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Friede, Freude, Flowerpower? : Was wirklich hinter Coachella steckt – und dem umstrittenen Chef des Festivals

In Indio, Kalifornien, findet dieser Tage wieder das Coachella-Festival statt. Was auf Instagram nach Flowerpower aussieht und nach großartiger Musik klingt, ist in den USA umstritten – besonders wegen der politischen Ausrichtung des Festival-Chefs. 

Coachella-Festivalgelände

Coachella-Festivalgelände in Indio, Kalifornien

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Alljährlich im April wird Instagram zu einem virtuellen Fotoalbum, vollgeklebt mit ästhetisch ansprechenden Bildern von Riesenrädern, Blumenkränzen und den atemberaubenden Sonnenuntergängen von Kalifornien. Schuld ist das Coachella-Musikfestival, das in Indio stattfindet und das sich seit einigen Jahren vom heißesten (buchstäblich und sinnbildlich) Event der Musikszene zur absoluten Influencer-Hochburg entwickelt hat. Trotz großer Headliner geht es heute vielen – so die Kritik – mehr darum, dabei zu sein und Selfies zu schießen, statt sich die Musik anzuhören. 

Jeder, der was von sich hält und der seine Selbstdarstellung zum Beruf gemacht hat, ist bei auf dem Festival anzutreffen. Neben unzähligen Influencern möchten sich auch Hollywoodstars nicht entgehen lassen, wenn Künstler wie Ariana Grande oder Cardi B der Menge einheizen. Was jedoch die Wenigsten wissen: Hinter Coachella steckt Philip Anschutz, ein – gelinde gesagt – umstrittener Unternehmer. 

Coachella-Betreiber Philip Anschutz ist umstritten

Dem US-amerikanischen Milliardär gehört die Anschutz Entertainment Group (AEG), zu der Goldenvoice gehört – die Agentur, die Coachella betreibt. Bereits im vergangenen Jahr sorgten Berichte einiger Musik-Websites für Aufsehen, die Anschutzs Ansichten kritisierten. "Freedom For All Americans", eine Gruppe, die für LGBTQ-Rechte kämpft, ließ in einem Artikel in der "Washington Post" verlautbaren, Anschutz habe homophoben Organisationen Geld gespendet. 

Philip Anschutz

Philip Anschutz gehört zu den reichsten Männern der USA

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Außerdem sei Anschutz ein Klimawandel-Leugner, behauptete wiederum Greenpeace. Er nutze seine Nachrichtenwebsite "The Washington Examiner", um rechtes Gedankengut voranzutreiben. Anschutz ließ im Anschluss an den "Washington Post"-Artikel ein Statement veröffentlichen. "Neueste Berichte, die in der Presse veröffentlicht wurden und besagen, ich sei anti-LGBTQ sind Fake News – es ist alles Müll", sagte Anschutz. "Ich unterstütze die Rechte aller Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung." Er achte bei neuen Mitarbeitern in seinen Firmen gezielt auf Vielfalt. Auf den Vorwurf angesprochen, er und seine Stiftungen würden umstrittenen Organisationen Geld spenden, sagte ein Sprecher: "Wir haben die Beiträge sofort eingestellt."

Vorwürfe reißen nicht ab

So ganz sind die Vorwürfe gegen Anschutz damit aber nicht aus der Welt geschafft. Denn wie das Magazin "The Fader" im vergangenen Jahr berichtet hat, soll der Unternehmer insgesamt etwa 200.000 Dollar an Republikanische Politiker gespendet haben. Darunter Senator Cory Gardner, ein großer Waffenfreund, der unter anderem Spenden von der "National Rifle Association" (NRA) bekommen hat und gegen die Reformierung der Waffengesetze in den USA ist.

Auch US-Representative Scott Tipton soll von Anschutz eine schöne Summe bekommen haben. Tipton ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen Abtreibungen. Genauso der Politiker Mike Coffman, der laut "Fader" von Anschutz über 5000 Dollar bekam. Coffman hatte 2012 für Furore gesorgt, als er Barack Obamas US-Staatsbürgerschaft angezweifelt hatte. "In seinem Herzen ist er kein Amerikaner", sagte er damals. 

Das liberale Festival und der umstrittene Milliardär – das will irgendwie nicht zusammenpassen. Vielen Influencern dürfte die Anschutz-Verbindung derweil wohl egal sein. Dafür sind die Sonnenuntergänge in Indio einfach zu schön. 

Quellen: "The Fader" / "Rolling Stone" / "Washington Post"

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