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#metoo-Debatte: "Er machte mich fertig" - Iris Berben erzählt, wie Dieter Wedel sie am Set schikaniert haben soll

Drei Frauen haben Dieter Wedel im "Zeit"-Magazin der sexuellen Belästigung beschuldigt. Wedel streitet die Vorwürfe ab. Jetzt erzählte auch Filmstar Iris Berben der "Zeit" von ihrer eigenen Erfahrung mit dem Regisseur.

Iris Berben

"Er machte mich fertig": Auch Iris Berben wurde Opfer von Dieter Wedels Schikanen, wie sie der "Zeit" erzählt.

Picture Alliance

Die Debatte um sexuellen Missbrauch und ungleiche Machtverhältnisse erreichte vor zwei Wochen auch die deutsche Filmszene, als drei Frauen (davon mit Jany Tempel und Patricia Thielemann zwei namentlich genannte) öffentlich sexuelle Belästigung vorwarfen. Die ehemaligen Schauspielerinnen legten eidesstattliche Versicherungen ab. Wedel bestreitet die Vorwürfe vehement und legte ebenfalls eine eidesstattliche Versicherung ab.

Herr Wedel hatte damals schon den Ruf, dass er sich gelegentlich Frauen auf unangemessene Weise nähert

Die "Zeit" sprach jetzt mit Filmstar Iris Berben über die #metoo-Debatte und sexuelle Gewalt in der Filmbranche. Dabei erzählte die 67-Jährige auch ihre ganz eigene Wedel-Geschichte.

Von den Gerüchten um den Filmemacher habe die Schauspielerin schon 1977 gehört, als sie mit ihm die Episodenreihe "Halbzeit" drehte: "Herr Wedel hatte damals schon den Ruf, dass er sich gelegentlich Frauen auf unangemessene Weise nähert", erzählt Berben der "Zeit". "Aber ich dachte, das kann ja auch nichts als ein Klischee sein." Dass sich das Klischee wohl bewahrheiten würde, ahnte Berben, als Wedel sie um ein Treffen unter vier Augen gebeten haben soll. "Ich antwortete ihm, das klinge alles sehr schön, und sehr gerne sei ich dabei, ich hätte allerdings eine Bitte: Ob ich meinen Mann kurz anrufen könne, 'der würde Sie so wahnsinnig gerne kennenlernen'", erzählt sie.

Dieter Wedel soll Iris Berben am Set drangsaliert haben

Damals habe sie gedacht, sie wäre Wedel gut entkommen, später am Set stellte sich laut Berben allerdings heraus, dass er seine Wut über die Abweisung an ihr auslassen würde. "Eine Woche später begannen wir zu drehen, und dann bekam ich die Quittung: Er machte mich fertig", erzählt sie und fährt fort: "Ich hatte in einer Szene nur ein Wort zu sagen, und zwar Hallo. Müsste eigentlich zu machen sein, dachte ich, aber Dieter Wedel ließ es mich immer und immer wiederholen, am Ende sicher mehr als dreißigmal." Die Schauspielerin erklärt, welche schlimme Auswirkungen so ein Psychoterror auf Schauspieler und Schauspielerinnen am Set haben kann. "Dreharbeiten sind eine sehr sensible Angelegenheit. Auf einem Set, vor all den anderen – und du sagst immer wieder Hallo. Da schießen einem schon die Tränen in die Augen", erzählt sie der Zeitung. Sie ist sich sicher, dass Wedels Aggressivität am Set nicht nur wegen der schlechten Leistung der Schauspieler erfolgte. "Wedel rächte sich, wenn jemand nicht bereit war, sein Spiel zu spielen", sagt Berben.

Wedel wehrt sich gegen Vorwürfe

Dieter Wedel wehrt sich über seinen Anwalt gegen neue Anschuldigungen. "Offenkundig ist durch den provozierten "Berichterstattungs-Tsunami" über unseren Mandanten jedes Maß an Rechtsstaatlichkeit verloren gegangen", ließ Wedel in Hamburg am Donnerstag über den Rechtsanwalt Michael Philippi der Deutschen Presse-Agentur mitteilen. "Hier wird mehr oder minder bekannten Schauspielerinnen, legitimiert und befeuert durch die "MeToo-Debatte", medial ein uneingeschränktes Forum für subjektiv begründete Unterstellungen geboten." Der Grundsatz der Unschuldsvermutung werde unterlaufen und außer Kraft gesetzt, Wedel werde "auf der Basis nicht bewiesener Anschuldigungen öffentlich an den Pranger gestellt", hieß es in der Mitteilung weiter. Es sei an der Zeit, "wieder rechtsstaatliche Grenzen" auch für sogenannte Verdachtsberichterstattung zu ziehen. Wedel ließ seinen Anwalt mitteilen: "Im Übrigen besteht die Zusammenarbeit zwischen einem Regisseur und Schauspielern darin, einen Text einzustudieren und wenn es nötig ist, solange zu repetieren, bis der Schauspieler seine Höchstleistung bringt." Es sei "absurd, wenn diese Arbeit nun als reine Schikane dargestellt und in einen Kontext mit subjektiv empfundenen angeblich zurückgewiesenen "Avancen" gegenüber Schauspielerinnen gestellt wird".

 betont im Interview auch, wie wichtig es für eine nachhaltige Veränderung der Machtverhältnisse ist, mehr Frauen in der Branche zu integrieren. Und sie erläutert konkrete Fortschritte, die das Arbeitsumfeld Film zu einem besseren machen sollen: "Wir haben damit begonnen, eine Art von Arbeitsgruppe zu bilden, unter Anleitung von geschulten Psychologen, in der Menschen aus unserer Branche von ihren Erlebnissen erzählen", sagt Berben. Für die Frauen, die sich öffentlich zu Dieter Wedel geäußert haben, hat die Grimme-Preis-Trägerin nur Lob: "Dazu gehört viel Kraft. Wie sagt man? Aus Wut wird Mut. Das finde ich gut."

TV-Regisseur, Doktor, Intendant: Wer ist eigentlich Dieter Wedel?


ls/DPA