sich stern-Korrespondentin Christine Kruttschnitt gefragt.

Ostern ist ein Fest, dessen Bedeutung der Hund sofort erfassen würde. Schließlich geht es im weitesten Sinne um Hasen. Hasen kennt er vom Feld. Hasen hat er schon gefangen. Hat er sogar schon gefressen, ein eher dunkles Kapitel in Georgies Geschichte. Aber Weihnachten! Soll und kann Weihnachten eine Rolle spielen im Hundeleben?

"Selbstverständlich!", rief meine Nachbarin fassungslos. "Du musst ihm etwas schenken! Du kannst doch nicht vor seinen Augen Geschenke auspacken und …" Sie schloss die Augen, schaudernd. "Was für eine Mutter bist du eigentlich?!"

Nun: gar keine. Aber ich habe einen Hund. Und ich lebe in Amerika, wo Hundebesitzer sich "Eltern" nennen und mich die "Mom" von Georgie. Und wie Eltern allüberall auf der Welt drehen sie vor allem an Weihnachten durch: Mehr als jeder zweite Hundefreund macht seinem Kaniden eine kleine Bescherung. "Hat er etwa schon alles?", fragte meine Nachbarin, und ich stellte beschämt fest, dass der Hund in der Tat das einzige Geschöpf in Familie und Freundeskreis war, das rein geschenketechnisch offene Flanken bot.

Nackt wie die Ahnen

Ich konnte praktisch bei null anfangen. Bei dem, was unter Zweibeinern etwa Krawatte und Rasierwasser entspricht. Das Tier besaß nämlich nicht ein einziges Kleidungsstück. Da designten sich Kreative von Ralph Lauren bis Paris Hilton den Wolf, was Cashmerepullöverchen und Regencapes anging, und meiner lief immer noch rum wie seine Vorfahren.

So kam es also, dass wir eines Tages in einer Hundeboutique vor einem Burberry- Mäntelchen standen, das teurer war als jedes Stück Stoff, das ich am Leib trug, und vor einem Smoking, der nach Leonardo DiCaprio benannt war (ein Schnäppchen, nur 95 Dollar!). Als ich Letzteren probehalber an den Hund hielt, passten gerade mal die Pfoten durch die Halsöffnung, niemals aber der ganze störrische Kopf. Eine Verkäuferin huschte nervös herbei. "Der Hund ist zu groß", nörgelte sie. "Gibt es das in XXL?", fragte ich, den aufkeimenden Argwohn in Georgies Blick ignorierend. Die Verkäuferin erwiderte vornehm, Hunde-Couture richte sich in der Regel nur an Tiere bis zwanzig Pfund (klar: Man kann vielleicht einen Chihuahua gegen seinen Willen in eine strassperlenbesetzte 600-Dollar-Abendrobe stopfen - aber einen Dobermann?).

Der Haustier-Supermarkt Petsmart erwies sich als ergiebiger: Rund tausend Geschenkartikel quellen jedes Jahr vorm Fest aus den Regalen, vom heizbaren Wellness-Bettchen bis zum mit Hundekeks gefüllten Weihnachtsstrumpf. Der Hit seien Geweihe, verriet der Verkäufer: ein Reif mit Rentierkopfschmuck für Hund und Mensch. Georgies Schwanz bog sich wie ein Kaminhaken zwischen die Beine, als ich ihm das Ding aufsetzte. Von da an war Schluss. Wenn ich auch nur in die Nähe von Nikolauskostümen, Halsbändern mit Schneemannmuster-Krawatte und gefütterten Stiefelchen kam, hob der Hund drohend das Bein, um an die Winterdekoration zu pinkeln. Wieder zu Hause, kontaktierte er seinen Anwalt.

Einen Knochen?

Kleidung war vielleicht nicht das Richtige. Aber Bällchen? Liebt jeder Hund. Und zu Weihnachten dann das ganz Besondere: Spirituelle Kalifornier empfahlen den "Om-Ball", der beim Reinbeißen Mantragesänge ausstieß, "aufgenommen von einem bedeutenden Kirtan-Meister", wie sie versicherten. Wir standen bei den bekennenden Buddhisten im Garten, der Hausherr warf das Bällchen, der Hund biss rein - und nagte so lange darauf rum, bis der Meister Ruhe gab. "Kauf ihm", sprach verärgert zum Abschied der Buddhist, "doch einen Knochen."

Aber längst war mein Jagdtrieb geweckt. Nahezu alles am Hund, frohlockte ich, war beschenkbar: Für die Krallen gab es Nagellack, fürs Fell wohlriechende Conditioner und eine Art Haarspray, für die Ohren eine CD mit Songs zum Glücklichsein (Textprobe: "Kratz meinen Rücken, oh, kratz meinen Rücken, oh yeah!"). Ich erwog ein Malset, bei dem der Hund auf einer Leinwand tapert und so Kunstwerke schafft, und ein Sixpack hopfenfreies Hundebier aus Rinderbrühe. Mir öffnete sich eine ganz neue Welt: Ich entdeckte von Architekten entworfene Hundekörbe und Halsbänder aus nahezu jedem Pariser Modehaus. "Ich habe ein tolles Parfüm für ihn gefunden", schwärmte ich meiner Nachbarin vor, "es heißt 'Sexy Beast' und riecht nach Muskatnuss. Es kostet 850 Dollar, aber vielleicht hat er sich das schon immer gewünscht?" -"Parfüm? Da wird er schnell die Koffer packen", meinte meine Nachbarin kritisch. -"Er hat ja keine!", rief ich begeistert. "Und es gibt so süße Hundekoffer. Und eine Spa-Box mit Massageöl und …"

Der Hund unterbrach mich, er zog an der Leine. Er war wie immer erschreckend nackt und ungewaschen, und wie immer wünschte er sich nur eines. Rausgehen. Hasen jagen. Weihnachten?, stand in seinen braunen Augen: Nee, danke. Geschenkt.

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