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Prozess in Los Angeles Kein Geld für Michael Jacksons Familie


Etliche Millionen wollte die Familie von Michael Jackson von dem Konzertveranstalter AEG Live haben. Doch ein Gericht hat die Agentur von jeglicher Mitschuld am Tod des King of Pop freigesprochen.
Von Frank Siering, Los Angeles

Ein Jauchzen ging durch den Saal, als der Sprecher der Geschworenen am Mittwoch (Ortszeit) in Los Angeles den Urteilsspruch im Prozess gegen Konzertveranstalter AEG verkündigte. AEG Live muss keinen müden Dollar wegen des Todes von Michael Jackson zahlen. Die Geschworenen sprachen die Agentur von dem Vorwurf frei, am Tod des King of Pop mitverantwortlich zu sein und mit Dr. Conrad Murray einen inkompetenten Leibarzt angeheuert zu haben.

Die Jackson-Familie, angeführt von Oma Katherine Jackson, hatte viel Geld gefordert: 85 Millionen Dollar für die drei Kinder ihres toten Sohnes und 35 Millionen Dollar für Oma Katherine selbst.

AEG Live war vor Beginn des fünf Monate anhaltenden Prozesses durchaus bereit, sich außergerichtlich zu einigen. Experten schätzen, der Konzertveranstalter hätte wohl rund 100 Millionen Dollar als Entschädigung auf den Tisch gelegt. Aber der Jackson-Clan wollte mehr, viel mehr.

Leibarzt bald wieder auf freiem Fuß

Michael Jackson war am 25. Juni 2009 während der Vorbereitungen seiner "This is it"-Tour an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol gestorben. Er wurde nur 50 Jahre alt.

Sein Leibarzt Dr. Murray wurde anschließend nach einem spektakulären Prozess wegen fahrlässiger Tötung zu vier Jahren Haft verurteilt. Er soll Ende Oktober – nachdem er nur die Hälfte seiner Haftstrafe abgesessen hat – wegen guter Führung frei gelassen werden.

"AEG trifft keine Schuld"

Der Prozess gegen AEG Live lief in den fünf Monaten niemals so richtig rund für die Jacksons. Und auch das Schlussplädoyer von Anwalt Brian Panish, der versuchte AEG Live als geldgeile und herzlose Firma darzustellen, verpuffte eher sang- und klanglos.

Nicht die Agentur, sondern Michael Jackson selbst, so die Verteidiger von AEG Live, habe Druck auf den Veranstalter ausgeübt, Dr. Murray anzuheuern. Von Fahrlässigkeit könne daher "überhaupt keine Rede sein", so der AEG-Justitiar Mavin Putnam. Der Anwalt weiter: "Der Urteilsspruch bestätigt erneut, was wir schon immer wussten. Michael Jacksons Tod ist tragisch, aber AEG trifft keinerlei Schuld."

Jackson-Clan will Berufung einlegen

58 Zeugen wurden in den letzten fünf Monaten vernommen. Auch Katherine Jackson war in den Zeugenstand getreten. Ein Martyrium für die 83-jährige Großmutter. "Michael hat alle Menschen geliebt", sagte sie im Zeugenstand. Und weiter: "Das Schlimmste für mich ist es, hier zu sitzen und all die schlechten Dinge hören zu müssen, die die Menschen über meinen Sohn sagen."

Der Jackson-Clan hat angekündigt, gegen das Urteil vom Mittwoch Berufung einlegen zu wollen. Vielleicht auch, so kursieren die Gerüchte in Los Angeles, weil die Geldmittel langsam ausgehen. Für die Mutter von Michael Jackson scheint die Tortur also noch immer nicht beendet zu sein.


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