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Trumps Politik: Wie Einwanderer in den USA jetzt in ständiger Angst vor der Ausweisung leben

Donald Trumps hartes Vorgehen gegen Einwanderer sorgt bei den Betroffenen für schlaflose Nächte. Ein Bericht über den Druck und die Angst nicht zu wissen, ob das bisherige Leben morgen vorbei ist.

USA Mexiko

Brücke an der amerikanisch-mexikanischen Grenze

Bis vor wenigen Wochen führte Emilio Lopez Bautista ein geregeltes Leben: Er stand vor dem Morgengrauen auf, arbeitete auf den Feldern im kalifornischen Coachella-Tal und verdiente genug, um sich ein eigenes Haus leisten zu können. Doch seit Präsident Donald Trump mit aller Härte gegen Einwanderer vorgeht, ist dieses Leben für den 66-Jährigen vorbei. Seine Furcht wächst, sie lässt ihn nicht mehr los.

Nichts sei mehr sicher oder vorhersehbar, sagt der Mann, der vor 30 Jahren mit seiner Frau und den sechs Kindern illegal die Grenze von Mexiko in die USA überquerte.

"Wir haben Angst, wenn wir das Haus um fünf Uhr früh verlassen, wir haben Angst, wenn wir zur Arbeit fahren, wir haben Angst beim Arbeiten und selbst zu Hause haben wir Angst", beschreibt Lopez Bautista seine Gefühlslage. Er lebt in ständiger Furcht, dass er oder ein Familienmitglied gefasst und nach Mexiko abgeschoben werden könnten.

USA: Zehntausende ohne gültige Aufenthaltspapiere

Mit dieser Angst ist Lopez Bautista nicht allein. Auf den fruchtbaren Feldern des Coachella-Tals arbeiten zehntausende Menschen ohne gültige Aufenthaltspapiere. Nach Trumps neuen Vorschriften kann jeder von ihnen festgenommen und abgeschoben werden - ganz unabhängig davon, ob etwa Vorstrafen bestehen oder ob es sich um völlig unbescholtene Immigranten handelt.

"Manchmal kann ich gar nicht mehr schlafen", klagt Lopez Bautistas Frau Prudencia. "Was passiert mit unseren Enkeln, wenn wir oder ihre Eltern verhaftet werden?" Das Ehepaar hat bereits angefangen, Geld zurückzulegen für den Fall, dass sie nach Mexiko ausgewiesen werden. "In Mexiko haben wir keine Chance. Wir sind hier zu Hause", sagt Lopez Bautista.

Es gehe um die nationale Sicherheit, begründet Trump sein Vorgehen gegen die Einwanderer. Statistiken jedoch zeigen, dass die Kriminalitätsrate unter den Immigranten geringer ist als unter den im Land geborenen Bürgern. Anwälte der Einwanderer sprechen von einer regelrechten Hexenjagd auf die elf Millionen illegal im Land lebenden Menschen.

"Die Ungewissheit ist so groß", sagt Luz Gallegos von der Organisation TODEC, die Einwanderer rechtlich berät. Selbst als Anwälte könnten sie nichts dazu beitragen, die Menschen zu beruhigen.

Zu einer Informationsveranstaltung von TODEC kürzlich in Coachella kam auch die Vize-Polizeichefin der Stadt. Die Polizei sei nicht dazu da, Einwanderungsgesetze auszuführen, sondern die Bevölkerung zu schützen, versicherte Misty Reynolds den Zuhörern. "Einwanderer sind Teil dieser Gemeinde. Sie können sich auf uns verlassen."

"Niemandem einen Anlass liefern, mich anzuhalten"

Doch solche Worte können Samantha Yanez nicht beruhigen. Sie selbst steht unter dem Schutz des so genannten DACA-Programms, das sie vor einer Ausweisung bewahrt. Aber die 21 Jahre alte Studentin fürchtet um ihre Eltern. "Neulich war ich joggen und auf dem Rückweg sah ich Blaulicht, und da bekam ich wirklich Angst", erzählt Yanez. Sie sei jetzt viel vorsichtiger: "Früher hätte ich bei einem kaputten Rücklicht gesagt, das repariere ich morgen. Aber jetzt will ich niemandem einen Anlass liefern, mich anzuhalten."

Die letzte Hoffnung für viele Einwanderer ist das Gebet. Überall gebe es jetzt Gebetsgruppen, sagt die Rechtsberaterin Gallegos. "Wir hoffen auf ein Wunder. Aber Gott kann auch nicht alles richten."

Jocelyne Zablit / AFP
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