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Katherine Jackson: Der Kampf einer starken Mutter

Der Machtkampf in der Jackson-Familie hört nicht auf: Nach dem gewonnenen Sorgerechtsstreit um Michael Jacksons Kinder will die Mutter des verstorbenen King of Pop nun auch die Kontrolle im Jackson-Clan übernehmen. Das will ihr Mann Joe verhindern.

Von Hauke Herffs und Frank Siering

Häufig werde er gefragt, was das Erfolgsrezept seiner langen Ehe mit Katherine sei, schreibt Joe Jackson 2004 in seinem Buch "The Jacksons". Das Paar ist schließlich seit 60 Jahren verheiratet. Ein paar Zeilen darauf notiert Joe als Antwort: "Katherine kommt mit anderen Menschen gut aus. Sie hält auch das Haus tadellos sauber, sie ist eine fantastische Köchin. Zu mir könnte sie nicht netter sein." Ob er den letzten Satz heute immer noch so formulieren würde? Katherine galt all die Jahre als der stille gute Geist der Familie, doch in den vergangenen Wochen erleben wir eine andere Jackson-Mum.

Nachdem sie mit Debbie Rowe, der Ex von Michael, den Sorgerechtsstreit geklärt hat, setzt sie jetzt alles daran, dass sie auch "in alle Geschäftsangelegenheiten involviert" ist, wie ihr Anwalt Londell McMillan in einem TV-Interview sagte. Katherine fordert Einsicht in die Verträge zwischen Michael, seinen Anwälten, Plattenfirmen, Konzertveranstaltern und sogar seinem Vater Joe. Das Vermögen des Popstars ist so lange eingefroren, bis die Todesursache geklärt ist. Zwei Nachlassverwalter kümmern sich um die geschäftlichen Entscheidungen. Katherine will jedoch sichergehen, dass die Kids und sie nicht übergangen werden. Verständlich: Laut Testament stehen Michaels Kindern und ihr je 40 Prozent des Erbes zu. Mit dem erteilten Sorgerecht hält Katherine so den Löwenanteil in den Händen. Trotz der 280 Millionen Euro Schulden könnte am Schluss eine Milliardensumme übrig bleiben. Und sie will verhindern, dass Joe an das Geld kommt. Brian Oxman, der die Jacksons viele Jahre als Anwalt betreute, sagte zu GALA: "Es herrscht eine Art Familienkrieg. Die Parteien organisieren sich, aber es ist zu spüren, dass Katherine in Kämpferlaune ist."

Zur Kämpferlaune hat Katherine über den Tod von Michael gefunden. Früher stellte sie sich zwar immer schützend vor ihren Sohn, doch ansonsten hielt sie sich aus Rücksicht auf ihn aus dem Business zurück. Jetzt muss sie das nicht mehr. Sie sorge sich, dass diejenigen, die für den Tod ihres Sohns mitverantwortlich seien, nun Gewinn daraus ziehen, so ihr Anwalt. Joe will zum Beispiel, dass der Sänger auf Neverland beerdigt wird, um den Ort zu einer profitablen Pilgerstätte zu machen. Katherine setzt alles daran, um das zu verhindern. Unterstützt wird sie von ihren Töchtern Janet, Rebbie und La Toya. Sie hatten neben Katherine die engste Bindung zu Michael.

Joe und Katherines Ehe existiert nur noch auf dem Papier: Joe, der es mit der Treue wohl nie so genau nahm, lebt in Las Vegas, Katherine auf dem Anwesen in Encino im Norden von Los Angeles, wo sich Prince, Paris und Blanket aufhalten. Zu einer Scheidung konnte sich Katherine dennoch nie durchringen. Jedes Mal zog sie den Antrag wieder zurück. "Die beiden gehen schon lange getrennte Wege", sagte Dieter Wiesner zu GALA. Der 59-Jährige war zehn Jahre lang Berater von Michael Jackson. "Man redet zwar noch miteinander, aber das auch nur bei offiziellen Anlässen. Sie leben in verschiedenen Welten."

Joes Welt ist das Streben nach Glanz, Ansehen, Macht und Geld. Katherine, die früher so schüchtern war, dass sie anderen Männern nicht in die Augen sehen konnte, will statt Rummel ihre Ruhe. Wiesner erinnert sich, wie sie sogar einmal eine Hotelsuite aufräumte, die Michael in einem Wutanfall demoliert hatte. "Ich sagte, dafür hätten wir doch Personal. Und sie antwortete: 'Ich will nicht, dass jemand sieht, was mein Sohn angestellt hat.' Joe prahlte dagegen immer damit, dass er der Vater des King of Pop ist."

Die Kontrolle in der Familie will Joe um jeden Preis behalten, so wie er es all die Jahre gewohnt war. Im US-Fernsehen posaunte er heraus, Omer Bhatti sei das vierte Kind von Michael. Obwohl dieser das schon öffentlich abgestritten hat. Dieter Wiesner bezweifelt ebenfalls Jacksons Vaterschaft. Er war dabei, als dieser Omer das erste Mal 1997 auf seiner "History"-Tour in Nordafrika traf. "Michael war von ihm begeistert, weil der Junge ihm so ähnlich sah. Doch seine Kinder hat er vergöttert. Das war bei Omer nicht der Fall. Er hat ihn liebevoll aufgenommen, aber das tat er mit allen Kindern. Wenn es sein Sohn gewesen wäre, hätte man einen Unterschied bemerkt." Joe sieht dagegen in dem 25-Jährigen sogar die Zukunft des Clans. Er tanze und bewege sich "wie ein Jackson", behauptet er – der notorische Strippenzieher bleibt mit solchen taktischen Manövern im Spiel. Wer weiß, für welche Zwecke er den jungen Mann noch einspannen kann?

Die Belastung für Katherine ist jedenfalls groß. Freunde sorgen sich, dass der Stress und die Trauer ihrer Gesundheit zusetzen könnte. Vor vier Jahren erlitt sie einen Hirnschlag, sie leidet unter Bluthochdruck und Diabetes. Seit einer Polio-Infektion als Kind humpelt sie. "Es ist nicht einfach, aber sie ist eine starke Mutter", sagt ihr Anwalt auf die Frage, wie es ihr gehe. Sie sei ein Fels in der Brandung. Doch was passiert mit Michaels Erbe und den Kindern, wenn dieser Fels einmal nicht mehr da ist?