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Jackson-Prozess: "Sexuell explizites" Beweismaterial zugelassen

Die Staatsanwaltschaft bezeichnet es als "pornografisches" Material: Kurz vor Beginn des Prozesses hat das gericht neue Beweismittel gegen Michael Jackson zugelassen. Wenn auch unter anderem Namen.

Kurz vor dem Missbrauchs-Prozess gegen Michael Jackson im kalifornischen Santa Maria hat der Richter auf Antrag der Anklage neues Beweismaterial zugelassen. Zu den neuen Beweismitteln gehören 2003 auf der Neverland Ranch des Sängers beschlagnahmte Zeitschriften, Bücher und DVDs. Melville untersagte der Staatsanwaltschaft, das Material als "pornografisch" oder "obszön" zu bezeichnen. Es dürfe den Juroren nur als "sexuell explizit" oder "für Erwachsene" vorgestellt werden.

Der Richter gab grünes Licht, eine BBC-Dokumentation zu zeigen, die den Sänger Hand in Hand mit dem jugendlichen Ankläger zeigt. Dies berichtete der US- Sender CNN. Einige Bücher mit Akt-Aufnahmen junger Männer, die bereits 1993 bei der Spurensuche in einem anderen Fall auf Jacksons Anwesen konfisziert wurden, verbot er als Beweismaterial.

Hauptbelastungszeugen muss öffentlich aussagen

Die Forderung der Staatsanwaltschaft, den jugendlichen Hauptbelastungszeugen (15) nur hinter verschlossenen Türen zu hören, lehnte Richter Rodney Melville hingegen ab. Nun sind Reporter und die Öffentlichkeit zugelassen, wenn der Junge seine Vorwürfe gegen Jackson erhebt.

Der 46 Jahre alte Sänger ist angeklagt, den damals 13-Jährigen mit Alkohol gefügig gemacht und missbraucht zu haben. Der Sänger selbst hat sämtliche Anschuldigungen, darunter auch Freiheitsberaubung und Erpressung, zurückgewiesen. Jackson sei das Opfer einer Rufmordkampagne, argumentieren seine Anwälte.

Richter ruft zu fairem Umgang auf

Der Richter rief Anklage und Verteidigung zu einem fairen Umgangston vor Gericht auf. Er werde keine "persönlichen Attacken" dulden. Die ganze Welt werde den Fall verfolgen. Es sei die Verantwortung aller Beteiligten der Welt zu zeigen, "welch ein feines (Rechts-)System wir haben". Beobachter rechnen mit einem langen Prozess. Allein die Auswahl der Geschworenen könnte mehrere Wochen in Anspruch nehmen, da Staatsanwaltschaft und Verteidigung insgesamt 750 in Frage kommende Personen befragen wollen.

Reuters / AP / DPA / AP / DPA / Reuters