Königlicher Urlaub Wenn die Queen zum Kopftuch greift


Auf Bikini und Sonnencreme kann Queen Elizabeth getrost verzichten: Die britische Monarchin macht wie jedes Jahr Urlaub im schottischen Balmoral. Auf jeden Fall im Gepäck: Kopftücher.

Auch die britische Königin Elizabeth II. macht derzeit Urlaub, und nicht gerade kurz: Gleich bis Oktober hat sie sich abgemeldet. Die Queen gehört zu jener Sorte Urlauber, die immer an dieselbe Stelle fahren. Bei ihr ist es das schottische Schloss Balmoral. Dort kann sie am Besten ausspannen und mal Privatfrau sein - soweit das bei einer Königin geht.

Immerhin stellt sie sich manchmal mit einem Tablett in der Hand in der Besucherkantine des Schlosses an und bestellt sich dort einen Burger oder ein Stück Kuchen. Anschließend plaudert sie, so wird berichtet, mit den Gästen. Wenn man Glück hat, trifft man sie in der Umgebung. Die Urlauberin Sara Tait begegnete ihr einmal an einem Wasserfall in den Highlands und wusste hinterher zu berichten, ihre Aussprache sei "schöner als im Fernsehen". Die Queen habe gesagt, wie hübsch es hier doch sei und wie das Wetter wohl werde. "Und ich erinnere mich noch, dass ich dachte, wie wunderbar ihre Haut ist."

Königlicher Urlaubsort seit Queen Victoria

Balmoral ist schon seit Königin Victoria, die von 1837 bis 1901 regierte, das Feriendomizil der Royals. Victorias Prinzgemahl Albert fühlte sich durch die dicht bewaldete Landschaft an seine thüringische Heimat erinnert. Victoria schwärmte bei ihrem ersten Besuch: "Alles atmet Freiheit und Frieden und lässt einen die Welt und ihre traurigen Unruhen vergessen."

Nicht alle Gäste sind so begeistert. Traditionell wird die Queen während ihres ausgedehnten Sommerurlaubs einmal vom Premierminister besucht. In London ist es ein offenes Geheimnis, dass Tony Blair und vor allem seine Frau Cherie nie große Neigung verspüren, in den hohen Norden aufzubrechen und dort mit Elizabeths Gemahl Prinz Philip Würstchen zu grillen. Die Blairs gelten als Stadtmenschen, die sich Urlaub nur in der Toskana oder am Palmenstrand vorstellen können.

Blairs Vorgänger John Major erzählte einmal, wie er auf Balmoral vom italienischen Ministerpräsidenten angerufen wurde, aber ihn kaum verstehen konnte, weil unter seinem Fenster pausenlos Dudelsack gespielt wurde. Vielen Besuchern ist es in dem Gemäuer auch einfach zu kalt und zu dunkel.

Blaue Flecken vom Moorhuhn

Aber der Königin gefällt es. Sie braucht keinen Abenteuerurlaub und kein Besichtigungsprogramm. Ein paar Ausflüge mit ihrem Range Rover reichen ihr. Sie liebt die Ruhe und Abgeschiedenheit des Ortes. Gewiss, es ist schon mal vorgekommen, dass ihr ein abgeschossenes Moorhuhn genau auf die Schulter fiel und sie sich dadurch einen blauen Fleck zuzog. Oder dass zwei Segelflieger auf ihrem Cricket- Rasen landeten, während sie gerade den Tee einnahm. Aber solche Vorfälle sind selten.

Das Schloss ist nicht besonders luxuriös eingerichtet. Privat ist die Queen sehr genügsam und legt wenig Wert auf Stil und Design. Zum Frühstück kombiniert sie Tafelsilber mit Kunststoffgeschirr. Und zwischen Hirschgeweihen und Wildschweinköpfen hatte sie zeitweise einen singenden Plastikfisch auf einem Klavier aufgestellt.

Von Dauerregen lässt sich die Königin nicht unterkriegen. Dann bindet sie sich ein Kopftuch um, lässt sich Regenmantel und Gummistiefel reichen und stiefelt hinaus in die freie Natur. Da soll noch einer sagen, die Monarchie sei kein Vorbild mehr.

Von Christoph Driessen, DPA DPA

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