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Pressestimmen

Chanel-Kreativdirektor: "Seine einzige große Angst war Langeweile": So verabschiedet sich die Presse von Karl Lagerfeld

Seine Mode, sein Gespür für Trends aus der Popkultur, sein unternehmerisches Fingerspitzengefühl oder die Entdeckung von Model-Ikonen wie Claudia Schiffer: Die internationale Presse wird Karl Lagerfeld wegen ganz unterschiedlicher Dinge vermissen.

Auf die Nachricht von Lagerfelds Tod mit (vermutlich) 85 Jahren reagierte man überall auf der Welt betroffen. Aber was sind die Aspekte seiner Person oder seiner Arbeit, die den verschiedenen internationalen Medien am wichtigsten sind? Es ist durchaus interessant, was man im Ausland an Karl Lagerfeld am bedeutendsten fand.

Große Trauer herrscht natürlich in Lagerfelds Wahlheimat Frankreich. Die dortige Tageszeitung "Le Figaro" macht aus ihrer Bestürzung keinen Hehl und beschwört: "Der große Modemacher Karl Lagerfeld, künstlerischer Direktor und Ikone des Hauses Chanel, ist diesen Dienstag gestorben. Der Kaiser der spektakulären Modenschauen, das Genie mit den schwarzen Brillen, das mit seinem Alter geschummelt hat, wird für die Leser des 'Figaro' ein Genie bleiben."

Die Briten bleiben derweil gewohnt sachlich und heben vor allem das unternehmerische Geschick des Modezaren hervor: "Niemand hat sich so lange bei so vielen Labels gehalten: Neben Chanel führte Lagerfeld Fendi und zeitweise seine eigene Marke", so der "Guardian".

Lagerfeld las täglich rund 20 Zeitungen, zählte viele Journalisten zu seinen Freunden

Lagerfeld las täglich rund 20 Zeitungen, zählte viele Journalisten zu seinen Freunden

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In der Schweiz, wo verhältnismäßig viele wohlhabende Menschen gern teure Mode kaufen, hatte man stets Lagerfelds künstlerisches Schaffen im Blick. Die "Neue Zürcher Zeitung" erinnert sich fasziniert: "Er sprach, zeichnete und arbeitete in rasantem Tempo. Dabei hielt er eine atemberaubende Menge von Bällen in der Luft: Designs für Chanel und das eigene Label unter seinem Namen, für die Modefirmen Hogan und Fendi, Werbeaufträge und Fotografie-Projekte, um nur einige zu nennen. Er konnte wie ein Snob wirken, aber scheute sich auch nicht, mit High-Street-Firmen wie H&M zusammenzuarbeiten."

Auch die "Basler Zeitung" schwärmt: "Karl Lagerfeld hat königliche Körper in Traumkreationen gehüllt und Outfits für Popstars wie Madonna und Kylie Minogue entworfen. Er hat mehr als ein halbes Jahrhundert die Mode mitbestimmt." 

In Österreich ist Claudia Schiffer offenbar noch immer so populär, dass die "Krone" Lagerfeld vor allem für eines lobt: "Für Chanel entdeckte er Ende der 80er-Jahre das deutsche Model Claudia Schiffer. Er machte sie zu einem der ersten Supermodels. Noch viele Jahre später stand Schiffer für ihn vor der Kamera."

Die vielleicht passendsten Worte fand aber die "New York Times": "Seine einzige große Angst war Langeweile", heißt es dort.

Lesen Sie auch das stern-Sonderheft über das Leben und Wirken von Karl Lagerfeld, das am Samstag im Handel erscheint.


wt